Sport ohne Kohlenhydrate

  • Wie so manch einer ja schon von mir gelesen hat, habe ich bereits den einen oder anderen Lauf ohne Kohlenhydrate, also nüchtern absolviert. Das ist für mich ein mega Fortschritt gewesen. Ich konnte während der Läufe feststellen, dass mein BZ bis ca. 78 runter geht und dann schaltet der Körper irgendwie um und lässt die BZ wieder steigen. Die Höhe variiert je nach Anstrengung. Nun ist das aber nicht der einzige Sport, den ich mache. Ich gehe zusätzlich ins Fitnessstudio und dort fange ich immer mit dem Cardiorad an. Da fahre ich so 1 Stunde ca. 20 - 22 km. Interessant fand ich, dass mein BZ hierbei doch noch weiter fällt als beim Laufen. Es war kein Bolusinsulin mehr aktiv! Letzter Bolus lag 6 Stunden zurück. Jedenfalls bin ich bis auf 50 runter und es zitterten die Hände und die Hyposymptome waren da. Ich beschloss, das Radfahren abzubrechen und begab mich zum Trainer. Diesen habe ich über meine extreme LC-Ernährung und Ketose kurz aufgeklärt und ihn gebeten, kurz auf mich aufzupassen. Für den Fall dass ich doch wegkippe habe ich ihm erklärt, dass er mir dann bitte die Glucagonspritze verabreichen möchte. Schön zu wissen war, dass dieser Trainer sofort wusste, wovon ich rede. Jedenfalls hat sich mein Zustand/BZ Spiegel dann innerhalb der nächsten 5 Minuten wieder gebessert. Ich war dann wieder bei 72 und das Zittern usw. ging vorüber. Anschließend konnte ich mein Training im Studio fortsetzen. Und für mich ist einfach gut zu wissen, dass der Körper auch bei einem BZ von 50 doch schafft umzuschalten. Ist ja vielleicht auch für andere interessant zu wissen.
    Klar, es war riskant, aber: "No risk, no fun"

  • Direkt nach dem Sport um 18.00 Uhr lag der BZ bei 100. Danach habe ich auf jeden Fall noch etwas gegessen, leider habe ich diesmal nicht notiert, was es war (Salat war es sicher). Jedenfalls war der BZ dann abends um 22.30 Uhr bei 127.
    Hobbit : Die Glucakonspritze zu nutzen ist und war nicht mein Ziel.

  • Zitat

    Und für mich ist einfach gut zu wissen, dass der Körper auch bei einem BZ von 50 doch schafft umzuschalten.

    Ich glaube das ist das falsche Fazit aus der Geschichte.
    Bei UZ mit 50 wird beim Stoffwechsel nicht mehr viel auf Ketose "umgeschaltet."
    Der Körper versucht gegenzusteuern indem er die Glukosereserven aus der Leber usw rausschickt. Soweit noch vorhanden wird die Insulinproduktion reduziert.
    Die Hyposymptome die man spürt kommen auch durch diese Gegenregulationen, zum Beispiel zitterige Hänge durch Adrenalin etc.

  • Noch mal Glück gehabt. Gratulation an Fortuna.
    Aber, auch wenn es diese mal glimpflich abgelaufen ist, so gibt es genügend Hinweise, dass auch häuffige leichte und mittlere UZ möglichts zu vermeiden sind, da sie bleibende Schäden verursachen.


    Zum Versuch an sich, dass was dort beschrieben ist, ist keine Neuigkeit und wird in verschiedenen Stellen beschrieben: Der BZ kann abhängig von Zeit, Leistungsfähigkeit der sporttreibenden Person und der Art, Intensivität und der Intensivität sowohl steigen als auch fallen.


