Verzweifele mit dem Libre 2, bzw. den abstrusen Messungen.

  • Guten Tag liebe Mitforisten,


    bei mir wurde im November 19 Diabetes Melitus Typ 3 diagnostiziert. Also eigentlich Typ 1, der aufgrund einer teilweisen Bauchspeicheldrüsensektomie im Zuge einer Whipple-OP entstanden ist. Drei Jahre hat mein Bauchspeicheldrüsenresg noch funktioniert, dann wollte er nicht mehr.


    Mein Diabetologe hat mir direkt einen Freestyle Libre 2 verordnet, nachdem mich mein Hausarzt zuerst kurzfristig mit Blutmessgerät und Piekser versorgt hatte. Lesegerät und ersten Sensor bekam ich vom Doc, plus ein Rezept für Sensoren für die nächsten 3 Monate. Die ersten 4 Wochen lief auch alles ganz gut.


    Der dritte Sensor aber funktionierte gerade mal 6 Stunden, dann meldete er ca. eine Stunde, dass Messen nicht möglich sei und ich 10 Minuten warten solle. Nach 7 Stunden fiel er ganz aus. Und seitdem ich den ausgetauscht habe, ist irgendwie der Wurm drin.


    Alle Sensoren zeigen immer wieder vollkommen abstruse Werte. Zum Beispiel wird ein Wert von sagen wir mal 150 und senkrechtem Pfeil nach oben angezeigt. Ich interpretiere das als Info, dass der Wert weiter steigen wird. 10 Minuten später zeigt mir das System dann plötzlich einen Wert vom 80 an. Das passt doch nicht zusammen. Und das habe ich bei allen Sensoren, die ich seit dem Ausfall im Dezember nutze. Ich setze die Sensoren da, wo sie laut BDA sitzen sollen und wo mein Doc den ersten auch reingepflanzt hat. Die Fäden sind nie verbogen, die Pflaster kleben gut. Außer einem kleinen eingetrockneten Tröpfchen Blut, dass ich beim Entfernen in der Nähe des Fadens entdecke, sieht alles so aus, wie es meiner Meinung nach sein soll.


    Der aktuelle Sensor erzeugt vollkommen merkwürdige Messspitzen. Da geht der Wert mal eben in 10 Minuten um 200 hoch und danach wieder genauso runter, ohne dass ich gespritzt hätte. In dieser Nacht bin ich 4 mal auf Toilette gerannt und das Teil hat mir die ganze Zeit einen Wert von 90 angezeigt. Habe bei meiner Freundin übernachtet und dummerweise mein Blutmessgerät nicht am Start gehabt. Als ich eben wieder Zuhause war, habe ich blutig gemessen und einen Wert von 220 ermittelt, währen das Libre 2 immer noch konstant 90 anzeigt. Nein, jetzt gerade meint es 100...


    Ich frage mich wirklich, wie ich mit dem System meinen Blutzucker unter Kontrolle bringen soll. Ich hatte noch keine Schulung und bin ja auch kein alter Hase. Wenn ich dann hier lese, wie man an der Hotline des Herstellers von den „Experten“ abgebügelt wird, traue ich mich kaum morgen da anzurufen.


    Hat vielleicht irgendjemand einen Tipp oder ähnliche Erfahrungen? Ich bin etwas verzweifelt. Die Hemmschwelle mit gesundheitlichen Problemen umzugehen, sinkt bei mir leider aufgrund meiner schweren Vorerkrankung ohnehin mit jedem neuen Vorfall.


    Ich bedanke mich bei denen, die es bis hierhin geschafft haben und auch bei denen, die vorher aufgehört haben :)

  • Hallo Hurzel,

    das ist natürlich nicht so toll, gleich am Anfang solche Probleme zu haben und dadurch demotiviert zu werden. Ich kann dir aber versichern, dass deine Erfahrungen definitiv nicht der Normalfall sind. Du solltes zunächst einmal unbedingt bei der Hotline anrufen. Offenbar hast du über die schlimme Dinge gelesen. Aber auch da kann ich dich beruhigen: im Normalfall sind die, sehr freundlich, hilfsbereit und eigentlich immer auch kompetent.

