Insulinpumpe - Ausreichende Indikation?

  • Hallo zusammen


    ich hätte mal eine Frage, speziell an die, die ihren Pumpenantrag schon erfolgreich durchgebracht haben.

    Nachdem ich schon etwas länger hin und her überlegt habe, habe ich nun beschlossen, dass ich auf eine CSII umsteigen möchte.

    Nun ist natürlich die spannende Frage, welche Voraussetzungen für einen erfolgreichen Antrag erfüllt sein müssen. Ich habe schon Mal etwas in der Leitlinie gestöbert, bin mir aber nicht so recht sicher, ab wann denn die Anforderungen erfüllt sind, die dort genannt werden.


    Mit einem „Nichterreichen der individuellen Therapieziele“ (4-10) werde ich vermutlich nicht argumentieren können, da die letzten HbA1c immerbei 5,x% waren.


    Wie sieht das nun mit den „häufigen Hypoglykämien“ (4-11) aus? Das ist ja auch eine sollte-Empfehlung. Ab wann zählt denn ein Wert als Hypoglykämie?

    Ich habe fast täglich das Problem, dass meine Werte am späten Nachmittag absacken. Das Ganze passiert unabhängig von Mittagsessen/-bolus und kommt auch vor, wenn ich gar nichts esse und spritze. Auch ein Wechsel vom Basalinuslin (Levemir->Lantus) sowie eine Variation der Spritzzeitpunkte hat es nicht besser gemacht.

    Das einzige was ich tun kann, ist jeden Nachmittag gegen 15-16 Uhr ein paar KH zu essen um den Absturz abzufangen, was mich inzwischen immer mehr nervt.X(

    Da ich aber halt nen Libre 2 habe und vorher sehe (und weiß), dass es runter geht, gelingt es mir meist das ganze bei Werten um die 70 rum abzufangen. Wenn es mal darunter rutscht, dann meist nur kurz und ein paar Punkte (meist nicht unter 65, ganz selten mal bis 60).

    Zählt sowas schon zu regelmäßigen Hypos bzw. reicht als Argumentation für die Pumpe schon, dass ich immer etwas essen muss, da ansonsten eine Hypo entsteht?


    Ansonsten, wie erfolgreich sind Anträge mit den „kann“-Indikationen (4-12)? Ich könnte dort immerhin mit einem geringen Insulinbedarf (TDD <14 IE) und mit Nachtdiensten argumentieren (in denen ich auch oft abends noch nachessen muss).


    Wie sieht es mit sportlicher Aktivität aus? Die wird irgendwie gar nicht in der Leitlinie erwähnt. Dort habe ich auch das Problem, dass ich bei Wanderungen (auch ohne aktiven Bolus) quasi stundenweise nachessen muss um den BZ über 70 zu halten. Aber auch da schaue ich natürlich, dass ich im Falle des Falles ne kurze Pause mache bis der Wert wieder ansteigt, so dass es auch nur kurze, milde Dips nach unten sind.


    Insgesamt sind es also schon ein paar Baustellen, vor allem was tiefe Werte angeht, aber eben vieles, was ich mit dem Libre antizipieren kann, so dass meine Time-below-70 „nur“ knapp unter 1% rangiert.


    Ist das dennoch genug, um eine Pumpe genehmigt zu bekommen oder ist ein Antrag damit von vorne herein zum Scheitern verurteilt?:(

  • Hallo Gendra,


    auf jeden Fall einen Antrag stellen, die werden doch gefühlt - bei vollständiger Einreichung der Unterlagen - kaum noch abgelehnt.


    Welche deiner Indikationen am ehesten zieht kann ich nicht beurteilen, den Schichtdienst würde ich aber auf jeden Fall erwähnen.


    Ganz wichtig ist m.M. nach dem MDK zu zeigen, dass du ICT verstanden hast. Also am besten dein Tagebuch um Notizen erweitern, sowas wie „stark sinkender BZ obwohl kein Bolus mehr aktiv“ an den Nachmittagen, oder „Basalinsulin/Bolusinsulin wegen Sport reduziert“.


