Was wäre, wenn Diabetes ab sofort heilbar ist...

  • Stell Dir vor, Du gehst zum Arzt: Seit einiger Zeit hast Du auf diesen Termin gewartet (wegen des großen Andrangs) und nun ist es so weit. Als erstes unterschreibst Du blind alle Belehrungen und Hinweise zu Nebenwirkungen, denn darüber hast Du Dich im Vorfeld ausführlich informiert. Dann bist Du an der Reihe: Kurz auf die Liege und in die Armbeuge die Flexüle gelegt, denn die Infusion gestartet und eine halbe Stunde später kannst Du gehen. Ohne Diabetes. Da läufst Du dann nach 40 Jahren Insulin, Spritzen, dann auch Pumpe und CGM auf Deinen vielleicht etwas tauben Füßen nach Hause. Die Pumpe und den Sensor hast Du abgelegt, aber noch in Deiner Tasche. Von da kommen akustisch irgendwelche Alarme wie aus einer anderen Welt. Was jetzt? Wirst Du es glauben oder wirst Du weiter testen, ob es auch wirklich so ist? Wirst du nachts Deine Pumpe suchen und darüber aufwachen, weil Du sie nicht findest...?

    Wirst Du am Buffet zuschlagen, als ob es kein Morgen gibt und Dir keine Gedanken mehr über BE machen? Wird in Deinen Träumen der Diabetes gänzlich verschwinden? Wirst Du wirklich nicht mehr darüber nachdenken, was Du alles beim aus-dem-Haus-gehen besser mitnehmen solltest außer dem Schlüssel und etwas Geld?

    Wirst Du lachen müssen, weil Dein Diabetesfachhändler Dir plötzlich Kosmetik, Feng Shui Artikel und tolle Partyartikel anbietet, weil er Deine Adressdaten besitzt und ansonsten nicht viel zu tun hat?

    Wird Dir etwas fehlen, weil der Diabetes Dich mit anderen Leuten in Verbindung gebracht hat?

    Hast Du jetzt vielleicht gar nichts mehr, weil Dein Diabetes weg ist und Du Dich nicht mehr darauf berufen kannst bei allen möglichen oder unmöglichen Angelegenheiten?

    Was ist mit Deinen Unzulänglichkeiten? Du kannst jetzt nicht mehr Sodbrennen und Müdigkeit auf hohe Werte schieben und Aufgeregtheit und Unkonzentirertheit auf niedrige Werte....

    Ich behaupte: Nach jahrzehntelanger Diabetesdauer würde das Umdenken weg vom Diabetes ähnlich viel Anstrengungen erfordern wie das Beschäftigen mit der neu erworbenen Krankheit Diabetes und:

    Ich würde den Zustand gerne mal ausprobieren und melde mich hiermit schon mal freiwillig (bei wem auch immer):venti

    Was sagt Ihr dazu? Was wäre wenn?

  • Ich bin der Überzeugung, das wir das hier noch erleben dürfen.

    ...

    Aus meiner Erfahrung gewöhnt man sich schnell dran. Meine Migräne ist mit dem Diabetes verschwunden und mir hat jetzt mal nichts schlagartig gefehlt. Ich würde allerdings nicht zurücktauschen wollen. Seit einigen Jahren ist auch mein Reizdarm verschwunden. Den nächsten Schritt zum perfekten Glück erhoffe ich mir vom Verschwinden der Menstruation. Letztgenannte 2 finde ich persönlich wesentlich einschränkender. Das tangiert u.a. das Reisen und das Teilnehmen an Veranstaltungen u.v.m. - dagegen nervt mich beim Diabetes eher das Damoklesschwert Folgeerkrankungen als die täglichen kleinen Dinge.

    Nein ich müsste mich null anstrengen mich ab morgen nicht mehr um Diabetes zu kümmern, vieles von den Essensgewohnheiten würde ich beibehalten, um nicht fett zu werden. Und Sodbrennen kommt bei mir nicht vom Diabetes sondern von nichtdiabetesbedingten Nahrungsmitteln :sekt: und genaugenommen habe ich Diabetes auch nicht als Entschuldigung genommen, etwas nicht zutun.

    ABER: ICH WÜRDE EUCH VERMISSEN!

    _____Flat_______lines___are________for________dead___________people__________

  • Mein Diabetes geb` ich nicht mehr her:bigg, aber auf die Folgeerkrankungen kann ich liebend gerne verzichten......

    Gerade auch 37 Jahre klebt "er", der Diabetes schon an meiner Backe, was mache ich bloß, wenn ich nicht mehr zuckerkrank wäre? Bin damit durch alle Höhen (z.B. Hyper) und Tiefen (z.B. Hypos) gegangen!

