Beiträge von Geri

    Jeder Backpacker hat eine Bauchtasche, die leer so dünn wie eine Haut ist und zwischen Unterhose und Hose getragen wird. Sie bleibt natürlich nicht so dünn, denn da kommen Reisedokumente, Kreditkarten und Bargeld hinein. Ich bringe darin auch noch 2 Einmalspritzen und zwei Penfill-Ampullen unter, womit ich bei Totalverlust meines Gepäcks gut eine Woche lang auf der sicheren Seite bin. Insgesamt ist natürlich ein prall gefüllter Geldgürtel nicht sehr angenehm, aber sicher. Ist allerdings nur die Spritze und die Ampulle drin, würde man ihn gar nicht bemerken. Ich selbst will auch keine Tasche herumschleppen, wenn ich in der Heimat unterwegs bin und halte daher den Diabetes-Kram auf Minigröße. Daheim reicht es aber für mich, Spritze und Ampullen in der Hosentasche unterzubringen. Genug Platz, da ich kein Handy und kein Portemonnaie besitze. Wer ein Portemonnaie besitze kann ja dort leicht sein Diabetes-Zeug verstauen.


    LG Geri

    Alles schaffe ich natürlich nicht mit dem Körpergefühl. Aber da kommen mir die sich immer wiederholenden BZ-Musterkurven, die mir schon Hunderte Male geholfen haben. Besonders bei Radtouren und Bergtouren bleiben sich diese Muster ziemlich gleich.


    Beispiel: Am 4. Tag steht eine richtige Bergtour an: 8 Stunden, 1500 Höhenmeter im Auf- und Abstieg, teilweise ausgesetzt, ich bin allein unterwegs. Wie soll das ohne Messwerte klappen? Ich halte mich an mein bewährtes Schema bei Berg- und Radtouren. Nach dem Frühstück geht's los. Da sollte der Wert bei 150-160 mg/dl liegen. Normalerweise messe ich das, heute schätze ich es. Etwa alle eineinhalb Stunden mache ich Pause und verspeise 2 BEs. Die ersten 2 BEs sind "gratis", dh. kein Insulin, alle weiteren BEs insuliniere ich mit dem halben BE-Faktor. Die altbewährten Algorithmen klappen auch heute bestens, einer der wenigen Tage, an denen ich vollzeitig in der TIR (70-180 mg/dl) bleibe. Beim Abstieg wähle ich einen kaum begangenen Pfad. Manchmal richtig unheimlich - total zugewachsen, steiles Gelände, umgefallene Bäume versperren den Weg, Handy-Netz gibt es natürlich auch nicht und niemand weiß, dass ich diesen Weg gewählt habe. Hier sollte nichts passieren, da kommt tagelang niemand vorbei. Trotzdem fühle ich mich sicher, ich habe Insulin und Kohlehydrate. Die Schätzfehler betragen an diesem Tag im Schnitt 13% (was ich natürlich erst am Ende der 10 Tage erfahren habe), mit 87 mg/dl beende ich die Tour, am Abend verringere ich die einmal täglich fällige Basis um 15% und komme gut durch die Nacht. Am Abend zuvor brauche ich keine Basisreduktion, während der Tour regelt sich alles mit den BE-Faktoren. Aber nachher brauche ich nach so einer langen Tour eine reduzierte Basis, sonst frißt mich der Muskelauffülleffekt.


    LG Geri

    Der Freestyle Libre hat in den letzten Jahren das Leben vieler Diabetiker revolutioniert. Ich wollte ihn diesmal im Urlaub für eine besondere Aufgabe nutzen: das Testen und Trainieren meines "inneren CGMs", meines Körpergefühls. Früher waren solche Tests auf punktuelle Messungen beschränkt, jetzt kann ich sie mit einer durchgehenden Kurve auswerten. Der Deal: ich setze einen Sensor, die Werte bekomme ich aber nicht zu Gesicht. Diese liest meine Frau aus und notiert sie, daneben wird mein geschätzter Wert notiert. Gelegentlich wird, für mich auch verborgen, blutig gemessen. Nur bei Werten über 300 mg/dl teilt sie mir diese mit. Tiefe Werte sind kein Problem, denn diese fühle ich sowieso. Ich spritze also eine variable Basis und variable BE-Faktoren, je nach Bewegung, ich korrigiere mit Insulin, wenn ich glaube, hoch zu liegen, esse, wenn ich eine Hypo fühle und spritze zum Essen nach Augenmaß, ohne je zu wiegen. 10 Tage will ich ohne Messwert bleiben. Der Versuch findet während meines Urlaubs im Salzkammergut statt - Berge und Seen. Fast täglich steht eine Wanderung/Bergtour von 2-8 Stunden an, bei der ich meine BZ-Werte erfühlen will.


