BZ steigt während SEA - wie reagieren?

  • Hallo zusammen,


    Früher hat man einfach vor dem Essen BZ gemessen und Insulin gespritzt, ein paar Minuten gewartet, gegessen und dann ein paar Stunden später nochmal gemessen.


    Seitdem man dank CGM seine Werte in Echtzeit verfolgen kann tun sich da für mich ganz neue Probleme auf. Folgendes beobachte ich in letzter Zeit ab und zu:


    BZ ist stabil im Zielbereich, kein aktives Bolusinsulin und die letzte Mahlzeit ist schon einige Stunden her. Ich spritze meinen Mahlzeitenbolus und halte einen längeren Spritz-Ess-Abstand ein. Kurz bevor ich dann in mein Brötchen beissen will schaue ich zufällig nochmal auf mein Dexcom und sehe dass der BZ gerade am Ansteigen ist.


    Die Frage ist jetzt: Wie reagiere ich wenn ich erstmal keine Ahnung habe, wo dieser BZ Anstieg herkommt?


    Folgende Möglichkeiten wären z.B. denkbar:


    - ganz normal essen und abwarten was passiert

    - nicht essen und weiter warten

    - weniger KH als geplant essen

    - zusätzlichen Korrekturbolus abgeben und/oder Basalrate hochschrauben


    Mich würde interessieren was Ihr in so einer Situation macht. Ich selber habe da für mich noch keine funktionierende Strategie gefunden. Meistens spritze ich einfach ein paar zusätzliche Korrektureinheiten, was manchmal ganz gut hinhaut, manchmal aber auch nicht.

  • Ich würde in dem Fall normal weiter essen und nach dem Essen nochmal draufschauen. Da dann je nach trend korrigieren. Wobei es da wahrscheinlich auch drauf ankommt wie schnell und stark der Anstieg ist. Ich bin aber eher dafür zu korrigieren, als ne Hypo zu riskieren.

    Are you a box of BD pen needles? Because you are ultra fine ;)

  • Naja, so ganz stabil ist der BZ ja sowieso nicht!!

    Bei Gartenarbeit, Sport, Bewegung etc... fällt er meist, bei Stress steigt er und und und!!

    Wenn mein BZ leicht am steigen ist, achte ich meist nicht so darauf, solange er noch im Zielbereich ist!

    Ich gebe mir mein Insulin evtl. mit Korrektur warte etwas und esse dann!!!

    Ich hab mir mittlerweile abgewöhnt ständig auf meinen Empfänger zu schauen und auch ständig einen blutigen BZ zu machen!!

    Am ersten Tag manchmal auch noch am zweiten Tag mach ich eine "vergleichsmessung" zum Dexcom und wenn diese dann im grünen Bereich ist, lasse ich meinen Fingern ihre wohlverdiente Ruhe!!


    Ich möchte damit sagen, ja ich lebe eben leider mit Diabetes Typ1und oft ist es auch eine Belastung!!

    Aber ich lasse mich soweit es geht nicht von ihm herunter ziehen, geschweige denn mir die Lust aufs essen nehmen!!!


    Heute ist man zum Glück soweit, dass man alle 5 Minuten einen Wert bekommt (mit der Tendenz steigend oder fallend:)!!) und kann auch rechtzeitig handeln:laub, aber früher wäre ich nie!!!!!! auf die Idee gekommen, mir freiwillig alle 5 Minuten den BZ zu messen!!!!

    Pour en arriver la

  • Die von dir genannten Möglichkeiten verwende ich hin und wieder.


    Also ganz normal essen und abwarten was passiert mache ich nur, wenn ich weiß, dass die letzte Mahlzeit schon mehr als 4-5 Stunden zurück liegt und auf den Blutzucker selbst keinen großen über überhaupt keinen Einfluss mehr hat, dann fällt auch der Anstieg recht gemäßigt aus.


