Die Wortwahl macht den Unterschied

  • Ja, danke für die Lektüreempfehlung. Ich denke auch, einiges sollte sich hierzulande ändern (lassen). Ob man allerdings auf die Wortwahl der Mediziner unter sich Einfluss nehmen kann, wage ich zu bezweifeln. Allzu viel Sym- und Empathie wird "schwierigen" Patienten sicherlich nicht entgegen gebracht. :hmmz:

    Was mich persönlich nicht stört, ist der Begriff Diabetiker an sich. Ich verstehe aber, wenn sich andere Menschen dadurch diskriminiert fühlen. Mensch mit Diabetes klingt für mich gekünstelt. Sagt man auch Mensch mit Rheuma oder Mensch mit Asthma, wenn es speziell um diese Erkrankung per se geht? *grübel*

    Tresiba ist zurück! :thumbsup:

  • Ja ich fühle mich auch sehr durch diesen Artikel angesprochen, als

    "Therapie Versager" und "Metformin Verweigerer" passe ich gut in diese Kategorie, und wenn ein Typ 1er schuld am Fuß ulkus ist bin ich erst recht...

    Meine Meinung ist aber Therapie Versager sind die Ärzte die mich falsch behandelt haben, passt zu meinem Motto...

    Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen :bigg

  • Ja guter und richtiger Artikel! Mich persönlich stört die Wortwahl und Sprache zwar nicht so sehr, aber was ich wesentlich finde ist die Aussage, dass Menschen mit Diabetes ihre Krankheit überwiegend selber managen. Zwei Kernelemente: Managen und Zeit! Wenn ich sehe, wie viele von euch sich hier täglich engagieren und jeden Tag neben den anderen alltäglichen Anliegen ihren Diabetes managen/behandeln, dann sage ich Respekt. Und das kostet Zeit, Zeit, die die Ärzte meist nicht haben und ohne Zeit kann keine richtige Kommunikation zwischen Patient und Arzt zustande kommen und damit bleibt es auch bei den sprachlichen Phrasen...

  • Was mich persönlich nicht stört, ist der Begriff Diabetiker an sich. Ich verstehe aber, wenn sich andere Menschen dadurch diskriminiert fühlen. Mensch mit Diabetes klingt für mich gekünstelt. Sagt man auch Mensch mit Rheuma oder Mensch mit Asthma, wenn es speziell um diese Erkrankung per se geht? *grübel*


    seh ich auch so - ich fühl mich eher durch die Umschreibung "diskriminiert", das hat sowas von "in Watte packen". Allerdings reagier ich "allergisch" auf den Begriff "zuckerkrank". Ich bin nicht krank... ich hab nur Diabetes... (das bin aber nur ich ;) ).


    Sowas wie "Therapieverweigerer" oder ähnliches geht allerdings natürlich gar nicht, der Kernaussage stimme ich also zu - besser motivieren als diktieren


    Was die "Schuld" an den Folgeerkrankungen angeht, da bin ich zwiegespalten, denn das hat (für mich) sowas von Verantwortung abgeben und verantwortlich bin doch letztendlich ich selbst durch die Therapieentscheidungen die ich treffe, die Art und Weise der Informationsbeschaffung (aufgrund derer ich meine Therapieentscheidung treffe, an dieser Stelle Danke an das Forum hier) und meiner Arztwahl. Klar kann's echt so richtig mies laufen, aber die größten Einflussmöglichkeiten hab ich nach wie vor selbst - oder nicht?

  • Klar kann's echt so richtig mies laufen, aber die größten Einflussmöglichkeiten hab ich nach wie vor selbst - oder nicht?