    Viel Glück, das wird bestimmt gut gehen! :)

    „Soll ich den Notarzt rufen?“ – „Nein, das ist ein Fall für Spezialisten, rufen Sie die Gummibärenbande!“ (diabetes-leben.com)


  • Also Nachtschichten und das Wandern (Sport allgemein) gehört auf jeden Fall erwähnt und auch in Tagebüchern irgendwo erwähnt, vermerkt.


    Eigentlich sollten Dir Arzt und/ oder Ernährungsberater (jaja auch die eventuellen weiblichen Gegenparts :P) bei der Beantragung beiseite stehen können und die wissen auch am besten auf was es ankommt. Vorallem bei einer eventuellen ausführlichen Begründung, falls überhaupt notwendig, z.B. bei einer ersten Ablehnung.

    "Nichts bricht Herz, Mut und Kraft geschwinder als die Lüge; die Lüge ist das teuflichste, weil das feigste Laster."

    Ernst Moritz Arndt


    "Eine Lüge ist wie eine Schneeball: Je länger man ihn wälzt, desto größer wird er."

    Martin Luther

    Bayer Crop Science (Ex-Monsanto) sät und spritzt den Tod

  • Ich habe fast täglich das Problem, dass meine Werte am späten Nachmittag absacken. Das Ganze passiert unabhängig von Mittagsessen/-bolus und kommt auch vor, wenn ich gar nichts esse und spritze. Auch ein Wechsel vom Basalinuslin (Levemir->Lantus) sowie eine Variation der Spritzzeitpunkte hat es nicht besser gemacht.

    Das einzige was ich tun kann, ist jeden Nachmittag gegen 15-16 Uhr ein paar KH zu essen um den Absturz abzufangen, was mich inzwischen immer mehr nervt.X(

    Da hast Du doch Deine Indikation.

    Mit der Pumpe kannst Du Dein Basalprofil so einstellen, dass zu dieser Uhrzeit dann weniger Basal abgegeben wird.

    Deine Indikation ist dann so ähnlich wie bei einem Dawn-Phänomen: das Wirkprofil Deines Basal passt nicht zu Deinem tatsächlichen Bedarf.


    Basal mit dem Pen ist wie eine Schrotflinte: draufhalten, irgendwas wird schon treffen.

    Pumpe ist da eher ein Scharfschützengewehr: mit etwas Übung trifft man das, was man treffen will.


    Und gerade mit einem Libre (oder CGMS) wird es noch einfacher.



    Das sind meine letzten 4 Wochen und da waren 3 echte Unterzuckerungen dabei, aber nur leichte. Das Libre neigt bei mir halt dazu, zu niedrig anzuzeigen.

    Die Kontrollwerte im Blut sind immer ca. 30 mg/dL höher.


    Viele Grüße
    Jörg

  • ich denke auch, dass das heute kaum mehr ein Problem darstellt und häufige Hypos, denen nicht beizukommen ist, sind immer "gut". Meine Dia-Elfe meinte damals, dass ein Motivationsschreiben hilft

    Blutzucker ist die Autobahn, Gewebszucker ne Nebenstraße!

  • Aha, jetzt haben dich also die Erfahrung mit Lyumjev und die Berichte von linus über den damit perfekt funktionierenden Loop angefixt. Vielleicht bin ich auch bald soweit, bisher scheut mich der Aufwand eines Pumpenantrags (ich müsste dazu auch noch den Arzt wechseln).


    Als mein Dawn-Phänomen noch stärker ausgeprägt war, hatte ich zum Thema Pumpenantrag recherchiert und auch Kontakt zu einigen Mitgliedern hier. Danach hatte ich den Eindruck, dass das sehr stark davon abhängt, bei welcher Krankenkasse man versichert ist. Vielleicht spielt sogar die Tagesform des Sachbearbeiters/in eine Rolle. Bei manchen reicht bereits ein Rezept eines Diabetologen, um beispielsweise einen Omnipod zu genehmigen, andere machen großes Theater mit Einschaltung des MDK, Genehmigung auf Probe und erneute Prüfung des Erfolgs nach 3 Monaten. Wenn jemand über entsprechende Erfahrungen berichtet (an denen ich ebenso sehr interessiert bin), wäre es also wichtig, auch die Krankenkasse zu nennen.


