Dexcom G7 Abweichungen zwischen CGM und Blut, was ist noch fein was ist defekt?

  • Hey,


    also ich bin mittlerweile aufs iPhone umgestiegen und habe wenigstens keine Alarmschlaufen mehr.


    Jetzt hoffe ich auf eure Erfarhung weil ich halt noch nicht so lange im Spiel bin:

    Nüchtern stimmen Sensor und Blut nahezu überein (+/- 5 mg/dl). Postprandial liegt der Sensor "zuverlässig" 30-40 mg/dl über dem blutigen Wert.


    Ich habe bisher nur mit einer KI drüber "gesprochen". Es meint: Ja, is so, muss man mit leben und arbeiten. Ist das so? Ich hatte aus der Schulung mitgenommen, Unterschiede bis 20 mg/dl können sein. Aber zuverlässig so hohe Abweichungen machen ein Management ohne Fingerstechen ja gar nicht möglich (nutze lediglich Bolusinsulin bisher) und dann bietet der Sensor auch nicht so viel Mehrwert, oder?

    Ki ist der Meinung, Kalibrierung bringt in dem Fall auch nichts, denn Nüchtern gibts ja eine gute Übereinstimmung.


    Ist das echt das, womit ihr arbeitet?

  • Das kommt hauptsächlich einfach auf persönliche Präferenz und andere Dinge wie Insulin- oder Bewegungsempfindlichkeit an.


    Ich persönlich steche trotz Sensor täglich in den Finger - dann, wenn ich esse und/oder korrigieren muss. Warum? Ich bin eher Insulinempfindlich und würde der Sensor bei mir 240 anzeigen, während ich blutig aber bei 200 bin, hat die 0,1IE Korrektur die ich spritzen würde (nur Beispielzahl) bei MIR eine deutlich höhere Auswirkung, als bei anderen vielleicht. Heißt, ich kann mich dadurch leichter in den UZ spritzen, wo es bei anderen vielleicht nur 10mg/dl ausmacht (also ob 100 oder 90 spielt dann keine Rolle, während es bei mir statt 100 dann 70 werden können). Daher rechne ich mit dem Wert der Blutigmessung, um auszurechnen, wie viel Bolus ich z.B. benötige.


    Im allgemeinen solle man im Zweifelsfall immer eher auf die blutig Messung vertrauen. BEACHTE ABER:


    - der Sensor hinkt nach! Besonders nach dem Essen. Wenn man Blutig steigt, dauert es, bis der Sensor dort ankommt und wenn man blutig sinkt, ebenso bis der Sensor das anzeigt (wegen der Dauer vom Gewebszucker).


    - auch Fingerstechen ist nicht 100% genau. Sowohl Sensor als auch Messgerät haben einen Toleranzbereich, deshalb kann man auch normalerweise gut auf den Sensor vertrauen, wenn es jetzt nicht gerade um starke Insulin- oder Bewegungsempfindlichkeit geht (oder der Sensor einfach völlig falsch ist).


    Also ja, ein Sensor ist trotzdem ganz nützlich. Gegenmessen (blutig nachprüfen) sollte man immer wieder, ob man dies nun aber immer macht oder nur ab und zu, ist alles Eigensache.

    I drink diet coke, so I can eat the regular cake!

  • der Vergleich zwischen Finger und Sensor macht eigentlich nur dann Sinn, wenn der Sensor über einen längeren Bereich kaum Steigung/Abfall hat (deswegen stimmt es vermutlich morgens gut überein). Ansonsten greift die "15-Minuten-Regel", dass der Sensor halt um ungefähr diese Zeit hinterher hinkt, weil er ja in einem ganz anderen Medium misst (Zwischenzellwasser zu Blut). Das ist per se schon ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen...


    Wenn er nach dem Essen zu hoch anzeigt, dann war der Blutwert vermutlich vor ca. 15 Minuten genau da und du berücksichtigst die "Sensorverzögerung" nicht

    Blutzucker ist die Autobahn, Gewebszucker ne Nebenstraße!

    • Offizieller Beitrag

    Postprandial liegt der Sensor "zuverlässig" 30-40 mg/dl über dem blutigen Wert.

    Wann genau ist denn bei Dir postprandial? 1 Stunde, 2 Stunden? Und 30-40 mg/dl zu hoch über welchem Wert?


    Grundsätzlich macht eine Vergleichsmessung nur bei einer stabilen BZ-Lage und ohne aktives Bolusinsulin Sinn, also nicht nach dem Essen.

    "Echte Männer essen keinen Honig, echte Männer kauen Bienen!"

  • Ich habe - aus unsicherheit -- gerade doppelt gemessen, sozusagen.

    Eine Stunde nach der Mahlzeit war der Sensor bei 196, blutig bei 161

    Zwei Stunden nach der Mahlzeit war der Sensor bei 192, blutig bei 157 (daher finde ich das mit der Verzögerung logisch, in dem Fall aber schwer nachzuvollziehen).

    Fünf Stunden nach der Mahlzeit war der Sensor bei 129 und blutig bei 126, also wieder total synchron.