    In der besten aller möglichen Welten sicherlich ... allerdings steckt da auch viel 'politischer' Kampf dahinter, ich erinnere nur daran, dass bis vor kurzem CGM noch gar keine Kassenleistung war ... :P


    Als DIY-Looper kann man auch ein Lied davon singen, wieviel Gegenwind man mit der "zur Zeit besten aller möglichen Therapieformen" (Th. Danne) bekommen kann. ;)

    Seit 5/14: DANA Insulinpumpe (inkl. Android-App); seit 3/17: AndroidAPS/Closed Loop; seit 28.7.18 AAPS 2.0 mit SMB ; seit 5.12.18 G6 nativ in XDrip+ bzw. AAPS;
    DANA-Facebook-Seite

  • Es kann immer schlecht laufen, und man bekommt Folgeschäden, obwohl man sein ganzes Leben versucht hat, die Werte perfekt zu halten. Es kann sein, dass man Lungenkrebs bekommt, obwohl man nie geraucht hat.

    Es kann sein, dass man Typ2 Diabetes kriegt, obwohl man nicht übergewichtig ist und den ganzen Tag nur ans Essen denkt.


    Andere Menschen denken dann schnell, dass derjenige doch selbst Schuld ist, hätte er doch aufpassen müssen bzw. etwas ändern können, obwohl das in diesen, wenn wahrscheinlich auch nur wenigen, Fällen nicht stimmt. Die Betroffenen werden dann vorverurteilt, auch wenn die ganzen Hintergründe und Lebenssituationen nicht bekannt sind.

    Auch wenn es für viele stimmen mag, muss es eben nicht für jeden passen. Und die wenigen müssen dann darunter leiden, dass sie mit stigmatisiert werden.


    Auch die Frage, ob man den "gut eingestellt ist": Als ob der Diabetes 1x pro Quartal vom Arzt eingestellt wird, so wie früher 1x im Monat der Blutzucker gemessen wurde. Keiner sieht, dass dahinter täglich mehrere zig Therapieentscheidungen stehen, die der Betroffene selbst tätigt, weil der Typ1 eben ständiger Therapieentscheidungen bedarf und man keine Standleitung zum Arzt haben kann. Der Erfolg und Aufwand der Therapie wird dann vom Unwissenden den Ärzten zugeschrieben, weil man ja eingestellt wird. Für Misserfolge wird eher der Patient verantwortlich gemacht.


    Viele Menschen denken so und leider wohl auch Ärzte. Das kann man eventuell nicht ändern, denn es liegt wohl an jedem selbst, wie er sein Gegenüber wahrnimmt und wie empathisch er/sie ist.


    Generell glaube ich aber, dass Ärzte manchmal da auch wenig einfühlsam sind und Patienten eben Patienten sind, kranke Menschen.

    Eine Allgemeinärztin erzählte mir mal privat, dass ihr Ehemann, auch Allgemeinmediziner, zusätzlich zu seiner Schmerzausbildung noch eine Weiterbildung in Psychologie macht, weil das ganz gut passt, denn "Menschen mit Schmerzen, hätten oft auch einen an der Klatsche".

    Da ist mir bewußt geworden, dass Ärzte eben auch nur Menschen sind, die manchmal arrogant und nicht in der Lage sind, zu differenzieren und sich in die Situation von anderen zu versetzen.


    Interessant fand ich, als ich letztens von einer Firma aus der Diabetesbranche las, dass sie nicht "patients-driven", sondern "people-driven" ist, denn hinter jedem Kunden/Patienten etc. steckt ein Mensch mit all seinen Ecken und Kanten und seinem ganzen Leben.


    Deswegen fände ich es schön, wenn man insgesamt respektvoller miteinander umgehen könnten, denn man kann nicht wissen, was der andere schon alles mitgemacht hat und was ihn dorthin geführt hat.

    Und im schlechtesten Fall ist man dann irgendwann selbst unverschuldet in einer solchen Situation und muss sich mit Vorurteilen auseinandersetzen.

  • „Wenn Sie sich nicht besser um ihren Diabetes kümmern, dann...."


    Versagen die Nieren, sie erblinden, sie landen an der Dialyse, bekommen offene Beine und appe Füße.

    Kinder sollten sie aus dem Grund auch am besten nicht bekommen, das sollten sie sich abschreiben, die Wahrscheinlichkeit, dass sie bei der Geburt sterben, das Kind stirbt oder einer von Ihnen beiden erblindet oder ganz schlimm, das Kind auch wieder Diabetes bekommt wäre einfach zu hoch.