    Ich wäre kugelrund und dick, wenn ich durch diese "Krankheit" nicht auf mein Gewicht achten würde, jawohl und ich wäre NICHT HIER...…:rofl

    Den Sinn des Lebens zu suchen ist legitim, doch sollte man damit nicht zu viel Zeit verbrauchen,
    sonst zieht das Leben an einem vorbei :urlaub

  • Ich würde erst mal ein Kilo Kirschen essen, den Diabeteskram in einem Karton in die hinterste Ecke im Keller verräumen. Und dann kommt bestimmt die nächste Phase im Leben, die nächste Herausforderung...

    Auch wenn ich hier nicht so viel schreibe sondern eher lese würde ich euch furchtbar vermissen!

    Alles hat seine guten Seiten... Man muss sie nur finden.

  • Entschuldigung, mit solchen Gedanken tut man sich selbst keinen Gefallen. Ich finde mich mit meinen über 50 Jahren Diabetes ab und mache das Beste draus. Ich kann mir ab und an mal etwas außer der Reihe leisten, das reicht mir völlig und verhindert, dass ich über die Stränge schlage.

    Wenn man sich in abstruse Phantasien flüchten muss, hat man glaube ich etwas falsch gemacht.

  • Ich bemühe mich um gesunde Ernährung, vielleicht wäre das anders gekommen, ohne den Diabetes.

    Auch meine Fähigkeiten am Computer hängen indirekt mit dem Diabetes zu tun. Mein erster "Computer" war ein PSION, die gibt es heute gar nicht mehr, den ich hauptsächlich als Diabetesheft genutzt habe. 8 MB Speicher, monochromes Display und eine extra Speicherkarte hätte 400 DM gekostet.:bigg

    Es gibt ihn noch gebraucht :-)

    Auch mit Tabellenkalkulationen kann ich nur so gut umgehen, weil ich seit 20 Jahren mein Diabetesheft per PC führe.


    Ich wäre also jetzt ein ganz anderer Mensch, wenn ich den Diabetes erst gar nicht gehabt hätte.

    Kein computersüchtiger Zombie, mit guter Figur, und einem Haufen Gepäck beim Wandern, sondern PC-Depp, mit Übergewicht und nur einem Handtäschchen.:bigg

    Außerdem würde ich euch alle gar nicht kennen, außer vielleicht aus einem Forum für Moppelige.


    Aber im Moment wäre ich nicht bös drum, ihn mal von der Backe zu haben,

    Ständig an den Zucker denken, Basalratentests, wo ich doch eh schon weiß, dass ich mir jetzt die Arbeit machen und es dann höchstens 4 Wochen gut passt und dann wieder alles durcheinander gerät.


    Aber was würde ich eigentlich mit der ganzen Freizeit anfangen? :/


    LG

    zuckerstück

    „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

    Zitat stammt aus dem Jahr 1972 von der kanadischen Autorin und Filmemacherin Alanis Obomsawin

  • Entschuldigung, mit solchen Gedanken tut man sich selbst keinen Gefallen. Ich finde mich mit meinen über 50 Jahren Diabetes ab und mache das Beste draus. Ich kann mir ab und an mal etwas außer der Reihe leisten, das reicht mir völlig und verhindert, dass ich über die Stränge schlage.

    Wenn man sich in abstruse Phantasien flüchten muss, hat man glaube ich etwas falsch gemacht.

    Ich denke, das der Zeitpunkt kommen wird. In etlichen Kinderkliniken erzählt man den zu schulenden Kindern, daß sie sich anstrengen sollen um die Zeit bis zur möglichen Heilung gut zu überstehen. Ich habe bisher viel falsch gemacht, aber mit meiner Phantasie (wenn auch aus mancher Sicht abstrus) konnte vieles wieder in die Reihe bringen. Einfach nicht darüber nachdenken (wollen) ist auch eine Bewältigung. Eben typ- oder charakterabhängig. Daher habe ich diese Umfrage gestartet und bin sehr dankbar für die Antworten. Auch über die von Heiner.

  • Ein ähnliches Erlebnis war es nach meiner Augenop, wo ich von -6,5 auf 0 Dioptrien gegangen bin. Die ersten Wochen sind komisch (mit Augen zu schwimmen mache ich heute noch) aber nach zwei Jahren fühlt es sich an, als hätte ich nie eine Brille gebraucht.
    ich denke so ähnlich wäre es beim Diabetes auch. Wobei ich bestimmt weiter auf eine gute Ernährung achten würde.

  • Toll wäre es schon und ich könnte mich nach 48 Jahren auch sofort umstellen.


    Dagegen spricht, dass es praktisch keine Forschung zur Heilung gibt, sondern nur zur Behandlung. Die einzigen, die außer ein paar Studenten forschen, sind Pharmabetriebe und die wollen nicht heilen, sondern die Medikamente und Hilfsmittel zum überleben der Krankheit liefern. Wenn sich damit auch noch gut Geld verdienen lässt, um so besser.


    Helfen könnte uns vielleicht die Genforschung, aber da ist man ja auch sehr bemüht, das Thema auf Sparflamme zu halten. Wäre ja auch fürchterlich, durch gentechnische Veränderungen lauter Gesunde zu haben. Was sollen die Ärzte und alle die daran hängen, noch tun, wenn es keine Weiterbehandlung gibt?