    Auch nicht neu sind Gegenreaktionen, mit Sekretion von Hormonen oder Abgabe, von gespeicherten KH, in den Blutkreislauf. Nur.....
    ...Wenn gespeicherte Kohlehydrate ausgeschüttet werden um die körperliche Bewegung zu Beginn zu ermöglichen oder um der UZ entgenzuwirken, wo her sollen die KH für die Glucagonspritze kommen?

  • Zitat

    Aber, auch wenn es diese mal glimpflich abgelaufen ist, so gibt es genügend Hinweise, dass auch häuffige leichte und mittlere UZ möglichts zu vermeiden sind, da sie bleibende Schäden verursachen.


    Quelle?

  • Hattest du die "50" auf dem Libre / CGM oder blutig?


    Übrigens auch meine Erfahrung - der Körper schaltet um. Und zwar schonend - weil das adrenalinbedingte "brutale Umschalten" über die Glucagonreserven wäre sicher jenseits 200. Und IMHO hat das nichts mit Glück zu tun, das ist schlicht die Fähigkeit die Energiequelle umschalten zu können.

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    Nix Diabetes - das ist lediglich Glucose-Intoleranz.

  • Genau davon bin ich auch ausgegangen. Denn beim Laufen und höherem Puls und auch ohne KHs funktioniert es ja. Nur verstehe ich nicht, was da schief gelaufen ist. Ich bin der Meinung, dass ich mittlerweile seit ca. 5-6 Monaten ketogen unterwegs bin. Das hat mich eben gewundert. Gegenregulation und Unterzuckerungen sind mir nur zu gut bekannt. Deshalb habe ich ja alles umgestellt.
    Und die 50 habe ich blutig gemessen. Beim Sport kontrolliere ich immer blutig.
    nikp : Die Glukagonspritze soll mich ja nur wieder zurückholen, für den Fall, dass ich doch wegkippe. Und danach hätte ich mir eben in der Kabine etwas Essen zugeführt. So wie man es auch lernt.

  • Die Gegenregulation muss nicht immer "brutal" bis über 200 sein. Die beschriebenen gefühlten Symptome zeigen mMn doch dass die Gegenregulation normal abläuft.


    Bei UZ mit Hyposymptomen ist es egal ab 50 am Finger oder auf dem Sensor. Ketose und flexibler Stoffwechsel hin oder her: UZ ist UZ. Selbst wenn da noch irgendwas umschaltet, was ich nicht glaube, was bringt nachdem die UZ schon passiert ist..


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    Laufen und radfahren scheinen auf den ersten Blick ähnlich aber ich glaube für den Körper sind es ganz andere Bewegungen. zB 30-60min joggen, selbst langsam, kann schon anspruchsvoll sein. Aber selbst untrainierte können locker 1h radfahren. Beim radfahren geht mein Bz eigentlich immer in eine Richtung: runter. Bis auf eine Ausnahme: Mit dem Hollandrad mit oller 3gang-Schaltung bergauf. :arghs: Mit dem MTB bergauf sinkt der Bz. Ich vermute der Unterschied ist die Trittfrequenz die beim Hollandrad dann viel langsamer ist, die Anstrengung geht dann mehr auf die Muskeln statt auf den Kreislauf oder so?


  • nikp : Die Glukagonspritze soll mich ja nur wieder zurückholen, für den Fall, dass ich doch wegkippe. Und danach hätte ich mir eben in der Kabine etwas Essen zugeführt. So wie man es auch lernt.


    Aber, das Glukagon aus der Glukagon-Spritze sol dazu führen, dass Kohlydratreserven frei werden. Das bedeutet, dass auch genügend KH-Reserven vorhanden sein müssen. Wenn diese schon verbraucht sind, fällt diese Wirkung aus. Dann hilft nur noch eine Intravenöse Zuckerlösung und die Resistenz die, die Stresshormone Adrenalin, Kortison & Co verursachen.

  • Wegen LC sollten trotzdem Reserven existieren. Schließlich hat der Körper vorher bereits gelernt, dass es außer "Zucker" noch andere Quellen gibt und diese vorher aktiviert haben.


