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Alt 19.07.2008, 17:25   #1
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Registriert seit: 26.09.2006
Beiträge: 176




Standard 10: Faktor Psyche





Der Typ 1 - Diabetes und die Psyche

Bei der Diabetestherapie kommt dem Patienten die entscheidende Rolle zu, da er die wesentlichen Therapiemaßnahmen in seinem Alltag dauerhaft
und eigenverantwortlich umsetzen muss. Die Prognose des Diabetes mellitus hängt wesentlich davon ab, inwieweit dies dem Betroffenen auf
dem Hintergrund seines sozialen, kulturellen, familiären und beruflichen Umfeldes gelingt. Entsprechend muss ein Diabetiker "Wissen und Fertigkeiten" zur Selbstbehandlung und deren Umsetzung im Alltag erwerben...

  • den Diabetes mellitus emotional und kognitiv akzeptieren und krankheitsbezogene Anforderungen bewältigen
  • Lebensgewohnheiten verändern, die einer erfolgreichen Selbstbehandlung entgegenstehen
  • erfolgreich mit Krisen, Problemen oder anderen Erkrankungen umgehen lernen, die den Umgang mit dem Diabetes mellitus erschweren (z.B. psychosoziale Belastungen, psychische Probleme wie Depressionen, Ängsten, Essstörungen,Abhängigkeitssyndrome).
  • Es gibt eine Reihe evidenzbasierter Empfehlungen, die Patienten mit Diabetes mellitus unterstützen, möglichst erfolgreich mit ihrer Therapie zurechtzukommen.




Depressionen


Patienten mit Diabetes mellitus haben im Vergleich zur Normalbevölkerung ein erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken.
Dabei überwiegen Anpassungsstörungen, die sich als Reaktion auf die Bewältigung der Erkrankungen entwickeln,
(v.a. depressive und depressiv-ängstliche Reaktionen) sowie chronische und milde Depressionsvarianten (Dysthymia).


Diabetiker mit einer Depression:
  • Patienten mit Diabetes mellitus und einer Depression befolgen in geringerem Umfang die therapeutischen medizinischen
    Empfehlungen und weisen eine ungünstigere Stoffwechseleinstellung (HbA1C) auf.
  • Menschen mit einem Diabetes und einer Depression haben ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Folgekomplikationen und eine geringere Lebenserwartung.
  • Depressionen und depressive Stimmungen gehen mit einer erheblichen Reduktion der Lebensqualität und der Therapiezufriedenheit der betroffenen Diabetiker einher.
  • Depressive Personen mit einem Diabetes haben ein deutlich erhöhtes Risiko für funktionelle Einschränkungen im Alltag
    (z.B. Arbeitsfähigkeit).
  • Frauen mit Diabetes erkranken deutlich öfter an Depressionen als Männer mit Diabetes.
  • Das Risiko, an einer Depression zu erkranken, steigt mit der Entwicklung und der Anzahl der diabetischen Spätkomplikationen.
  • Patienten weisen in den ersten 30 Tagen nach einer schweren Hypoglykämie eine erhöhte depressive Symptomatik auf.
  • Die Kosten der medizinischen Versorgung sind bei Personen mit einem Diabetes und einer komorbiden Depression deutlich erhöht gegenüber Personen mit Diabetes ohne Depression.




Angststörungen

Es besteht keine erhöhte Prävalenz von Angststörungen im Vergleich zur Normalbevölkerung. Die vorliegenden Angststörungen sind zwar meist nicht spezifisch für diese Patientengruppe, sie sind jedoch teilweise eng mit diabetesbezogenen Themen verknüpft. Ängste vor Folgekomplikationen und Hypoglykämien stellen die beiden stärksten krankheitsspezifischen Belastungen im Zusammenhang mit der Diabetestherapie dar.
  • Eine pathologische Hypoglykämie-Angst ist charakterisiert durch übermäßige Angst vor möglichen zukünftigen Hypoglykämien. Zur Vermeidung der gefürchteten Hypoglykämien werden meist deutlich überhöhte Blutzuckerwerte in Kauf genommen. Je nach Ausgestaltung der Hypoglykämie Angst können die Kriterien einer Panikstörung, Agoraphobie oder sozialen Phobie erfüllt sein.
  • Übermäßige Ängste und Sorgen über mögliche Spätfolgen und Komplikationen des Diabetes können im Rahmen einer generalisierten Angststörung auftreten.
  • Die Spritzenphobie ist ein seltenes Angstsymptom bei Patienten mit insulinbehandeltem Diabetes. Die Angst vor negativer Bewertung durch Andere kann als soziale Phobie negative Auswirkungen auf das Diabetesmanagement haben (z. B. aus Angst, unangenehm aufzufallen, wird in der Öffentlichkeit auf das Blutzuckermessen und Insulinspritzen verzichtet). Angststörungen bzw. subklinische Ängste können die Ursache für eine schlechte Stoffwechseleinstellung sein. Diabetiker mit einer Angststörung sind zudem durch den Diabetes überdurchschnittlich belastet und weisen eine deutlich verminderte gesundheitsbezogene Lebensqualität auf.