    Nicht essen und weiter warten/weniger KH als geplant essen mache ich nur, wenn der Blutzucker steigt und die letzte Mahlzeit erst 2-3 Stunden zurück liegt und ich mich eventuell verschätzt habe, ein Blick auf das aktive Insulin/aktiven Kohlenhydrate (wann und was ich genau

    gegessen habe je nach Resorptionszeit) sagen mir dann, wie viel Korrektur ich abgeben muss oder wie viele Gramm KH ich weniger esse.


    Einen zusätzlichen Bolus oder eine Erhöhung der Basalrate mache ich nicht mehr, da ich gemerkt habe, dass ich mir damit die Therapie zu sehr durcheinander bringe, weil ich damit große Schwankungen provoziere und der Blutzucker dann Achterbahn fährt.


    Was an dem o.g. "weiter warten" auch problematisch sein kann, ist dass das Insulin nach mehr als 45-60 Minuten Wartezeit bis zum Essen bereits zum Teil für die vorherige Mahlzeit/ Korrektur verwendet wurde und ich die Mahlzeit eigentlich komplett umkrempeln muss und dann weniger esse (einen zusätzlichen Bolus spare ich mir dann lieber), weil der Blutzucker dann nach 3-4 Stunden wieder steigt wegen dem zu lange warten...


    Diese Probleme konnte ich reduzieren durch viele kleine Mahlzeiten (max. 40 g KH), sodass die Korrektur schneller greift und Schwankungen selbst moderat ausfallen, und wenn die Probleme doch auftreten, dann lassen sie sich einigermaßen im Griff halten, im Gegensatz zu Mahlzeiten mit 80-100 g KH, da dann 3-4 Stunden später korrigieren zu müssen, obwohl man eigentlich essen möchte...schwer kontrollierbar.

  • Dieses Phänomen kenne ich sehr gut. Ich sage schon ironisch, das ist das Symptom des pawlowschen Hund (https://de.wikipedia.org/wiki/Pawlowscher_Hund), d.h. ich denke nur an das Essen und der BZ steigt. Am Besten ist es im Regelfall, nichts zu ändern. Manchmal korrigiere ich trotzdem, führt aber dann auch oft zu zu niedrigen Werten. Für mich ist es manchmal nicht so einfach, bei steigenden Werten abzuwarten. Nicht immer siegt der Verstand ;(.

  • Wenn der Bolusfaktor stimmt: Ganz normal essen. Just that simple.


    Nur aus Neugier: Über wie viel Anstieg reden wir denn?


    Interessierte Grüße vom Arbyter

    Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht!

  • Nur aus Neugier: Über wie viel Anstieg reden wir denn?


    Ein langsamer aber konstant ansteigender Blutzucker, der - sagen wir mal - von 100 auf die 140 zugeht und darüber hinaus.


    Wenn ich essen würde bei einem steigenden Blutzucker (selbst wenn dieser einen konstanten Verlauf hat), dann bekomme ich den über mehrere Stunden nicht mehr in den Griff.


    Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber wenn bei mir der Blutzucker vor dem Essen nicht fällt und im niedrigen Zielbereich ist, dann schieße ich über den Zielbereich hinaus und verbleibe dann auch über mehrere Stunden dort oben (über 160 mg/dl).

  • Und was passiert, wenn Du bei steigendem BZ den KH-Faktor erhöhst? Ich kann es leider im Moment wegen der Umstellung auf ICT nicht selbst prüfen, weil ich mich ganz streng führe (LC), um die Verläufe zu sehen.... bin aber neugierig ;)

    LG

  • Ein langsamer aber konstant ansteigender Blutzucker, der - sagen wir mal - von 100 auf die 140 zugeht und darüber hinaus.

    Ooops!

    Okay, das ist eine Größenordnung, mit der ich nicht gerechnet habe. Da ziehe ich meine Idee, einfach munter drauf los zu futtern, wieder zurück. Da scheint mir eher Forscherdrang angesagt.


    Fragen die man sich zum Beispiel stellen könnte: Kann das bei jeder Mahlzeit passieren oder ist es tageszeitabhängig (evtl. Basallücke)? Ist es reproduzierbar oder tritt es nur gelegentlich auf? Gibt es zeitliche Verbindung mit dem weibl. Zyklus, mit Sport, mit anderen Regemäßigkeiten oder auch unregelmäßigen Vorkommnissen (was war am Vortag etc.)? Ist die Höhe des Anstiegs immer gleich?


