Zu viel Basal.. welcher Effekt?

  • Ich überlege gerade, ob meine seltsamen Werteverläufe in letzter Zeit von zu hoher Tresiba-Dosis kommen können.

    Auffällig ist, dass ich meinen Bolus-Bedarf um 60% oder mehr senken konnte, aber gleichzeitig jegliche Art von KH starke Spitzen erzeugt, die durch mehr Bolus maximal leicht abgeschwächt werden können und dann zur Hypo führen. Nachts komme ich immer wieder ziemlich nah an eine Hypo ran, was ja eigentlich für zu viel Basal spricht, die Spitzen dagegen sprechen eigentlich für zu wenig.

    Weiß jemand, ob zu viel Basal auch zu starker (Über)Reaktion auf KH führen kann?

  • Nachts komme ich immer wieder ziemlich nah an eine Hypo ran, was ja eigentlich für zu viel Basal spricht [...]

    Das sehe ich auch so.

    Auffällig ist, dass ich meinen Bolus-Bedarf um 60% oder mehr senken konnte, aber gleichzeitig jegliche Art von KH starke Spitzen erzeugt

    Sicher kann dein Basal die Faktoren beeinflussen, besonders durch die lange, gleichmäßige Wirkung des Tresiba. Da gibts halt keine Lücken oder schwächelnde Wirkung gegen Ende mehr. Aber 60 % Bolusreduktion als Folge scheint mir schon seeehr viel. Und die starken Spitzen sprechen aus meiner Sicht deutlich für zu geringe Boli.


    Ein Basalratentest würde sicher genauere Auskunft geben. Aber aus meiner Sicht spricht das nächtliche Absinken des BZ in Hypo-Nähe ohnehin für zu viel Basal. Deshalb würde ich persönlich an dieser Stelle eher direkt Tresiba reduzieren und die Bolusfaktoren wieder erhöhen. Auch wenn die Sache bei Tresiba 3 Tage zum Einpendeln braucht.


    Liebe Grüße vom Arbyter

    Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht!

  • Das seltsame ist halt, dass ich nach so einer Spitze bei mehr Bolus-Insulin hart in eine Hypo rausche, aber ohne, dass diese Spitze wirklich merklich abgefangen wird. Wenn ich da z.b. 20% mehr Bolus gebe, geht die Spitze auf 180 statt 190, dafür bin ich aber 2 Stunden später statt bei 140 dann bei 60.


    Ich schraub das Basal mal weiter runter und teste einfach mal.

  • Blöde Frage: Spritzt du FIASP mit einem Pen oder mit dem Flex-Fertigpen?

    Ich habe mit dem NovoPen und Fiasp die Erfahrung gemacht, dass ich vorher mindestens 2 Einheiten in die Luft abdrücken muss, damit die Menge, die aus der Nadel kommt, tatsächlich der Menge des Fertigpens entspricht. Habe da auch einen Ersatzpen bekommen weil ich dachte, der wäre defekt. Da ist es aber genau so.

    Ich habe das bemerkt, als ich Gemüse abdecken wollte, nur 1-2 Einheiten dafür gespritzt habe und kaum was ankam. Ebenso bei größeren Portionen der letzte Rest nicht runter ging. Auch der Support von Novo hat mir gesagt, immer 2 Einheiten vorher abzudrücken.
    Bei meinen alten Pens und auch beim Flexpen reicht es oft, nur hinten auf die Kappe zu drücken.

  • Ich benutze den Novopen dafür. Allerdings hab ich den auch vor Tresiba schon benutzt und da keine Probleme gehabt.

    Ich hab den blauen und den silbernen, und beim silbernen (für Basal) muss ich grundsätzlich 2 Einheiten in die Luft schießen, beim blauen aber nicht, da kommt direkt Insulin.

  • Ich benutze den Novopen dafür. Allerdings hab ich den auch vor Tresiba schon benutzt und da keine Probleme gehabt.

    Ich hab den blauen und den silbernen, und beim silbernen (für Basal) muss ich grundsätzlich 2 Einheiten in die Luft schießen, beim blauen aber nicht, da kommt direkt Insulin.

    ich hab den Novo Echo Pen mit halben Einheiten.