    Bei bereits guten Werten mit ICT, wie bei dir, wird eine Ablehnung als erste Reaktion üblich sein. Wenn es dann in die zweite Runde eines Widerspruchs mit Einschaltung des MDK geht, müssen (am besten vom Arzt) Probleme bzw. Gründe genannt sein, die mit ICT nicht lösbar sind. Die Krankenkasse betrachtet das ganze ja hauptsächlich unter wirtschaftlichen Aspekten. Mit den in der Regel geforderten Tagebüchern muss also nachgewiesen werden, warum die preiswerte ICT nicht ausreicht und die teurere CSII erforderlich ist. Sofern mit schlechten Werten bzw. dem Nichterreichen der Therapieziele argumentiert wird, nimmt der MDK die Tagebücher dahingehend unter die Lupe, ob nicht einfach Therapiefehler der ICT die Ursache sind und eine Pumpe wirklich helfen kann.


    Es ist deshalb von Vorteil und hat zumindest Indizwirkung, wenn man bereits einige Jahre ICT betreibt und dennoch die Probleme nicht beheben kann. Als „guter“ ICTler kann man nur die von dir bereits erkannten Begründungen vorbringen, also hohes Hyporisiko, ständige nächtliche Korrekturen, wechselnde Tagesabläufe wegen Schichtarbeit u.ä. Die Argumentation steht also unter der Überschrift einer unzureichenden zu starren Basalversorgung mit ICT. In der Leitlinie steht ja Dawn-Phänomen als Kann-Indikation drin, was wohl meist auch anerkannt wird. Offenbar ist nicht zumutbar, dass man jede Nacht aufsteht, um zu korrigieren. Deine regelmäßigen Absacker sind ja etwas ähnliches, nur in Gegenrichtung. Und mit ICT unvermeidbare Hypos sind immer ein gutes Argument, weil damit eine erhebliche Gefahr verbunden ist. Die Hypogefahr ist natürlich auch psychisch belastend;). Du hast recht, Sport wird in der Leitlinie gar nicht erwähnt, wahrscheinlich weil das auch unter Hypogefahr fällt.


    Ich nehme an, dass dein Libre2 auch häufig zu niedrig anzeigt. Deshalb würde ich mit einem Pumpenantrag nicht die kalibrierten bzw. korrigierten Nightscout-Reports einreichen, sondern die Berichte aus Libre view. Die Kurven dort haben viel mehr rote Hypoanteile und sehen richtig dramatisch aus. Ich habe mir deshalb vorsorglich angewöhnt (für einen eventuellen Pumpenantrag), die KH und IE in Libre Link einzutragen. Man kann auch beliebigen Text als Kommentar einfügen.


    Bleibt nur zu hoffen, dass dann der MDK-Arzt bzw. Sachbearbeiter nicht auf die Idee kommt, dass du nur deinen Zielwert bzw. das Blutzuckerniveau anheben musst, um das Problem zu lösen. Aber dann würde man ja den Teufel mit dem Belzebub austreiben.:evil::rofl Bitte berichte.

  • bei mir musste auch bescheinigt werden, dass ich bereits verschiedene Insuline (Basal in meinem Fall) ausprobiert hatte und dass ich eine Schulung zu Hypowahrnehmungsstörungen hatte, denn dann konnte ich gut sagen "ich merk die nicht wirklich und hab alles getan, was ICH tun konnte, um das zu beheben". Meine Pumpe war nach 2 Wochen (ohne MDK) zur Probe genehmigt und dann nach 4 Wochen auch dauerhaft. Da hat die DAK gar nicht lange gefackelt. Das zugehörige CGM war da schon schwieriger (das ging über den MDK)

    Blutzucker ist die Autobahn, Gewebszucker ne Nebenstraße!

  • bei mir musste auch bescheinigt werden, dass ich bereits verschiedene Insuline (Basal in meinem Fall) ausprobiert hatte

    Das wird wahrscheinlich häufig hinterfragt, da Unzulänglichkeiten in der Basalversorgung (regelmäßige Hochs oder Tiefs) eventuell mit einem anderen Basalinsulin/Wirkprofil oder geänderten Injektionszeitpunkten beseitigt werden können.


    Das zugehörige CGM war da schon schwieriger (das ging über den MDK)

    Häh???? Die genehmigen dir eine 640 G mit Hypoabschaltung, die nur mit dem zugehörigen Sensor funktioniert und das CGM muss das komplette Genehmigungsverfahren nochmal durchlaufen? Steckt da irgendeine Logik dahinter?