    Keine Ahnung ob das als "Selbstversuch" taugt - die Spritze sollte bei einem LCler trotzdem den BZ "Himmel" auslösen.

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    Nix Diabetes - das ist lediglich Glucose-Intoleranz.

  • Schließlich hat der Körper vorher bereits gelernt, dass es außer "Zucker" noch andere Quellen gibt und diese vorher aktiviert haben.

    Ich glaube so funktioniert das nicht.
    Nach meinem Verständnis bezieht sich dieses "Der Körper lernt Energie aus Fett etc statt Glukose zu nutzen" nicht auf Unterzuckerungen sondern auf normalen Sport/Belastung. Je nach Trainingszustand, Ernährung, Art sowie Dauer der Belastung wird entweder Glukose oder Fett genutzt. Das lässt sich "verbessern" bzw in Richtung Fettstofwechsel verschieben, zum Beispiel durch Training.
    Aber bei Unterzuckerung laufen soweit ich weiss bei jedem Mensch die gleichen Vorgänge ab, die Wirkung der ausgeschütteten Hormone lässt sich nicht "umlernen."

  • Du hast die Hypo also ausgesessen, ohne KH zu essen? Warum hast du nicht einfach ein bisschen traubenzucker gegessen? Der Ketose hätte das nicht geschadet, die wird durch Insulin unterbrochen, nicht durch Kohlenhydrate.

  • Ja, ich habe das tatsächlich ausgesessen. Ich habe das mit der Ketose nämlich genau anders herum verstanden. Zu viele KH könnten mich aus der Ketose hauen. Wo genau die KH Menge/Grenze liegt ist ja bei jedem unterschiedlich. Da hätte der Traubenzucker sprichwörtlich "das Fass zu m Überlaufen bringen können". Genau das wollte ich vermeiden. Mein Fazit ist nun, das Radfahren etwas entspannter anzugehen, bis es funktioniert.

  • OK, es ist schon mal gut zu wissen, dass der Körper einem einige Ausrutscher verzeiht.


    Dennoch würde ich von häufigeren Ausflügen in derart tiefe BZ-Gefilde abraten.
    Dadurch ruinierst Du Dir Deine Hypo-Wahrnehmung.
    Und Hypo-Wahrnehmung ist für uns Insulin-Abhängige eine wertvolle Lebensversicherung.

    Diabetes ist kein Zuckerschlecken ;-)

  • Dadurch ruinierst Du Dir Deine Hypo-Wahrnehmung.

    Meine Hypo-Wahrnehmung ist beim Sport ohnehin stark eingeschränkt. Deswegen messe ich ja ständig blutig.


    Ich komme nochmal zurück zu dem Beitrag von Pelzlöffel und der Hollandrad-Erfahrung. Demnach deute ich meinen BZ-.Abfall dahingehend, dass das Radfahren im Studio nicht so anstrengend daherkommt, wie das Laufen. Beim nächsten Mal werde ich einfach mal ein paar Stufen drauf legen und schauen, was passiert.

  • Ich meinte, dass Du Dir die Hypo-Wahrnehmung generell ruinierst. Nicht nur die Hypo-Wahrnehmung beim Sport.

    Diabetes ist kein Zuckerschlecken ;-)

  • Ja leider, das weiß ich. Es ist halt schade, dass sich damit nicht so viele richtig auskennen, ganz abgesehen von den Diafees. Keto ist halt bei vielen umstritten oder eben noch nicht bekannt. Deshalb hatte ich ja gehofft, dass sich jemand hier besser damit auskennt als ich. Ansonsten ist halt gängige Meinung: ausreichend Kohlenhydrate für Sport... und genau das ist eben nicht mein Fahrplan. Es soll einfach ohne funktionieren.
    Ich werde, wenn es interessiert, gerne weiter berichten.