    Insulin kommt da zwar schon bei 0.5 Einheiten vorher, aber wenn man beispielsweise dann eine Einheit schießt, bildet sich nur ein Tropfen an der Nadel. Während wenn man vorher 2 Einheiten leer geschossen hat, spritzt die Einheit richtig heraus. Es geht also hier auch darum, den richtigen Druck aufzubauen und nicht nur schauen, ob die Nadel verstopft ist.

  • Beim Blauen tröpfelt es immer wenn es nicht mindestens 3 Einheiten sind, egal, ob ich "vorschieße" oder nicht. Das ist bei allen drei so gewesen.

    Beim silbernen kommt bei 1 Einheit meist gar nichts raus, da muss ich 2 vorschießen und dann erst injizieren.

    @S. Ilke: Dexcom, ja.

  • Danke an alle für die Hinweise zum Novopen. Ich nutze auch den Echo für Fiasp und Tresiba und gebe vorm Injizieren immer 0,5 - 1 IE ab ( bis sich ein Tropfen an der Nadel bildet). Da ich mit Fiasp auch manchmal etwas seltsame Verläufe bekomme, könnte es an den nicht ausreichend Luftinsulin-Einheiten liegen. Ich werde das mal mit immer 2 IE testen.


    Bezüglich des zu viel Basal: ich gehe davon aus, dass das Basal passt, wenn ich mit einem ähnlichen Wert in die Nacht gehe wie ich rauskomme. Wie der Tag dazu aussieht, ist fast egal, da bin ich wach und kann auf steigende oder fallende Werte reagieren.

    Momentan stelle ich auch noch meine Tresiba-Dosis eins. Bin von vorher 23 IE Toujeo auf im Moment 15,5 IE Tresiba runter und die Nacht geht immer noch leicht nach unten. Wahrscheinlich geht es sich auf 14,5 bis 15 IE aus. Die Bolus-Faktoren haben sich morgens und abends auch stark verringert, mittags sind sie komischerweise etwas höher geworden.


    Experimentelle Grüße von K@rline

    Alles hat seine guten Seiten... Man muss sie nur finden.

  • Arakon : bei mir verhält sich das Tresiba ähnlich - mehr Basal geht nicht, weil ich in der zweiten Nachthälfte regelmäßig knapp unter die 70 mg/dl komme. Tagsüber dürfte es häufig gern etwas mehr Basal sein, damit sich der BZ nicht so aufschaukelt. Ich vermute, mein Bedarf ist tags einfach höher als nachts; was man mit diesem Basalinsulin aber nun mal nicht hinbekommt.

    Was diese Pen-Diskussion angeht: sowas sehe ich bei Fiasp nicht. Das ist bei mir im selben Novopen Echo wie vorher das Novorapid. Die Faktoren sind auch dieselben. Ich stelle jedoch fest, dass ich häufig besser damit wegkomme, Fiasp etwas früher zu spritzen und dann lieber eine halbe IE weniger. Das gibt bei mir einen stabileren Verlauf.


    Lg Hubi

    "What I tell you three times is true!"

    (Lewis Carroll, The Hunting of the Snark)

  • ich habe den blauen Novopen 5 für Basal mit Tresiba. Bei mir stand im Beipackzettel, dass immer erst 2 Einheiten rausgedrückt werden müssen, bevor man seine Einheiten spritzt.

    • Sarkasmus, Ironie, schwarzer Humor und schmutzige Gedanken - wie manche ihr Leben und sich selbst ohne das alles ertragen, bleibt mir für immer ein Rätsel. :evil:
    • Ein Leben ohne Marzipan ist möglich, aber sinnlos. (sehr frei nach Loriot) :rofl
  • Habe auch den selben Pen für Levemir,zwei Einheiten spritze ich nicht raus, höchstens eine.

    Meine Dia Beraterin hat gesagt, ich soll zur Probe vier Einheiten raus spritzen, so hat man auf alle Fälle eine prima Ausrede für hohen Insulin-Verbrauch bei Bolus Insulin

    Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen :bigg

  • Die Pen-Technik Ist wahrscheinlich nicht die Antwort auf deine ursprüngliche Frage.