  • ja, ich hatte damals den Libre und es hätte ja sein können, dass mir das Argument mit der Hypoabschaltung und dem Alarm entgangen wäre :rofl


    Mein Problem war ja, dass ich nachts einen sehr geringen Verbrauch hatte - morgens waren's 13/14 rum und abends waren 3 zu wenig und 4 zuviel - jetzt ist es interessanterweise ziemlich ausgeglichen

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  • Vielen Dank erstmal für die Rückmeldungen, das hat mir schonmal weiter geholfen.

    auf jeden Fall einen Antrag stellen, die werden doch gefühlt - bei vollständiger Einreichung der Unterlagen - kaum noch abgelehnt.

    Ok, das macht etwas Hoffnung. Wenn man hier so im Forum liest, hat man irgendwie den Eindruck, dass es ohne langwierigen Widerspruch oder gar Klage nur selten klappt. Aber vermutlich werden auch eher die Leute schreiben, die Probleme gehabt haben.


    Da hast Du doch Deine Indikation.

    Mit der Pumpe kannst Du Dein Basalprofil so einstellen, dass zu dieser Uhrzeit dann weniger Basal abgegeben wird.

    Deine Indikation ist dann so ähnlich wie bei einem Dawn-Phänomen: das Wirkprofil Deines Basal passt nicht zu Deinem tatsächlichen Bedarf.

    Das wäre auch mein Hauptargument für den Pumpenantrag.

    Aber ich hab halt kein „Gefühl“ dafür, was denn beim MDK als schwerwiegendes Problem und was als „normaler“ Krankheitalltag gilt. Mein Nachmittagstief ist zwar in den CGM-Kuren gut sichtbar, aber da ich ja den Libre mit Alarmen habe, kriege ich es meist noch bei Werten über 70 kontrolliert. Insbesondere in den „richtigen“ Hypobereich unter 60 komme ich nie.

    Ich befürchte halt, dass der MDK hier einfach sagt: Die Werten sehen ja eigentlich ganz gut aus und „1-2 TZ/Schokoriegel am Tag“ zur Hypokorrektur rechtfertigt keine 4000€/Jahr.


    bei mir musste auch bescheinigt werden, dass ich bereits verschiedene Insuline (Basal in meinem Fall) ausprobiert hatte und dass ich eine Schulung zu Hypowahrnehmungsstörungen hatte, denn dann konnte ich gut sagen "ich merk die nicht wirklich und hab alles getan, was ICH tun konnte, um das zu beheben".

    Basalinsuline habe ich zumindest schon zwei durch (Lantus und Levemir) und auch an Spritzvarianten (1x vs. 2x/verschiedene Uhrzeiten) hab ich schon viele probiert.

    Eine Schulung zur Hypowahrnehmung hatte ich noch nicht, wobei ich ja da auch ein „CGM“ habe. Das (früher häufige) Argument der Hypowahrnehmungsstörung fällt ja damit leider weg.


    Aha, jetzt haben dich also die Erfahrung mit Lyumjev und die Berichte von linus über den damit perfekt funktionierenden Loop angefixt.

    Naja „angefixt“ vom Loopen bin ich schon, seitdem ich das erste Mal davon gelesen habe. Das dürfte so am dritten Tag in der Klinik nach meiner Erstdiagnose gewesen sein.

    Ich nutze ja auch schon AAPS und seine Prognose als (überdimensionierten) Bolusrechner, seit die Libre patched App raus ist.

    Ein komplett bolusfreies Essen ist mir eigentlich gar nicht so wichtig, aber ein sicherer „Reset“ in der Nacht, unabhängig vom Abendessen (meine Hauptmahlzeit“) würde schon vieles leichter machen. Wenn ich dann noch statt genauer KH-Berechnung nur einen willkürlichen Schätzbolus für die ersten KHs brauche, wäre ich schon vollends zufrieden. Die drei Klicks weniger machen dann den Kohl auch nicht mehr fett.