    *Knarre an den Kopf setz und abdrück*:hechel:

    Wie gesagt, ich hab den Mist seit meinem 3 Lebensjahr gehört.


    Das habe ich dermaßen oft gehört, das es mich agressiv und böse macht, wenn ich so etwas höre und das betrifft nicht nur den Diabetologen....

    Gerade Ärzte aus anderen Medizinbereichen, denken immer, sie haben ja mal was darüber gelesen ( vor gefühlt 50 Jahren ) und da muß man dem Diabetiker ( schuldigung ...) dem Menschen mit Diabetes mal einen mit geben und nur gehörig ins Gewissen reden, damit der mal aufwacht und sich besser kümmert. :ugly::pfeil:


    Egal, was der Diabetiker gerade für Probleme hat, wie z.B. Infekte etc , das manche Ärzte glauben, den müsse man nur mal richtig einstellen und dann müsse der ( sorry ) Diabetiker ja nur ganz strikt daran halten und alles würde gut.

    Der Diabetiker, der zu hohe oder tiefe Werte hat, hat ja nun mal selber Schuld. Der könne es ja selber lenken.


    Was jeder Mensch mit Diabetes weiß, dass ist Moppelkotze und stimmt ja nur zum Teil.


    Sonst würden die Tage ja immer gleich ablaufen und man müßte nicht sein ganzes Leben der "momentan" perfekten Insulingabe und Essensaufnahme hinterherhecheln.


    Ärzte Kliniken und andere medizinische Einrichtungen, fallen bei mir hinten raus und durch, wenn ich das Gefühl habe,

    da läuft Schema F und wenn so Dogmatismen abgespult werden für eine gesündere Lebensweise.

    Ich esse höchstens 1 mal die Woche Fleisch, ich mache jeden Tag Intervallfasten, Esse wenig Zucker ausser ich muß..

    versuche jeden Tag ein persönliches Schrittziel zu erreichen und hab nen BMI von 23,6.....

    *Voll vergessen, rauchen tue ich auch seit 15 Jahren nicht mehr.*

    *klar,ich muß meine Lebensweise nur verbessern, dann geht es schon* :patsch:


    Ach und ich sag trotzdem noch Diabetiker, das ist für mich nichts schlimmes oder abwertendes,

    denn ich bin auch Rheumatiker und Asthmatiker und "Diabetiker.

    Sonst müßte man z.B. Numismatiker ja auch Menschen mit Münzen und Papiergeld nennen. :rofl


    Also der Ansatz für eine anderes "Arztsprech" finde ich gut, dann wird vielleicht nicht nur die Wortwahl überdacht, sondern auch der Inhalt. :ahahaha:

    Macht dich "DAS" glücklich ?


    Wenn ich kann bin ich immer nett. Bin ich nicht nett, kann ich gerade nicht. 8o

    3 Mal editiert, zuletzt von bierernst ()

  • Generell glaube ich aber, dass Ärzte manchmal da auch wenig einfühlsam sind und Patienten eben Patienten sind, kranke Menschen.

    Eine Allgemeinärztin erzählte mir mal privat, dass ihr Ehemann, auch Allgemeinmediziner, zusätzlich zu seiner Schmerzausbildung noch eine Weiterbildung in Psychologie macht, weil das ganz gut passt, denn "Menschen mit Schmerzen, hätten oft auch einen an der Klatsche".

    Da ist mir bewußt geworden, dass Ärzte eben auch nur Menschen sind, die manchmal arrogant und nicht in der Lage sind, zu differenzieren und sich in die Situation von anderen zu versetzen.

    Wie wahr, wie wahr!

    Ich hab dann also auch einen an der Klatsche... :rofl:saint::thumbdown:

    Macht dich "DAS" glücklich ?


    Wenn ich kann bin ich immer nett. Bin ich nicht nett, kann ich gerade nicht. 8o

  • Auch die Frage, ob man den "gut eingestellt ist":

    *schmunzel* Die "gute medikamentoese Einstellung" wird auf der Psychiatrie noch viel vehementer durchgesetzt, damit die "Compliance" passt.

    Im Vergleich dazu ist die Diabetesbehandlung richtig human & empathisch!