    Es gibt immer mal wieder einzelne Sensoren, die nicht vernünftig laufen. Wenn das aber so ist, wie du es schilderst, hätte ich auch das Lesegerät im Verdacht. Hast du schon einmal probiert, ob LibreLink (die zugehörige Smartphone App) den selben Mist anzeigt?

  • Hallo Jo,


    vielen Dank für Deine Antwort.


    Ich nutze das Lesegerät in der Regel zum Aktivieren des Sensors und messe danach mit der App. Ich mache aber immer mal wieder Quervergleiche und beide zeigen dann das Gleiche an.

    Die Seriennummern der Sensoren liegen sehr dicht beieinander. Daher habe ich den Verdacht, dass hier eine ganze Charge echter Schrott produziert wurde.


    Ich werde morgen mal mein Glück mit der Hotline versuchen.


    Viele Grüße

    Jan

  • Ja, das mache ruhig so. Ich bin überzeugt davon, dass es einen Grund für deine Probleme geben muss, der aber sicher gefunden werden kann. Bis dahin solltest du dir eben konventionell mit dem BZ-Messgerät behelfen.


    Viel Erfolg, Jochen

  • oh das klingt wirklich ziemlich doof... wie lange liegt denn der aktuelle Sensor schon? Ich hab sowas nur an Tag 1 und auch dann nicht so extrem... ich drück die Daumen, dass die Hotline helfen kann und bitte berichte uns, ja? (und falls du beim FSL bleibst, schau dir mal den Thread Libre 2 Entschlüsselung an, du kannst dir die Werte auch auf's Handy schicken lassen und dort die Alarme nutzen, wenn du technisch ein ganz klein wenig versiert bist

  • das ist absolut nicht normal. Ich hatte in 3 Jahren nur einen Sensor, der auf diese Weise so extrem gesponnen hat. Der wurde von Abbott ersetzt. Der Kundendienst ist diesbezüglich in der Regel ziemlich kulant.


    Aber einen Knackpunkt gibt es. Wenn als Reklamationsgrund gravierende Abweichungen genannt werden, muss generell nach einem bestimmten Schema mit den Teststreifen von Abbott gegen gemessen werden. Teststreifen anderer Hersteller werden generell nicht akzeptiert, da gibt es offenbar irgendeine interne Richtlinie. Das heißt man sollte sich vorher ein Päckchen der Abbott Teststreifen besorgen. Der Kundendienst erklärt einem dann das Überprüfung-Schema. Es muss ein Wert gescannt und dann zehn Minuten später blutig gemessen werden. Das ganze zwei oder dreimal. Wenn die Werte extrem abweichen (da gibt es eine bestimmte Toleranz) wird die Reklamation anerkannt.


    Dann bekommst du einen neuen Sensor zugeschickt, der in der Regel aus einer neueren Produktionsphase stammt. Wenn du den verwendest, bist du schon mal schlauer.


    Hoffe, dein Problem wird gelöst. Der libre ist an sich ein tolles Hilfsmittel.

  • Vielen Dank Marani,


    im Moment habe ich alle Alarme deaktiviert und wüsste auch gar nicht, was ich damit sollte, wo das System nur Fantasiewerte auswirft.


    Jetzt 3 Stunden, nachdem ich was gegessen habe, meint der Libre 2, mein BZ läge bei 45. Mein Beurer hingegen misst blutig 130.


    Wobei ich damit noch leben könnte, ich merke ja, dass ich nicht unterzuckert bin. Schlimmer ist eine stetige Überzuckerung, die man nicht merkt, weil einem das Freestyle super Werte vorgaukelt.


    In der Ereignisanzeige, die ich durch dieses Forum zum ersten Mal gesehen habe, finde ich auch Aberdutzende von Fehlermeldungen.

  • Dutzende von Scanfehlern im Protokoll sind normal. Das passiert immer mal wieder wenn man den Sensor nicht richtig trifft. Wenn aber andere Fehler auftauchen stimmt was nicht.

  • Ich habe gerade mal in Netz nachgesehen. Die Teststreifen von Abbott sind ja richtig teuer. Will heißen, um durchgedrehte Sensoren ausgetauscht zu bekommen, muss ich vorher die teuren Abbott Teststreifen kaufen?