    Vielleicht spielt sogar die Tagesform des Sachbearbeiters/in eine Rolle. Bei manchen reicht bereits ein Rezept eines Diabetologen, um beispielsweise einen Omnipod zu genehmigen, andere machen großes Theater mit Einschaltung des MDK, Genehmigung auf Probe und erneute Prüfung des Erfolgs nach 3 Monaten. Wenn jemand über entsprechende Erfahrungen berichtet (an denen ich ebenso sehr interessiert bin), wäre es also wichtig, auch die Krankenkasse zu nennen.


    Bei bereits guten Werten mit ICT, wie bei dir, wird eine Ablehnung als erste Reaktion üblich sein. Wenn es dann in die zweite Runde eines Widerspruchs mit Einschaltung des MDK geht, müssen (am besten vom Arzt) Probleme bzw. Gründe genannt sein, die mit ICT nicht lösbar sind. Die Krankenkasse betrachtet das ganze ja hauptsächlich unter wirtschaftlichen Aspekten.

    Da ich bei der (sehr formal agierenden) TK bin, wird es mit Sicherheit auf ein MDK-Gutachten rauslaufen. Ich hatte auch mal irgendwo gelesen, dass bei der TK auch tatsächlich ein Diabetologie die Fälle prüft, ob das jetzt aber ein Vorteil oder ein Nachteil ist, kann ich schlecht einschätzen. Dass der Antrag einfach durchgewunken wird, kann ich mir anhand meiner bisherigen Erfahrung mit der TK nicht vorstellen.


    Ich nehme an, dass dein Libre2 auch häufig zu niedrig anzeigt. Deshalb würde ich mit einem Pumpenantrag nicht die kalibrierten bzw. korrigierten Nightscout-Reports einreichen, sondern die Berichte aus Libre view. Die Kurven dort haben viel mehr rote Hypoanteile und sehen richtig dramatisch aus. Ich habe mir deshalb vorsorglich angewöhnt (für einen eventuellen Pumpenantrag), die KH und IE in Libre Link einzutragen. Man kann auch beliebigen Text als Kommentar einfügen.


    Bleibt nur zu hoffen, dass dann der MDK-Arzt bzw. Sachbearbeiter nicht auf die Idee kommt, dass du nur deinen Zielwert bzw. das Blutzuckerniveau anheben musst, um das Problem zu lösen. Aber dann würde man ja den Teufel mit dem Belzebub austreiben.

    Mein Libre misst etwas niedriger, allerdings ist der Unterschied nicht so groß wie bei dir. Aus 1% Hypo werden dann "nur" 2-3%, bei gleicher TIR. Das Bild ist aber in der Tat schon dramatischer.

    Allerdings kommt dann eben auch das Risiko dazu, dass er erstmal sagt: HbA1c bitte auf 7,5% (oder auch 8,5%) einstellen, denn genau das Empfiehlt die Leitlinie ja bei Problemen mit Hypos. In der Kurve ist ja (beim Standardbereich) noch Puffer nach oben.

    Einmal editiert, zuletzt von Gendra ()

  • na ja, aber ne Hypo ist halt auf jeden Fall zu vermeiden, darauf würde ich schon rumreiten, ob du "gewarnt" wirst oder nicht, immerhin hat's immer noch 10-15 Minuten Zeitverzögerung, bis das bei der SG ankommt und ganz ehrlich: zur Not würde ich mir ein paar Hypos in die Nacht basteln, denn durchschlafen darf kein Luxus sein (das wäre dann auch mein Argument für wieder ne Pumpe mit Hypoabschaltung)

    Blutzucker ist die Autobahn, Gewebszucker ne Nebenstraße!

  • Das wäre auch mein Hauptargument für den Pumpenantrag.

    Aber ich hab halt kein „Gefühl“ dafür, was denn beim MDK als schwerwiegendes Problem und was als „normaler“ Krankheitalltag gilt. Mein Nachmittagstief ist zwar in den CGM-Kuren gut sichtbar, aber da ich ja den Libre mit Alarmen habe, kriege ich es meist noch bei Werten über 70 kontrolliert. Insbesondere in den „richtigen“ Hypobereich unter 60 komme ich nie.

    Ich befürchte halt, dass der MDK hier einfach sagt: Die Werten sehen ja eigentlich ganz gut aus und „1-2 TZ/Schokoriegel am Tag“ zur Hypokorrektur rechtfertigt keine 4000€/Jahr.

