Therapie - Blutglukosewerte:
Die Messung von Blutglukosewerten dient der Steuerung der Insulintherapie.
Als Therapieziel gelten Werte zwischen 91 und 120 mg/dl (5,1 und 6,7 mmol/l) vor den Mahlzeiten und 110 bis 135 mg/dl (6,1 bis 7,5 mmol/l) vor dem Schlafengehen.
Postprandiale Blutglukosewerte (Ziel: [venös/kapillär]: 90 bis 180 mg/dl (5 bis 10 mmol/l) /100 bis 200 mg/dl (5,6 bis 11,1)
2 h nach Beginn der Mahlzeit1) sollten, abhängig von der gewählten therapeutischen Strategie der Insulintherapie, gezielt gemessen werden. Ein 6-Punkte-Blutglukosetagesprofil wird alle 2 Wochen bzw. bei Differenzen zwischen präprandialen Blutgukosewerten und dem HbA1c empfohlen. Die postprandialen Blutglukosewerte sind eine Funktion des Spritz-Eß-Abstandes, der Resorptionsgeschwindigkeit und dem Umfang der Mahlzeit sowie der Insulinkinetik.
Nächtliche Blutglukosekontrollen (ca. 2.00 - 4.00 Uhr) sind bei Verdacht oder Neigung zu nächtlichen Hypoglykämien erforderlich und sollten darüber hinaus regelhaft je nach Stabilität der Stoffwechseleinstellung alle 4 - 8 Wochen vorgenommen werden.
Therapie - Insulintherapie:
Die Insulinbehandlung ist eine lebensrettende Hormonersatztherapie, die bei Diabetes mellitus Typ 1 zwingend indiziert und lebenslang beizubehalten ist. Sie ersetzt mit ihren verschiedenen Formen die verlorengegangene/beeinträchtigte Insulinsekretion des Patienten. Die dafür erforderliche Insulinwirkung ist das Produkt der aktuell verfügbaren Insulinmenge (Einheiten) und der Insulinempfindlichkeit der Gewebe. Die Abstimmung von Insulinbedarf und Insulinempfindlichkeit wird beim Gesunden durch die Betazellen des Pankreas über die kontinuierliche Messung der Blutglukosekonzentration gewährleistet.
Konventionelle Insulintherapie
Sie ist charakterisiert durch eine verbindliche Vorgabe sowohl der Insulindosis als auch der Abfolge und Größe der Mahlzeiten (feste Kohlenhydratportionen). Blutglukoseselbstmessung 1- bis 2-mal täglich. Bei dieser Therapieform werden in der Regel fixe Insulinmischungen verwendet, die 2-mal täglich verabreicht und soweit möglich an das Essverhalten des Patienten angepasst werden. Diese Insulintherapie sollte bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 nur vorübergehend oder ausnahmsweise zum Einsatz kommen.
Intensivierte Therapieformen
Die hier zu nennenden Strategien können in folgende Gruppen unterteilt werden. Das sind die - Intensivierte Insulintherapie mit starrer Insulindosierung. Hier handelt es sich um eine Insulintherapie mit 3 oder mehr Injektionen pro Tag sowie weitgehend verbindlicher Vorgabe von Insulindosis und Mahlzeitenabfolge, aber mit zusätzlicher präprandialer Insulindosierung und mehrfachen Blutglukosekorrekturmöglichkeiten durch den Patienten. Diese Insulintherapie sollte bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 nur vorübergehend oder ausnahmsweise zum Einsatz kommen. Und der - Intensivierte Insulintherapie mit mahlzeitenbezogener Insulindosierung (=Funktionelle Insulintherapie oder Basis-Bolus-Therapie). Bei dieser Strategie der Insulintherapie wird die Substitution von basalem und prandialem Insulin strikt getrennt. Diese aufwendigste Therapieform orientiert sich an definierten Kennwerten und ermöglicht dem Patienten die individuelle Festlegung der Mahlzeitengröße und der Zeitpunkte ihrer Einnahme. Blutglukosekorrekturen und Insulindosierung erfolgen in diesem Fall ausschließlich eigenverantwortlich durch den Patienten.
Insulinpumpentherapie
Insulinpumpen können für die Insulinzufuhr eingesetzt werden. Verwendet werden bei einer Insulinpumpentherapie im Unterschied zu Insulintherapien mit Mehrfachinjektion von Verzögerungs- und kurzwirkenden Insulinen (ICT oder MDI) - für die Abdeckung des basalen und des prandialen Insulinbedarfs ausschließlich Normalinsulin oder sehr kurz wirkende Insulinanaloga mit Vorteilen für den Einsatz von Analoga
Eine besondere Stärke der Verwendung von Insulinpumpen ist die detaillierte Programmierbarkeit der basalen Insulinversorgung, die weit über die Möglichkeiten von multiplen Insulininjektionen hinausgeht
Die sich daraus ergebenden möglichen Vorteile sind:
- gute Abdeckung und Anpassungsmöglichkeit des basalen Insulinbedarfs
(v.a. während der Nacht)
- weitgehende Konstanz der Insulinabsorption (im Gegensatz zu wechselnden Resorption nach Einzel- Injektionen)
- die rasche Absenkbarkeit der Basalrate bei körperlicher Belastung (Sport)
- variable Gestaltung von präprandialen Bolusprofilen
- die Vorprogrammierung unterschiedlicher Basalratenprofile daraus ergibt sich insgesamt
- Verminderung von schweren Hypoglykämien
- Eine erhöhte Flexibilität des Tagesablaufs
Indikationen für den Einsatz von Insulinpumpen sind:
- ausgeprägte Hypoglykämieneigung bzw. schwere Hypoglykämien
- Patienten mit hohem HbA1c unter optimierter Injektionstechnik
- Patienten mit ausgeprägten Blutglukoseanstiegen vor dem Frühstück (Dawn-Phänomen)
- Patienten mit sehr niedrigem Insulinbedarf (auch bei kleinen Kindern und in der Remissionsphase)
- Schwangerschaft
- Schichtarbeit oder unregelmäßiger Tagesablauf aus anderen Gründen
Voraussetzung für die Anwendung einer Insulinpumpe sind:- die Beherrschung einer intensivierten Insulintherapie mit multiplen Injektionen durch den Patienten für den Fall eines technischen Defektes der Insulinpumpe als therapeutische Überbrückungshilfe
- ein spezielles Training durch das jeweilige Schulungsteam bezüglich der anzuwendenden Strategie der Insulintherapie, der technischen Insulinpumpenfunktionen und der möglichen Komplikationen (Cave: Ketoazidosegefahr bei Katheter-verschlüssen oder anderen technischen Defekten)
- Die Sicherstellung der Betreuung durch ein Diabeteszentrum mit entsprechender Erfahrung in der Anwendung von Insulininfusionspumpen
- ausreichende Motivation und Zuverlässigkeit des Patienten