    Die Tagesgesamtmenge an Insulin, also die Summe aus Basal- und Bolusinsulin wirkt sich auf deine Insulinresistenz aus. Je resistenter du bist, desto schwieriger ist es, die Spitzen nach den Mahlzeiten in den Griff zu bekommen. Das heißt, dass du bei weniger Gesamtinsulin auch weniger Insulin pro BE brauchst, und dass dann auch die Blutzuckerspitzen geringer sind. Du kannst durch viel Basal und hohe Bolus- und Korrekturfaktoren deine Resistenz steigern und damit deinen täglichen Insulinbedarf gegenüber dem Grundbedarf verdoppeln oder verdreifachen. Gleichzeitig ist dein Blutzucker viel schwerer in den Griff zu bekommen.


    Den erhöhten Insulinbedarf kannst du durch weniger Tagesgesamtinsulin wieder absenken. Dazu musst du initial erst mal etwas ändern, also weniger essen und/oder mehr bewegen, um weniger Insulin zu brauchen. Nach drei Tagen sinkt dein Insulinbedarf. Wenn du so weitermachst, kannst du über ein, zwei oder mehr Wochen deinen Tagesbedarf immer weiter verringern, bis es nicht mehr weiter runter geht. Dann hast du den Zustand deiner höchsten Insulinempfindlichkeit erreicht und dein Blutzucker wird stabiler. Wenn der Insulinbedarf sinkt, musst du die Basalinsulinmenge, die Mahlzeitenfaktoren und die Korrekturfaktoren immer gemeinsam senken und wirst in dieser Zeit auch mehr Hypos in kauf nehmen müssen.


    Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Annahme stimmt, dass du deinen Insulinbedarf zur Zeit oberhalb deines Grundbedarfs laufen hast.

  • Yep. Wobei "Fasten" (siehe den Thread von Frau Berger) und danach eine kohlehydrat-arme Ernährung vermutlich ein guter Kickoff ist die Insulinresistenz anzugehen.


    "Fettstoffwechsel" ist etwas, was man trainieren muss und das geht eben nicht von heute auf morgen. Hatte bei mir ganz ohne Resistenz, aber auch ohne Fasten etwa 3-6 Wochen gedauert bis sich alles eingeschossen hatte. Aber seit dem läufts 1a.

    --
    Nix Diabetes - das ist lediglich Glucose-Intoleranz.

  • Das seltsame ist halt, dass ich nach so einer Spitze bei mehr Bolus-Insulin hart in eine Hypo rausche, aber ohne, dass diese Spitze wirklich merklich abgefangen wird. Wenn ich da z.b. 20% mehr Bolus gebe, geht die Spitze auf 180 statt 190, dafür bin ich aber 2 Stunden später statt bei 140 dann bei 60.


    Ich schraub das Basal mal weiter runter und teste einfach mal.


    Hallo,


    die richtige Basalrate ist die Grundlage für eine berechenbare Insulintherapie.

    Sicherlich kann ein zuviel an basalem Insulin zu Hypoglykämien führen,

    aber BZ-Spitzen nach Kohlenhydratkonsum sind normal.

    Um BZ-Spitzen zu minimieren ist ein Spritz-Ess-Abstand (SEA) erforderlich.

    Und dummerweise führt „kein“ Spritz-Ess-Abstand bei den schnellen Bolusinsulinen auch zu Hypos 2-3 Stunden nach den Mahlzeiten bei korrekter Dosierung. Diese Tatsache wurde in zumindest einer Studie aufgezeigt.

    Nur Du „Arakon“ weißt, ob Du einen SEA gebrauchst, wenn nicht, dann wäre das vielleicht sinnvoll auszutesten, bevor andere Stellschrauben bewegt werden.


    Mit Gruß

  • Ich weiß, dass ich einen SEA brauche. Den befolge ich ja auch. Bei mir sind es 20 Minuten mit Fiasp. Das hat ja auch seit 2 Jahren gut geklappt, bis jetzt zur Umstellung auf Tresiba. Eine BZ-Spitze auf 190 hatte ich vorher eben nur ganz selten mal, nur darum geht es.


    Insgesamt hat sich das ganze ein wenig beruhigt, ich bin mittlerweile auf 43 IE Tresiba runter, und schaue noch, wie es heute Nacht aussieht. Denke also, zu hohes Basal war durchaus die richtige Anlaufstelle.