    Liebe Grüße vom Arbyter

    Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht!

  • Wenn das ganze morgens passiert, fehlt wahrscheinlich zusätzliches Aufstehinsulin, und bis Novorapid wirkt dauert es bei mir eine Weile.

    Wenn ich nach dem Essen , zum Beispiel gestern nach dem Verzehr von ein einer Mischung aus Flips , Chips und vor allem gerösteten Maiskörnern ein hoher Wert zu lesen ist spritze ich auch schon wenn das Insulin noch wirkt, aber als Zielwert 140.








    Wie man wieder mal sieht, die Dosis macht das Gift

    Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen :bigg

  • Ist es reproduzierbar oder tritt es nur gelegentlich auf?


    Gelegentlich.


    Entweder nach Mahlzeiten, die einen hohen Anteil von langkettigen Kohlenhydraten hatten (v.a. Obst) und nicht sehr gut berechnet wurden, oder die eben noch verstoffwechselt werden.


    Wenn ich nach solchen Mahlzeiten selbst nach 4 Stunden etwas essen möchte und Bolus abgebe, dann bleibt der Blutzucker einfach konstant und rührt sich nicht, trotz der Bolusabgabe, erst dann nach 1-2h reagiert er und fällt sehr langsam, hier dann etwas zu essen würde nicht so gut ausgehen.


    Aber ich denke, das sind so Probleme die wir alle haben, v.a. wenn wir Mahlzeiten zu uns nehmen, die wir nicht so gut kennen oder so oft essen oder aber die Menge eine andere ist.


    Ich hab mich da mittlerweile sehr gut mit arrangiert und weiß, dass wenn ich viel Obst esse, dass dann nach 4-5 Stunden der Blutzucker sich dementsprechend verhält (einen verzögerten Bolus verwende ich nicht so gerne, bei mir bringt das meistens sehr viel durcheinander und die Wirkung lässt sich schwer abschätzen).

  • Moin,

    so wie es mir erscheint bist Du auf Grund Deiner profunden Kenntnisse fähig und in der Lage selbst die notwendigen Schlüsse zu erarbeiten.


    Überblick über die Einflüsse die bei der Berechnung meiner jeweils notwendigen IE Menge herangezogen werden müssen


    BZ ist

    BZ Ziel

    Kh

    IOB

    Anteil Ballaststoffe

    FPE getrennt nach Protein und Fett

    FPE mengenbezogene Anflutungsdifferenz

    Dawn Syndrom

    Getup

    Uhrzeit

    Ruhe/Bewegung

    Max IE Menge

    SEA ermitteln

    Etc.

    Mit und aus diesen oben genannten Informationen errechne ich meine zu spritzende IE Menge.

    Wenn aber Remissionsphasen und oder Ketonkörper oder ähnliches mit hineingezogenn werden müssen dann versagen meine Bemühungen mangels Kenntnisse die IE Menge zu ermitteln.

    Aber insgesamt und in toto hat’s bisher recht gut geklappt.

    5,8-6,4


    Wenn wie bei Dir der BZ spät nach dem Essen steigt könnte mir der Gedanke kommen es war ein Fett oder Ballaststoff reiches Essen.


    MlG


    Hinerki

  • Kommt drauf an ,was für Obst , Beeren zum Beispiel Erdbeeren

    sind OK cca 5 Gramm Kohlenhydrate ,kann man zwischendurch

    naschen.

    Bananen und Weintrauben sind eher suboptimal.

    Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen :bigg

  • Schonmal Danke für Eure Antworten.


    Es beruhigt mich ein bisschen dass ich nicht die einzige bin, der es so geht.


    Ich kann bei diesem Phänomen keinen Zusammenhang mit der Tageszeit oder Hormonen feststellen.


    Wenn der BZ nach dem Essen dann weiter extrem hochschießt stellt sich manchmal heraus dass die Ursache ein Katheterproblem der Pumpe war.