Psychogene Essstörungen


Psychogene Essstörungen stellen neben den Depressionen und Angststörungen die wichtigsten psychischen Krankheiten bei Patienten mit Diabetes mellitus dar. Neben den klassischen Essstörungen Anorexia nervosa und Bulimia nervosa ist v. a. die so genannte „Binge-Eating-Störung“ (Heißhungerattacken ohne gegensteuernde Maßnahmen wie Erbrechen etc.) von Bedeutung.

Im Hinblick auf die Stoffwechseleinstellung können alle Formen gestörten Essverhaltens einen negativen Effekt haben.
  • Die Anorexia nervosa ist eine seltene Erkrankung und tritt bei Diabetikern nicht häufiger als bei Stoffwechselgesunden auf. Bei der Bulimia nervosa ist in den letzten Jahrzehnten ein deutlicher Anstieg der Prävalenz zu beobachten, ca. 3 bis 6% junger Frauen mit Diabetes leiden an dieser Essstörung. Mindestens 90% aller Diabetiker mit einer Anorexia oder Bulimia nervosa sind Frauen. Junge Frauen mit Diabetes und einer Anorexia oder Bulimia nervosa nehmen nicht selten bewusst Insulinreduktionen vor, um mittels der nachfolgenden Glukosurie Kilokalorien bzw. Gewicht zu verlieren. Dieses „Insulin-Purging“ kann auf Dauer zu erheblichen Folgeschäden führen.
  • Die Binge-Eating-Störung ist insbesondere für Typ-2-Diabetiker von Bedeutung, da sie in der Regel mit Übergewicht und
    Adipositas einhergeht. Der Anteil an erkrankten Männern beträgt hier mindestens 30%. Bei jungen Mädchen mit Diabetes mellitus liegt im Vergleich zu stoffwechselgesunden Gleichaltrigen häufiger ein gestörtes Essverhalten vor, das zwar nicht alle Kriterien (z.B. einer bulimischen Essstörung) erfüllt, welches aber (z.B. durch Heißhungerattacken) ein erhöhtes Risiko für eine Entgleisung des Stoffwechsels und die Entwicklung von diabetischen Spätschäden beinhaltet.




Abhängigkeit von Alkohol und Nikotin

Alkoholmissbrauch tritt bei Menschen mit Diabetes genauso häufig auf wie in der Allgemeinbevölkerung (ca. 4%).
Akut alkoholabhängig sind ca. 2,4% der Bevölkerung ab 18 Jahren.
Die metabolische Kontrolle wird durch die direkten Einwirkungen des Alkohols auf den Glukosestoffwechsel sowie indirekt aufgrund des ungünstigen Einflusses des Alkoholkonsums auf das Selbstbehandlungsverhalten negativ beeinflusst. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Begleiterkrankungen wie Hypertonie oder Hyperlipidämie sowie diabetesbedingte Akutund Folgekomplikationen (Polyneuropathie, diabetisches Fußsyndrom, erektile Dysfunktion, schwere Hypoglykämien und Ketoazidosen mit Todesfolge).Die Diabetesbehandlung wird häufig aufgrund mangelnder Behandlungsmotivation, Fehler bei der Selbstbehandlung und gesundheitlicher chronischer Folgen des Alkoholabusus (z.B. gastrointestinale Störungen) sowie einer unzureichenden, diskontinuierlichen medizinischen Betreuung sehr erschwert.





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Geändert von Dirk (08.12.2008 um 14:53 Uhr)
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