    Wir leisten einen erheblichen Beitrag zum Wohlstand vieler. Da können wir nicht einfach gesund werden.

  • Ich würde spontan einen großen Eisbecher essen gehen. Und vermutlich danach irgendwann den Zwang verspüren, den BZ zu messen...und dabei Angst haben, dass alles nur Fake News waren.

    Danach bliebe zu hoffen, dass die Lebensstiländerung mindestens soviel Spontanbewegung wie Spontanfuttern zusätzlich hätte.... ;) Und ich glaube, nach höchstens vier Wochen wäre ich die DM-bedingten Verhaltensauffälligkeiten wieder los.


    Schaun wir mal.

    Lg Hubi

    "What I tell you three times is true!"

    (Lewis Carroll, The Hunting of the Snark)

  • Yeah, als erstes mal "wie früher" in der Bäckerei alles leerfressen. Natürlich nachdem ich verifiziert hab dass das tatsächlich funktioniert. Und dann zum Lufthansa Zentrum, Medical holen, "echten Pilotenschein" und nicht "fliegende Gehhilfe" machen.

    --
    Nix Diabetes - das ist lediglich Glucose-Intoleranz.

  • Die Vorstellung ist genial - auch wenn ich ihn erst drei Jahre habe.
    Ich würde auf jeden Fall Nudeln in Massen und sämtlichen Variationen essen - so lange, bis sie mir zum Halse heraushängen!!

  • Ich denke auch, dass man sich recht schnell umgewöhnt. Obwohl der Anfang bestimmt komisch wäre. Ich wäre panisch, weil meine Insulinpumpe weg ist, das bestimmt.

    Pizza... ich würde eine Pizza essen, eine Ganze ^^ .

    Und endlich keine Traubenzucker mehr mitschleppen... meine Fitnessuhr braucht ich dann auch nicht mehr - gut, dass sie nicht teuer war, sonst würde ich mich nur ärgern:D.

  • mein Diabetes hat mich auf meinen Weg gebracht und mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin und den ich sehr mag. Von daher bin ich ihm dankbar, aber er hätte für mich seinen (diesen) Zweck erfüllt. Vermissen würde ich ihn nicht, wohl aber immer mal wieder gegenmessen und auf meinen vierteljährlichen HbA1c bestehen :rofl


    ich glaub, ich würd einen riesigen Obstsalat mit vielen Trauben drin essen (oder nur so ein kg Trauben), gefolgt von einem übergroßen Teller "gebratenem Reis an gebratenen Nudeln" :rofl

  • Entschuldigung, mit solchen Gedanken tut man sich selbst keinen Gefallen. Ich finde mich mit meinen über 50 Jahren Diabetes ab und mache das Beste draus. Ich kann mir ab und an mal etwas außer der Reihe leisten, das reicht mir völlig und verhindert, dass ich über die Stränge schlage.

    Wenn man sich in abstruse Phantasien flüchten muss, hat man glaube ich etwas falsch gemacht.

    Ich denke, das der Zeitpunkt kommen wird. In etlichen Kinderkliniken erzählt man den zu schulenden Kindern, daß sie sich anstrengen sollen um die Zeit bis zur möglichen Heilung gut zu überstehen. Ich habe bisher viel falsch gemacht, aber mit meiner Phantasie (wenn auch aus mancher Sicht abstrus) konnte vieles wieder in die Reihe bringen. Einfach nicht darüber nachdenken (wollen) ist auch eine Bewältigung. Eben typ- oder charakterabhängig. Daher habe ich diese Umfrage gestartet und bin sehr dankbar für die Antworten. Auch über die von Heiner.

    Bevor man nicht mit an Sicherheit grnezender Wahrscheinlichkeit sagen kann, dass es bald so kommen kann, halte ich das für Hoffnungen schüren, wo keine sind. Mit der Realität kann man sich manchmal besser anfreunden, als einem Traum nachzujagen. Mit der Zeit stellt sich dann nämlich evtl Enttäuschung ein und das ist nicht gut. So aggiert die Politik, einem selbst hilft das in der Realität nie, nur du selbst.

  • Ich denke, das der Zeitpunkt kommen wird. In etlichen Kinderkliniken erzählt man den zu schulenden Kindern, daß sie sich anstrengen sollen um die Zeit bis zur möglichen Heilung gut zu überstehen.

    1994 war mein Diabetologe schon überzeugt, dass es nur noch 2 bis 5 Jahre dauert bis zur Heilung.

    Wenn 26 Jahre später immer noch sowas erzählt wird, scheint dass ein beliebter Standardspruch zu sein.:bigg


    LG

    zuckerstück

    „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

    Zitat stammt aus dem Jahr 1972 von der kanadischen Autorin und Filmemacherin Alanis Obomsawin