Die Wortwahl macht den Unterschied

  • Ich denke gerechterweise sollte man die männliche form aller begriffe einfach ganz abschaffen und nur noch die weibliche form benutzen.

    OT: Interessant, dass es heißt "der Täter", "der Mörder", oder "der Depp/Kasper". Negative Handlungen / Attribute sind in der Regel auch "sprachlich eher männlich" besetzt.


    Gute Idee also sprachliche Gleichberechtigung einzuführen.


    Ich hab übrigens noch nie gesagt, dass ich Diabetiker bin. Ich habe eine Glucoseintoleranz bzw. Bauchspeicheldrüsenunterfunktion. Meine SIgnatur kommt nicht von ungefähr. Du umgehst damit 1a die Vorurteilsschiene, vor allem bei eher einfach gestrickten Mitmenschen. Wer es sofort durchblickt hat halt "eher kein Problem" damit.

    --
    Nix Diabetes - das ist lediglich Glucose-Intoleranz.

  • Übrigens haben sich vor allem Frauen über den eingestellten Fleisch Verkauf beschwert..


    könnte das daran liegen, dass sie zu Hause Männer haben, die Fleisch wollen :/

    Habe ich auch gedacht, aber umgekehrt könnte man auch denken, das Männer die Fleisch Ersatz kaufen das ihren Frauen zu liebe machen.

    Die geschlechtsspezifischen Vorurteile bestätigen sich aber im allgemeinen nicht.

    Weder was das Suchtverhalten, Geldnöte und merkwürdige Ernährungs Konzepte betrifft.

    Auf alle Fälle ist der Job gar nicht so langweilig wie man denkt...

    Und wenn es doch mal stupide ist merke ich mir die Nährwerte für mich interessanter Lebensmittel.

    Als sogenannter Diabetiker hat man auf alle Fälle die nötige Fachkompetenz..

    Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen :bigg

  • Ich kämpfe mit mir selbst, ob ich diesen Thread ignorieren soll, der mit einer interessanten Diskussion begonnen hat, die uns alle in gewisser Weise betrifft. Vielleicht könnt Ihr die ersten Beiträge diesbezüglich noch mal überfliegen.


    Mittlerweile sind die Kommentare abgedriftet in eine Richtung, die auf eher plattes Gendering-Bashing hinausläuft, oder auch auf eine ziemlich oberflächliche Veräppelung von Minderheiten, für die richtiges Gendering tatsächlich wichtig ist. Und für die Witze darüber diskriminierend sind.


    Ich weiß, dass ich mich damit aus dem Fenster lehne. Aber bedenkt bitte, dass viele der letzten Beiträge mit dem eigentlichen Ausgangspunkt dieses Threads nichts mehr zu tun haben und für manche Menschen bestimmte Arten von Witzeleien verletzend sind.


    Und mir ist auch bewusst, dass ich nicht weiterlesen MUSS.....falls das jetzt als Argument kommen sollte.


    Ich musste es halt loswerden.

  • Heide : Danke für deinen Beitrag! Ich war auch schon dabei auf die letzten sinnlosen Beiträge eine passende Antwort zu verfassen, aber dann ist mir klargeworden, dass ich unter einem gewissen Niveau nicht mehr diskutieren mag..

    Der Clown ist die wichtigste Mahlzeit des Tages!

  • Klar, die Diskussion ist ein wenig abgedriftet, aber politisch korrekte Formulierungen können für denjenigen der geschützt werden soll leider

    das Gegenteil bewirken und ihn erst recht ins lächerliche ziehen.

    Und das sollte damit aufgezeigt werden.

    Es gibt ja leider viele Vorurteile gegen uns, und die werden durch solche

    Diskussionen nicht besser.

    Ich bin und bleibe krank, die Formulierung "bedingt gesund" könnte man auch

    ironisch verstehen.

    Ein Blinder ist "visuell herausgefordert", ein Ausländer ist ein "Mitbürger", alles Quatsch man sollte die Dinge beim Namen nennen, und selbstbewusst mit all seinen Schwächen umgehen.

    Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen :bigg

  • Ganz ernsthaft :


    wenn gutbezahlte, studierte Leute sich auch noch weltweit den Kopf darüber zerbrechen, wie

    man einen oder eine Diabetiker/in nennen könnte ohne diese/n/s zu diskriminieren frage ich mich ob es nicht weitaus wichtigere und dringendere Probleme auf dieser Erde gibt die

    gelöst werden müssten.