    In dem Fall legst Du Widerspruch ein. Du neigst offensichtlich zu Hypos durch Dein Basalinsulin und das ist eine Pumpenindikation. Punkt!


    Glaub mir: du wärst erstaunt, wie viele Anträge erst durch Widerspruch durchgehen. Manchmal versuchen sie es, scheuen sich dann aber vor einem Gerichtsverfahren, weil sie wissen, dass sie es nicht durchkriegen.

    Mein "B" im Schwerbehindertenausweis hab ich auch erst nach Widerspruch bekommen.


    Viele Grüße
    Jörg

  • Ich habe damals ohne große Probleme innerhalb zwei Wochen mit MdK meine Pumpe genehmigt gehabt. War aber eine etwas andere Situation. Jedoch auch nur "kann"-Indikationen und super gute Einstellung.


    Ich denke bei mir war es hilfreich, dass ich zum einen ein bzw. mehrere persönliche Telefonate mit der zuständigen Krankenkassen-Mitarbeiterin hatte. Und zum anderen habe ich eine Liste geschrieben für Krankenkasse/MdK warum ich eine Pumpe möchte bzw. welche Probleme ich mit ICT habe, die unter Pumpentherapie zu lösen sind. Das habe ich kurz von der Diabetesberaterin absegnen lassen .sie fand das eine super Idee von mir. Daran erkennt die Krankenkasse und das MdK dass DU die Pumpe möchtest und nicht nur der Arzt.


    Zu deinen Gründen, hast du vllt leichtes Übergewicht, dann wäre das zusätzliche Essen ja nochmal schlechter.

    Oder gibt es Situationen (Autofahrt, Beruf,...) wo der nachmittagliche BZ Absturz nochmal deutlich gefährlicher wäre.

    Hast du vllt häufiger Magen-Darm-Probleme, die das Zwangsessen nochmal erschweren, etc.


    Bitte nicht falsch verstehen, schon allein aufgrund des BZ Absturzes wäre sicher eine Pumpe sinnvoll. Aber vllt findest du ja noch deutlichere Argumente für die Krankenkasse, warum dieser Absturz so gefährlich ist und unbedingt vermieden werden muss. Umso deutlicher das Problem wird umso höher ist sicher die Erfolgsaussicht.


    Und noch was am Rande erwähnt. Ich liebe meine Pumpe wirklich sehr und freiwillig gebe ich sie nicht mehr her. Aber aufgrund letztlich sehr häufiger Katheterprobleme (Verstopfung, abgeknickte Katheter, schlechte Stellen, etc.) und daraus resultierender Resistenzen haben sich meine Werte eher sogar etwas verschlechtert, die letzte Zeit im Vergleich zu ICT.

  • Ich habe die Genehmigung für eine Pumpe vor einer Woche bekommen und es ging sehr zügig (ca. 5 Wochen). Ich bin in einer PKV (Inter), allerdings "Standardtarif". Das ist ein gesetzlich vorgeschriebener Tarif, der in Leistung und Beitrag weitgehend der GKV entspricht.


    Die Situation war bei mir genauso wie Gendra und Andere das schildern: meine Stoffwechseleinstellung ist sehr gut. HBA1c 5,6, nie eine Unterzuckerung wo ich Fremdhilfe benötigte. Auch ich hatte große Bedenken, ob das wohl klappen wird.


    Ich hatte versucht, mich vorab so gut wie möglich zu informieren um möglichst nichts falsch zu machen. Habe zunächst mal bei der Hotline angerufen und gefragt, wie so ein Antrag gestellt wedern sollte. Man sagte mir, ich solle mit einer Verordnung meines Arztes zunächst einen Kostenvoranschlag für die Pumpe einholen und diesen samt Rezept einreichen. Wenn weitere Unterlagen benötigt werden, würden diese angefordert. Genau so habe ich es gemacht.