    Eine weitere mögliche Erklärung wäre eine zu niedrige tempäre Basalrate wenn ich z.B. vor dem Essen länger mit dem Fahrrad unterwegs war und dabei das Basal zu stark reduziert habe.


    Aber in sehr vielen Fällen kann ich eben auch im Nachhinein nicht genau sagen was der Grund für den Anstieg war.


    Ein langsamer aber konstant ansteigender Blutzucker, der - sagen wir mal - von 100 auf die 140 zugeht und darüber hinaus.


    Ja, so in der Größenordnung ist das bei mir auch etwa.



    Was an dem o.g. "weiter warten" auch problematisch sein kann, ist dass das Insulin nach mehr als 45-60 Minuten Wartezeit bis zum Essen bereits zum Teil für die vorherige Mahlzeit/ Korrektur verwendet wurde und ich die Mahlzeit eigentlich komplett umkrempeln muss und dann weniger esse (einen zusätzlichen Bolus spare ich mir dann lieber), weil der Blutzucker dann nach 3-4 Stunden wieder steigt wegen dem zu lange warten...

    Genau. Sowas kann dann ganz schön unübersichtlich werden. Und man muss auch bedenken, dass das was in der Pumpe als 'aktives Insulin' angezeigt wird auch nur eine grobe Schätzung ist und nicht unbedingt der Insulinmenge entsprechen muss, die tatsächlich noch im Körper wirkt.

  • Also,mit Libre oder CGM sieht man seine "Kurven". Was man selten sieht ist eine Linie.


    Weil: Wenn du irgendwas isst, dann hat das Auswirkungen auf den BZ. Thema "Kinetik der Aufnahme von KH bzw. Verarbeitung der Eiweisse/Fette". Wenn du was spritzt, dann wirkt das Insulin. Beide arbeiten gegeneinander.


    Wie in drei Teufels Namen kann man eine "Linie" sehen?


    (a) das Instrument ist kaputt und der Sensor träge.

    (b) es liegt Eigenproduktion vor, die kleine Abweichungen beider Effekte korrigiert.

    (c) die Aufnahmekinetik der Kohlehydrate passt 1a zu der Wirkkinetik des Insulins, zudem stimmen alle Faktoren bzw. Fehler im Basal werden gerade vom Bolus abgedeckt. Und natürlich hast du deine von der Insulinsensitivität abhängigen und damit schwankenden Tagesfaktoren und die Schwankungen durch körperliche Aktivität WÄHREND der Wirkdauer des Insulins korrekt berücksichtigt.


    So einfach ist das mit C. Ganz easy.


    Rate wie ich auf nen Hb1 von 5.0 bis 5.5 komme. Ich begrenze die Carbs je Mahlzeit. Und bastel fleissig immer wieder an den Faktoren samt Basal. Und wenn ich mal nicht Low Carb mache, dann wundere ich mich nicht über Ausschläge. Nach oben wie unten.

    --
    Nix Diabetes - das ist lediglich Glucose-Intoleranz.

  • stellt sich manchmal heraus dass die Ursache ein Katheterproblem der Pumpe war

    Mist! Diese potenzielle Fehlerquelle vergesse ich immer wieder. Ob ich das nochmal lerne?:gutenmorgen:


    Grummelnde Grüße vom Arbyter

    Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht!

  • Eine weitere mögliche Erklärung wäre eine zu niedrige tempäre Basalrate wenn ich z.B. vor dem Essen länger mit dem Fahrrad unterwegs war und dabei das Basal zu stark reduziert habe.

    Das halte ich auch für eine gut mögliche Ursache. Bei mir treibt Fahrradfahren regelmäßig (mit Ausnahmen) den BZ nach oben. Zumindest wenn das letzte Insulin schon wieder eine Weile her ist. Und dabei versuche ich schon, nicht zu heftig reinzutreten.:venti

    Wenn dieses Phänomen auftritt, bist du dann kurz vorher in Hektik geraten oder hast dich intensiv körperlich betätigt?

    Einmal editiert, zuletzt von Ove () aus folgendem Grund: (Ups, Rechtscheibfehler)