    Und wenn sich eine/r/s Diabetiker/in durch diesen Begriff diskriminiert fühlt, liegt das nicht an

    dieser (absolut korrekten) Bezeichnung, sondern an einer überempfindlichen Reaktion.

    Ja, es gibt nun einmal Menschen, die jedes Wort auf die Goldwaage legen und hinter jeden

    Bemerkung einen Angriff auf ihre Person sehen.


    Das ist aber persönliches Problem der Diabetiker/in und nicht des die Bezeichnung "Diabetiker"

    benutzenden Person.

    Ich kann mich da nur noch ans Hirn fassen....

    iyi günler (noch einen schönen Tag)


    Talat

  • Ich kann persönlich wenig mit solchen sprachlichen Spitzfindigkeiten in diesem Bereich anfangen. Sonst bin ich sehr empfänglich für Sprache. Aber bei sowas ... wir haben in der Schweiz einen schönen Ausdruck für solche Maximal-Empathien. "Gschpürschmi" (etwa: spür mich)-Sachen. Wenn gehätschelt und getätschelt werden muss, damit niemand weinen muss. Mag vielleicht hart klingen, aber ich will niemanden angreifen damit. Mir gehts darum, dass das Diabetes-Management heute von gleichberechtigten Parteien geleistet werden muss. Auf der einen Seite gibts den Arzt, der seinen Job macht, den Patienten mit Rat und Tat (und Rezepten) unterstützt. Und den Betroffenen, ob der nun Diabetiker, Mensch mit Diabetes oder Kaiser Wilhelm heisst, der 24/7 mit der Krankheit leben muss.

    Ich fühle mich als Diabetiker (ich verwende diesen Begriff nun weiter) nach über zehn Jahren vom Arzt ernstgenommen, wenn er mir nicht vorschreibt, was ich zu tun hab. Wenn er mir zutraut, meine Therapie selbstständig anzupassen. Wenn er mich bei Problemen unterstützt und mich mehrheitlich machen lässt. Denn eben: 24/7. Ich. Nicht er. Er meist nie. Abgesehen von den Ärzten, die selbst an der Krankheit leiden.

    Ich brauche keine Kuscheleinheiten, ich brauche Laborwerte. Ich brauche Rezepte. Ich brauche Inputs, wenns nicht läuft. Aber ich brauch keine Vorschriften, wie hoch mein Zucker zu sein hat. Lesen kann ich selbst. Und drum ist die Sprache im Umgang mit der Krankheit für mich nichts weiter als Nebensache.

    Ich glaube allerdings, dass es am Anfang der Krankheitskarriere schon einen Unterschied macht, wie man sprachlich damit umgeht. Mit einem objektiven, professionellen Umgang wird vieles erleichtert.

  • Ehrlich gesagt finde ich das albern. Ich bin Diabetiker bzw. ich habe Diabetes und das seit 22 Jahren.


    Ich bin auch nicht so sensibel bei irgendwelchen Wortphrasen. Fällt für mich unter "Luxusprobleme" das Ganze. Und wenn mir ein früherer Arzt mal sagte ich sei ein "schlechter Diabetiker" dann war das seine realistische Einschätzung und ich bin danach nicht Weinen gegangen weil er's mir hätte zärtlicher umschreiben können.

    Nur von ganz unten sieht Selbstbewusstsein wie Arroganz aus.

  • Aber es ist doch wirklich so, dass sich in so vielen Köpfen eingenistet hat, dass Menschen mit Diabetes "selbst schuld" sind. Und das liegt eindeutig an der Berichterstattung und dem sprachlichen Umgang damit. Von daher finde ich das überaus gut, dass sich da mal Menschen mit befassen und darauf aufmerksam machen. Das ist vergleichbar mit dem Verhalten von Menschen, die bei Rollifahrer*innen statt der direkten Ansprache immer mit der Begleitung sprechen. Dabei ist doch zumeist nur die Lauffunktion mangelhaft, nicht der Verstand. Da wurde auch schon viel erreicht, durch darauf aufmerksam machen und drüber sprechen.

    Wann eigentlich wurde aus Sex and Drugs and Rock and Roll


    Veganismus und Lactoseintoleranz und Helene Fischer???

  • Muss man wirklich alles sprachlich verniedlichen, damit sich alle wohl fühlen?


    Wenn ich aus einem Hausmeister einen Facilitymanager mache, fühlt der sich dann wohler oder macht er seine Arbeit besser? Wenn ich ihn weiterhin Hausmeister nenne, aber seine Arbeit angemessen entlohne, wird er sich garantiert besser fühlen.