    Nach 2 1/2 Wochen kam dann ein Schreiben, man benötige folgende Unterlagen um festzustellen, ob die Pumpe nötig ist:


    o Aufzeichnungen zur Stoffwechsellage der vergangenen 6 Monate

    o HBA1c Werte der vergangenen 6 Monate

    o Gutachten des DiaDocs


    Ich habe 2 Tage später folgendes geliefert:


    o mySugr Reports der letzen 6 Monate (die sind bei mir nahezu vollständig: Behandlungen, Mahlzeiten ...)

    o Nightscout Reports (FreeStyle Libre 2) der letzen 6 Monate (mit Behandlungen)

    o Kopie der letzen Seite meines Diabetiker Passes

    o Gutachten meines DiaDocs

    o Zusätzlich habe ich noch ein Schreiben verfasst, was meine Motivation und die Gründe für einen Pumpenwunsch sind


    Als Gründe habe ich folgendes aufgeführt:

    o immer wieder tiefe nächtliche Werte, die ohne FSL vermutlich hie und da zu heftigen Unterzuckerungen geführt hätten

    o Probleme mit Unterzuckerungen bei außerplanmäßiger Bewegung

    o zeitweise langsame Verstoffwechselung und dadurch Bedarf an flexiblen Boli


    Die Gründe stimmten natürlich mit den Argumenten meines DiaDocs im Gutachten überein. Ich habe die Argumentation nur tiefer ausgeführt. Und was soll ich sagen: zwei Woche später kam, ohne weitere Rückfragen, die Genehmigung. Ich bin sehr glücklich!

  • Wow ist ja ganz schön schwer die zu bekommen bei der GKV.

    Ich brauchte nur 30 Tage Zuckerwerte mit vier Messungen am Tag und die Verordnung des Arztes. Hatte vorher seit Jahren keinen Diabetologen gesehen sondern mir Insulin vom Hausarzt verschreiben lassen.

    Pumpe kam zwei Wochen nach Email-Einsendung des handgeschriebenen Tagebuchs. Dexcom konnte ich sofort nach dem Arzttermin in der Apotheke abholen.

  • Ich denke bei mir war es hilfreich, dass ich zum einen ein bzw. mehrere persönliche Telefonate mit der zuständigen Krankenkassen-Mitarbeiterin hatte. Und zum anderen habe ich eine Liste geschrieben für Krankenkasse/MdK warum ich eine Pumpe möchte bzw. welche Probleme ich mit ICT habe, die unter Pumpentherapie zu lösen sind. Das habe ich kurz von der Diabetesberaterin absegnen lassen .sie fand das eine super Idee von mir. Daran erkennt die Krankenkasse und das MdK dass DU die Pumpe möchtest und nicht nur der Arzt.

    Die Idee mit dem Motivationsschreiben ist mir auch gekommen, da könnte ich nochmal meine Probleme etwas genauer erklären. Wie ausführlich war das denn bei dir gewesen? Hast du auch Beispiele deiner Probleme aus dem Tagebuch mit eingebaut?

    Zu deinen Gründen, hast du vllt leichtes Übergewicht, dann wäre das zusätzliche Essen ja nochmal schlechter.

    Oder gibt es Situationen (Autofahrt, Beruf,...) wo der nachmittagliche BZ Absturz nochmal deutlich gefährlicher wäre.

    Hast du vllt häufiger Magen-Darm-Probleme, die das Zwangsessen nochmal erschweren, etc.

    Übergewicht eigentlich nicht, das geht eher runter in letzter Zeit :P

    Aber der Absacker fällt normalerweise auf die Zeit kurz vor dem Feierabend. Dementsprechend bin ich genau an der Hypogrenze, wenn ich mich eigentlich ins Auto oder auf das Fahrrad setzen will.

    Was ich sonst noch anbringen könnte, wären meine Nachtdienste. Das sind bei uns Bereitschaftsdienste, wo zwischen friedlich durchschlafen bis hin zu nachts um 3 mal eben ne Stunde reanimieren alles dabei sein kann. Tatsächlich habe ich da sogar bei ruhigen Diensten öfter niedrig Alarme als in dienstfreien Nächten.

    Zuletzt bliebe auch noch der geringe Insulinbedarf (ca. 16 IE/d), der ja auch eine kann-Indikation ist.


    Die Situation war bei mir genauso wie Gendra und Andere das schildern: meine Stoffwechseleinstellung ist sehr gut. HBA1c 5,6, nie eine Unterzuckerung wo ich Fremdhilfe benötigte. Auch ich hatte große Bedenken, ob das wohl klappen wird.