    Heute vor der Mahlzeit nahezu gleich,

    1 stunde später Sensor bei 160, blutig bei 123

    2,5 Stunden später Sensor bei 212, blutig bei 175

  • Das ist in gewissen Rahmen normal. Sensoren "übertreiben" ganz gern bei hohen oder tiefen Werten. Daher kalibriert man sie auch nur im normalen (nüchtern) BZ-Bereich.


    Es lohnt sich, eine gewissen Gelassenheit zu lernen. Man sollte sowieso sehr vorsichtig sein bei der Korrektur von pp-Werten. Da sich die Werte sehr schnell ändern können, muss man den Verlauf bewerten und nicht einen einzelnen BZ-Wert.

  • Grundsätzlich sind 10 - 15 % Abweichung sowohl bei Sensoren als auch bei BZ-Messgeräten normal.


    Der Sensor hinkt dem blutigen Wert normalerweise ca. 15 Minuten hinterher, individuell kann es aber auch länger oder kürzer sein.


    Nicht vergessen werden dürfen die Sensorpfeile. Bei waagrechtem Pfeil sind die Werte zwischen Sensor und blutigem Wert stabil, ansonsten können sie durchaus stark abweichen.


    Kalibrierungen deshalb immer bei einem stabilen Blutzuckerwert, d. h. keine Mahlzeit vorher, kein Insulin im Körper, also nüchtern bzw. 4 - 5 Stunden nach einem Essen und mit waagrechtem Pfeil vornehmen.


    Mit Korrekturen nach dem Essen würde ich 2 besser 3 Stunden danach warten, sonst kann es passieren, dass du dich in eine Hypo hineinspritzt, weil der Bolus noch wirkt.

  • Meine Herangehensweise an das ganze ist etwas anders. Ich gehöre jedoch auch zu der Generation Diabetiker, die von Anfang an ein CGM/Libre hatte.


    Ich orientiere mich an den Sensorwerten und darauf ist auch meine Therapie angepasst.


    Also wenn der Dexcom Wert xy anzeigt, spritze ich dafür xy IE als Korrektur.


    Bspw. bei 200 mg/dl, dann 2 IE.

    Dabei ist mir egal, ob der 200mg/dl Dexcom Wert immer in Realität einen blutigem BZ von 200mg/dl entspricht oder eigentlich immer 180 oder 220mg/dl.


    Wenn ich jetzt nach dem blutigen Wert gehen würde, würde unter Umständen mein Korrekturfaktor nicht mehr passen.


    All das unter dem großen Punkt, dass die Sensoren immer die ungefähr gleiche Abweichung zwischen BZ und Dexcom Wert je nach Wert grundsätzlich haben. Das ganze gilt natürlich nicht bei fehlerhaften Sensoren!

  • Ich orientiere mich auch zu 90% an den Sensorwerten. Nur wenn er frisch gesetzt ist oder das Körpergefühl was anderes sagt, messe ich blutig. Damit hab ich seit 2 Jahren einen HbA1c von deutlich < 6

    Blutzucker ist die Autobahn, Gewebszucker ne Nebenstraße!

  • Danke!

    Das ist nochmal anders gut die perspektive von dir zu haben, die auch nicht ohne CGM Diabetiker war :) Hab jetzt auch mal an meine Dia-Beraterin geschrieben und vermute fast, etwas ähnliches wird sie sagen.

  • Ich mache ca. 4 mal die Woche an der Bettkante morgens eine Vergleichs Messung BZ und kalibriere ggf. und ich bin damit zu 98% immer Safe geblieben was die Werte BZ und G7 betrifft.

    Wenn ich nicht nach dem G7 Wert Entscheidungen treffen kann brauch ich ihn auch nicht zu tragen.

  • Seelenkuchenente Was sagen die Trendpfeile in der App die Du nutzt? Und Du weißt das zwischen dem Blutzucker und dem Gewebezucker etwa 15 Differenz liegen, die der Blutzucker schneller ist als der Gewebezucker? Was heißt das? Nach dem Essen steigt der BZ deutlich schneller als der Gewebezucker, hier zeigt also der Gewebezucker, sprich Sensor, zu wenig an. Aber, das heißt, wenn der Blutzucken anfängt zu sinken hängt der Gewebezucker auch hier hinterher, dadurch zeigt der Gewebezucker zu viel an.


    Deshalb sollte der nur bei waagerechtem Trendpfeil verglichen werden. Oder ich mach jetzt einen Blutzucker, mittels Teststreifen und vergleiche den Wert in etwa 15 - 20 Minuten mit dem dann aktuellen Sensorwert vom Gewebezucker.

    Frei nach Loriot, ein leben als T1 ohne CGM und mit begrenzter Anzahl an Teststreifen ist möglich, aber nicht erstrebenswert.

  • Wer viel misst, misst Mist

    Genau. Deshalb verfahre ich so, dass ich nur blutig messe, wenn der Sensorwert nicht zu meinem Körpergefühl passt.
    Und solange mein HbA1c halbwegs zu den Sensorwerten passt, sehe ich keinen Grund daran etwas zu ändern.


    Viele Grüße
    Jörg