    Man kann letztlich mit ganz vielen Worten gar nichts sagen. Politiker sind Profis auf diesem Gebiet und machen uns das tagtäglich vor. Neue Gesetze, wie das "Starke-Familien-Gesetz" klingen toll, dies macht ihren Inhalt aber nicht ein Stück besser. Wer meint, mit dem Inhalt einer Familie tatsächlich zu helfen, sollte zur wirklichen Unterstützung in betraglich anderen Dimensionen rechnen. Viele schöne Worte, sonst nichts.

    Mir ist es völlig gleichgültig, was Andere sich für Gedanken zu meinem Diabetes machen. Diejenigen, die mich kennen, wissen Bescheid. Diejenigen, die mich nicht kennen, wissen in der Regel auch nichts von meinem Diabetes und ich binde es ihnen auch nicht auf die Nase. Mit der heutigen Technik muss es selbst auf engstem Raum keiner mehr merken. Wenn ich aufs Display schaue, weiß ich jederzeit, wie es gerade um mich steht und ob ich etwas unternehmen muss.


    Es reicht mir völlig aus, als normaler Mensch wahrgenommen zu werden. Meine kleine Unzulänglichkeit bespreche ich mit meinem Diabetologen und vielleicht meiner Frau, sonst geht das keinen was an.

  • Aber es ist doch wirklich so, dass sich in so vielen Köpfen eingenistet hat, dass Menschen mit Diabetes "selbst schuld" sind


    ich glaub, ich lebe wirklich im Schlaraffenland... das ist mir das erste und einzige Mal passiert, als ich frisch diagnostiziert war und meine Mitschüler meinten, es läge daran, dass ich soviel Süßkram gegessen hatte. Kurze Aufklärung und dann war Ruhe.

  • Aber es ist doch wirklich so, dass sich in so vielen Köpfen eingenistet hat, dass Menschen mit Diabetes "selbst schuld" sind. Und das liegt eindeutig an der Berichterstattung und dem sprachlichen Umgang damit.....

    Nicht nur ! Dieses Vorurteil entspricht ja auch bei einem großen Teil der Diabetiker den Tatsachen. Ungefähr 95 % der Diabetiker sind Typ 2 und diese unterstreichen größtenteils (natürlich nicht alle !!!) durch ihr Verhalten diese Meinung.

    D.h. eine neue oder andere Bezeichnung für uns Diabetiker wird die Einstellung oder die Meinung der nicht diabetischen Gesellschaft zu und über die Diabetiker nicht ändern.


    Bei einem Menschen mit einer Leberzirrhose wird auch meistens zuerst an Alkohol gedacht, obwohl diese auch andere Gründe haben kann....

    iyi günler (noch einen schönen Tag)


    Talat

  • Aus Sicht einer Diabetikerin Typ 1 bin ich ja sowieso der Meinung, dass diese beiden Krankheiten Typ 1 und Typ 2 gar nicht zusammengehören. Typ 1 "hat es an der Bauchspeicheldrüse" und Typ 2 hat insulinresistenteMuskeln, um es mal vereinfacht auszudrücken. Das sind eigentlich zwei völlig unterschiedliche Dinge und die Vereinheitlichung auf "Diabetes" führt bei mir immer wieder zu Unwillen, weil damit so viel Unkenntnis verbunden ist. Da war das früher fast besser: Da gab es Alterszucker und jugendlichen Diabetes und damit war's viel klarer. Aber das stimmt ja nun auch nicht mehr so. :/

    Wann eigentlich wurde aus Sex and Drugs and Rock and Roll


    Veganismus und Lactoseintoleranz und Helene Fischer???

  • Aus Sicht einer Diabetikerin Typ 1 bin ich ja sowieso der Meinung, dass diese beiden Krankheiten Typ 1 und Typ 2 gar nicht zusammengehören. Typ 1 "hat es an der Bauchspeicheldrüse" und Typ 2 hat insulinresistenteMuskeln, um es mal vereinfacht auszudrücken. Das sind eigentlich zwei völlig unterschiedliche Dinge und die Vereinheitlichung auf "Diabetes" führt bei mir immer wieder zu Unwillen, weil damit so viel Unkenntnis verbunden ist. Da war das früher fast besser: Da gab es Alterszucker und jugendlichen Diabetes und damit war's viel klarer. Aber das stimmt ja nun auch nicht mehr so. :/

    Gar nicht, was hat ein Typ 1 Diabetiker mit meiner Therapie gemeinsam, der seine erhöhten Zuckerwerte mit Sport und drei Einheiten Levemir bekämpft und dabei im schlimmsten Fall noch unterzuckert.