    Das passt ja zu dem hier bereits mehrfach beschriebenen unmöglichen Verhalten von Abbott. Zumal das juristisch nicht haltbar sein dürfte. Von Firmen, die interne Richtlinien zum Nachteil der Kunden vorschieben, halte ich generell nicht viel.


    Leider ist mein Diabetologe der einzige im Umkreis von Lichtjahren, so dass es extrem schwierig ist, einen Termin zu bekommen. Ich würde wohl viel lieber mal mit ihm über ein anderes System reden. Vielleicht gibt es ja Hersteller, die ihren Kunden weniger Knüppel zwischen die Beine werfen. Wir reden hier von Medizinprodukten, die eigentlich sicher funktionieren müssten und die verhalten sich im Kundendialog wie bei Consumerprodukten, zum Beispiel einer defekten Armbanduhr? Finde ich äußerst unschön.

  • Dutzende von Scanfehlern im Protokoll sind normal. Das passiert immer mal wieder wenn man den Sensor nicht richtig trifft. Wenn aber andere Fehler auftauchen stimmt was nicht.


    Gibt es eventuell irgendwo eine Übersicht über die Fehlercodes? Ich finde da z.B. beim aktuellen Sensor in den letzten 2 Tagen:

    57

    Er0,3219 ( 10 mal )

    Er2,219

    33

    33

    Er9,969

    Er9,968

    Er9,967

  • wenn du das FSL nutzt, kriegst du die Streifen doch verschrieben - ein Anruf in der Dia-Praxis sollte da doch ausreichen

    Ah. Mir wurden nur Sensoren für 3 Monate verschrieben. Ich frage nach.


    Dank Dir!

  • die Option auf blutig messen sollte immer vorhanden sein, kann ja auch sein, dass das Ding mal ausfällt - oder wie in deinem Fall Quatsch macht. Dass das Lesegerät auch Messgerät ist, weißt du?

  • ich glaube wenn ich mich richtig erinnere (ist schon lange her) habe ich beim Kundendienst in derselben Weise gemotzt und daraufhin haben sie mir 10 oder 20 Teststreifen kostenlos zugeschickt. Das hat aber dann einige Tage gedauert, so lange muss die Reklamation dann warten. Da Teststreifen eine nicht unerhebliche toleranz haben, ist die Vorgabe, dass nur Abbott Teststreifen verwendet werden dürfen, technisch schon verständlich.

  • Nein. Man bekommt auch mit Freestyle Libre nicht automatisch dazugehörigen Streifen verschrieben. Zumindest ich nicht. Meine Praxis will die teuren Streifen und Abbott in ihrem Vorgehen nicht unterstützen.


    Ich hatte bisher noch nicht das Problem dass mein Sensor komplette Fantasiewerte angezeigt hat und ich ihn deswegen reklamieren hätte müssen. Der eine Sensor bei dem das der Fall war hatte Duschen und Sport nicht überlebt und wurde ohne Probleme ersetzt, da abgefallen.


    Mein momentaner Sensor misst konstant 40mg/dl zu wenig. Außer dass es die Statistik verfälscht ist es ja kein Drama, solange die Anweichung konstant ist.


    Ich würde erstmal mit Abbott telefonieren. Vllt hilft es zu sagen dass du momentsn zwischen deren und dem Dexcom System o ä dich entscheidest, welches du dauerhaft nutzen willst. Versuch wäre es auf jeden Fall wert. Wenn sie ablehnen könnte man sich immer noch Teststreifen besorgen.

  • wegen der Bedeutung der Fehlercodes schau mal in die Handy App: drei Punkte Menü – Hilfe – Ereignisprotokoll. Da steht außer dem Zahlencode ein ausführlicher Text dabei.

  • das hat nichts mit der Diapraxis zu tun, sondern mit einer generellen Regelung, dass nur noch Teststreifen aus einer bestimmten Preiskategorie verordnet werden dürfen. Auch die Praxis von Abbott, dass für eine Überprüfung nur die eigenen Teststreifen anerkannt werden, spielt keine Rolle. Abbott liegt mit seinen Teststreifen wahrscheinlich in der höherpreisigen Kategorie, während andere Marken problemlos sind. Bei der Verordnung von Teststreifen kommt es immer darauf an, welches Gerät man verwendet.