    “Insulin is a remedy primarily for the wise and not for the foolish, be they patients or doctors. Everyone knows it requires brains to live long with diabetes, but to use insulin successfully requires more than brains.” – Elliott Joslin, 1923

  • Hier einige Aussagen von Ärzten

    Wenn ich ihre Werte sehe könnte ich kotzen, machen sie Yoga und trinken sie Mineralwasser.

    Die Fettleber verarbeitet ihren Zucker nicht.

    Wenn sie mal wieder im Urlaub Fett essen, können wir aus Spaß mal Insulin spritzen, dann sehen Sie wie das reinhaut.

    Wenn man im Sommer morgens 200 hat ist das völlig normal.

    Sie brauchen kein Basal Insulin.


    Und hier von Kollegen

    Warum spritzen Sie in den Arm

    Bei meinem Mann reichen Tabletten

    Sie spritzen, sie haben Typ 1

    Sie haben keinen Typ 1, sie sind zu alt

    Essen Sie nur, was sie kennen

    In Light Cola ist auch Zucker

    Sie spritzen viel zu viel...


    Und das ist nur ein Bruchteil von dem Blödsinn den ich ertragen musste.


    Politisch korrekte Umschreibungen brauche ich auch nicht, man sollte die Dinge beim Namen nennen.

    In vielen Fremdsprachen, die ich kenne sagt man noch Zuckerkrankheit, für mich kein Problem.

    Zum Beispiel tschechisch Cukrovka, oft verursacht von Becherovka:rofl

    Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen :bigg

  • Eines ist m.E. sicher: wie gut es mir geht hängt nicht davon ab, wie man mich bezeichnet, als Diabetiker oder als Mensch mit Diabetes. Ich glaube eher, uns geht es inzwischen manchmal zu gut und damit meine ich nicht uns Diabetiker sondern uns Menschen im allgemeinen. Mir ist es doch "scheiß egal", wie man mich nennt. In der Schulzeit sagten meine Mitschüler oft: "Da kommt der Zucker." Das tat weh. Ob ich als Mensch mit Diabetes oder als Diabetiker bezeichnet werde ist mir völlig egal. Ich habe auch kein Brandzeichen auf der Brust "Diabetiker". Je normaler und unbefangener wir damit umgehen, desto normaler und unbefangener geht man auch mit uns um. Das ist viel wichtiger als die/ unsere Bezeichnung.

    Die Genderfragen sind inzwischen geklärt. Manches davon aus meiner Sicht zu recht, anderes verursacht in der Arbeitswelt durchaus Probleme oder führt teilweise zu lächerlichen Ergebnissen. Ob ein Beamter/-in sich nun Amtmann oder Amtfrau schimpft tut niemandem weh. Das Gehalt wird bei der Amtfrau auch nicht größer ausfallen als vorher, es war schon immer identisch. Ich habe erlebt, das ein Arbetiskollege sich 2 Tage lang damit beschäftigen mußte, einen Text von ca. 40 Seiten auf Korrektheit in Sachen Gender zu prüfen und zu korrigieren. Am Ende war der Text 2 Seiten länger. Wenn´s denn hilft.?( Wie war das mit dem Kind und dem Bade?

  • Schon komisch: Vor dem bösen "Diabetiker" will man uns schützen, aber dass man uns damals den "Sche1sstyp" aufs Auge gedrückt hat, interessierte kein Schwein. :arghs:

    Tresiba ist zurück! :thumbsup:

  • Ich hab nur Glucoseintoleranz. Diabetes, das wäre schrecklich - haben doch nur alte, fette Leute und Kinder, die zu viel Zucker gegessen haben.

    --
    Nix Diabetes - das ist lediglich Glucose-Intoleranz.

    Einmal editiert, zuletzt von Grounded ()

  • Grounded ,


    Zitat: haben doch nur alte, fette Leute - die was? Kleine Kinder essen und Omis in Teich schubsen.... :bigg:ren:rofl

    Macht dich "DAS" glücklich ?


    Wenn ich kann bin ich immer nett. Bin ich nicht nett, kann ich gerade nicht. 8o