    Nichts...

    Was den letzten Absatz betrifft, gab es auch mal sinnvollere Abstufungen, ich zitiere

    • NIR: (non-insulin-requiring) Behandlung ohne externe Insulinzufuhr, z. B. nur mit Diät und/oder oralen Antidiabetika.
    • IRC: (insulin requiring for control) Neben dem körpereigenen Insulin wird zusätzlich externes Insulin benötigt, um erhöhte Blutzuckerwerte zu senken.
    • IRS: (insulin requiring for survival) Externe Insulinzufuhr wird zum Überleben benötigt. Nach der neuen Einteilung sind das Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes mit stark reduzierter oder eingestellter eigener Insulinproduktion.
    • IGT: (impaired glucose tolerance) Gestörte Glukosetoleranz.
    • ND: (non diabetic) Nicht an Diabetes erkrankt.
    • Wurde 1998 abgeschafft, inzwischen denkt man bei Typ 2 auch über Differenzierungen erneut nach

    Natürlich stimmen viele Vorurteile, aber eben nicht immer und viel Blödsinn wird auch auf Typ Einser übertragen

    Leider...

    Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen :bigg

  • ich glaub, ich lebe wirklich im Schlaraffenland... das ist mir das erste und einzige Mal passiert, als ich frisch diagnostiziert war und meine Mitschüler meinten, es läge daran, dass ich soviel Süßkram gegessen hatte.

    Bei mir würde ich fast glauben, dass ich eine Teilschuld habe. Zu DDR-Zeiten wurde eben "Lenin-Sekt" getrunken, da müssen Unmengen an Zucker drin gewesen sein. Kaffee ohne Zucker konnte ich auch noch nie ab... mit etwas Süßstoff geht es auch, wie ich seit geraumer Zeit weiß.


    Dass ein fünfjähriges Kinde noch nicht viel falsch gemacht haben kann wenn es neuentdeckt wird ist was anderes.

    Mir ist es völlig gleichgültig, was Andere sich für Gedanken zu meinem Diabetes machen. Diejenigen, die mich kennen, wissen Bescheid. Diejenigen, die mich nicht kennen, wissen in der Regel auch nichts von meinem Diabetes und ich binde es ihnen auch nicht auf die Nase. Mit der heutigen Technik muss es selbst auf engstem Raum keiner mehr merken. Wenn ich aufs Display schaue, weiß ich jederzeit, wie es gerade um mich steht und ob ich etwas unternehmen muss.

    Mir war das schon immer scheißegal, ich habe mich nie versteckt. Weder mit Pen noch mit dem Messgerät noch mit der Pumpe. Wenn andere Leute mit der Spritze in der Kneipe aufs Klo gingen fand ich das lächerlich. Niemand hat da je Anstoß dran genommen, warum auch.

    Nur von ganz unten sieht Selbstbewusstsein wie Arroganz aus.

  • Ich habe einmal an einem Imbiss mir Bolus rein gejagt, da sprach mich ein älterer Herr an was ich mache ich erklärte ihm das ich Insulin Spritze.

    Er war beeindruckt und sagte sein sie weiterhin so tapfer..

    Gestern kam ich mich mit einer Kundin ins Gespräch die Diabetes verdächtigte Produkte kaufte.

    Sie sagte sie hat seit seit 52 Jahren Diabetes also Typ1.

    Sie empfahl mir eine Pumpe, aber dann bin ich ja richtig krank 🤒

    Das ganze war sehr interessant, wie hier im Forum.

    Ein interessanter Erfahrungsaustausch den man natürlich nicht oft erlebt.

    Solche Geschichten tun einem gut und sind mir wichtiger als in Watte gepackt zu werden.

    Man muss die Schuld auch mal bei den Anderen suchen :bigg

  • Mir war das schon immer scheißegal, ich habe mich nie versteckt. Weder mit Pen noch mit dem Messgerät noch mit der Pumpe. Wenn andere Leute mit der Spritze in der Kneipe aufs Klo gingen fand ich das lächerlich. Niemand hat da je Anstoß dran genommen, warum auch.


    geht mir genauso... gab schon ein paar lustige Szenen, als mir dann z. B. im McDoof mal einer vom Nachbartisch mit seinem Pen zugewunken hat, weil er gesehen hatte, dass ich spritze :D