    Ich hatte versucht, mich vorab so gut wie möglich zu informieren um möglichst nichts falsch zu machen. Habe zunächst mal bei der Hotline angerufen und gefragt, wie so ein Antrag gestellt wedern sollte. Man sagte mir, ich solle mit einer Verordnung meines Arztes zunächst einen Kostenvoranschlag für die Pumpe einholen und diesen samt Rezept einreichen. Wenn weitere Unterlagen benötigt werden, würden diese angefordert. Genau so habe ich es gemacht.

    Wie lief as denn bei deiner PKV? Gab es da auch so etwas wie einen MDK, der den Antrag geprüft hat. Gelten dort überhaupt die Indikationen der Leitlinie oder eher was im Versicherungsvertrag steht?

    o immer wieder tiefe nächtliche Werte, die ohne FSL vermutlich hie und da zu heftigen Unterzuckerungen geführt hätten

    o Probleme mit Unterzuckerungen bei außerplanmäßiger Bewegung

    Wie tief waren damals die nächtliche Werte bei dir? Gibt sich die KK auch mit "leichten" Hypos (65-70) zufrieden?


    Aber aufgrund letztlich sehr häufiger Katheterprobleme (Verstopfung, abgeknickte Katheter, schlechte Stellen, etc.) und daraus resultierender Resistenzen haben sich meine Werte eher sogar etwas verschlechtert, die letzte Zeit im Vergleich zu ICT.

    Wie häufig treten bei dir den aktuell Katheterprobleme auf? Hat sich das gebessert, seit du rechtzeitig wechselt bzw. deine "schlechten" Stellen vermeidest?

    Tatsächlich ist das eigentlich der einzige Punkt, der bei mir auf der Negativliste steht. Wenn man die Hälfte der Zeit nur damit beschäftigt ist, denn Katheterproblemen hinterher zu laufen wäre natürlich doof.


    Fazit:

    Ich denke, ich werde mal alle Argumente aufschreiben und dann im November beim nächsten Termin versuchen, meinen DiaDoc davon zu überzeugen.

    Ich hab auch mal die KE und IE in LibreView nachgetragen, dann würde ich damit den Antrag stellen, anstatt mit den NightScout-Reports. Durch die (unkalibriert) etwas zu niedrig messenden Sensoren, komme ich da immerhin auf 5% niedrige Werte und die Grafik mit den Hypo-Ereignissen ist schön dunkelrot.

    Einmal editiert, zuletzt von Gendra ()

  • Ich habe damals insgesamt ein Word-Dokument mit drei Seiten gehabt. Wobei das Layout-technisch nur so viel wurde.


    Die ersten zwei Seiten habe ich meine Hauptgründe (Crohn, Nadelphobie und nicht in der Öffentlichkeit spritzen) detailliert beschrieben. Mit möglichen Lösungsansätzen und was dabei dann für Probleme auftreten. Dabei habe ich dann auch Verweise gemacht, z.B. Absacken nur mit Basal aufgrund Bauchschmerzen, sichtbar im Tagebuch am xy, xy und xy...


    Die letzte Seite waren dann weitere Gründe. Mehr Spritzstellen, mehr Flexibilität, genauere Dosierung, verschiedene Bolusarten, bessere Möglichkeit für Sport.


    Die häufigen Probleme mit den Setzstellen traten erst jetzt beim regelmäßigen Wechsel auf. Allerdings habe ich halt auch die letzte Zeit abgenommen und bin gerade so noch nicht untergewichtig (BMI 18,7).

    Es nervt so, jeder zweite Katheter ist abgeknickt, blutet oder schmerzt. Verstopfungsalarm immer dann, wenn man es sowieso nicht braucht. Aber trotzdem meine Pumpe gebe ich freiwillig nicht mehr her.

    Mittlerweile habe ich vor fünf Tagen wieder auf den unteren Rücken gewechselt (vorher Oberschenkel/Po) bisher toitoitoi läuft es besser. Zwei liefen gut, obwohl einer leicht abgeknickt, einer lief gar nicht.


    Kannst du bei deinem Hypo-Problem einmal daheim unter kontrollierten Bedingungen mit TZ griffbereit, nix sofort essen, sondern den BZ kurz unter 60 rutschen lassen, damit du zeigst, was passiert, wenn du nichts immer essen würdest?