    Wozu das Ganze, wenn doch die moderne Technik eine lückenlose Überwachung des Diabetikerlebens ermöglicht? Meine großen Leidenschaften sind monatelange Rucksackreisen in alle Teile der Welt und Bergtouren, in den Alpen oder auch weit draußen. Geringes Gepäck und Unabhängigkeit von sensibler Technik ist dabei ein Muss, und damit bleibt nur der Pen und die blutige Messung. Aber selbst das BZ-Messen ist oft über viele Stunden unmöglich. 8 Stunden auf Frontalzacken in einer steilen Eiswand oder 12 Stunden auf einer heillos überladenen Ladefläche eines Pickups auf den Pisten Westafrikas - keine Chance zum Messen. Ich muss meinen Diabetes fühlen und froh sein, wenn ich im Bedarfsfall gerade noch den Pen setzen oder einen Schoko-Riegel verdrücken kann.


    Fazit

    Trotz mancher gewaltiger Schätzfehler bin ich recht gut durch die 10 Tage gekommen. Der mittlere BZ-Wert betrug 124 mg/dl (0-6 Uhr: 94, 6-12 Uhr: 118, 12-18 Uhr: 140, 18-24 Uhr: 146). Ich muss zugeben, dass ich bei normalem Messen und Ablesen schon oft schlechtere Durchschnittswerte als 124 mg/dl hatte. Ist es dieses bewusste "Auf-mich-schauen" und "In-mich-hineinhören", das Achten auf die Mundschleimhaut, die viel über die Höhe des BZ erzählt - ist diese Aufmerksamkeit dem eigenen Körper gegenüber tatsächlich genauso hilfreich wie ein digitaler Wert, der Klarheit für den Moment schafft? Ja, ich habe mich des Öfteren gründlich verschätzt. Was mich dabei überrascht hat: Habe ich mich im Wertebereich 100-200 mg/dl verschätzt, so hat das kaum negative Folgen für die weitere Entwicklung der BZ-Werte gehabt. Sie haben sich trotz Verschätzen wie von selbst wieder im Normbereich "eingerenkt".


    61% der Zeit war ich in der TIR, 18% war ich drüber, 21% war ich drunter, wobei ich dem Libre bei tiefen Werten oft nicht wirklich trauen kann, wie gelegentliche Werte aus blutiger Messung nachträglich bewiesen haben. Natürlich sind das keine Musterschüler-BZ-Werte. Ich bin aber trotzdem zufrieden, autark, nur mit Insulin eineinhalb Wochen gut über die Runden gekommen zu sein. Wie in den alten Zeiten vor der Selbstmessung - nur mit dem Unterschied, dass ich mit der ICT keine Diät einhalten muss und auch spontan Sport ausüben kann. Im Notfall reicht es, Insulin und BEs bei mir zu haben, sonst nichts - das bedeutet Freiheit für mich, weil ich nichts im Leben auslassen muss. Ich bin dankbar, dass die Diabetes-Forschung so viele Hilfsmittel entwickelt hat, und ich bin dankbar, dass es auch ohne geht, wenn's denn notwendig ist.


    Wo ich trotz allem nicht auf gemessene Werte verzichten möchte

    Beim Klettern will ich meinen BZ kennen, mit dem ich in die Wand einsteige. Und er soll 150+ mg/dl betragen. Beim Tauchen ist es nicht anders. Da achte ich ganz genau drauf, dass ich nicht unter 200 mg/dl, aber auch nicht über 230 mg/dl abtauche. Trotz Süßmilch-Tube im BCD will ich es da unten nicht zu einer Hypo kommen lassen.

    Es wäre sicher angebracht, dass Du die Aussage "die Vorteile einfach überwiegen" durch "die Vorteile für mich einfach überwiegen" ersetzt. Für mich z.B. überwiegen die Vorteile der Pen-Therapie, trotzdem würde ich nie eine Therapie-Empfehlung damit verbinden. Selbst die Hersteller von Insulinpumpen, die sehr, sehr viel Geld für meine Vorträge in ihren betriebseigenen Seminaren gezahlt haben, haben immer wieder gemeint, dass eine Pumpen-Therapie für mich nachteilig wäre. Auch diesen Menschen, die eigentlich an hohen Verkaufszahlen interessiert sind, ist klar, dass ein Produkt, das für den einen gut ist, für den anderen schlichtweg nichts taugt. Eigentlich einleuchtend!


    Bezüglich des Spitzensports offensichtlich doch unterschiedliches Vokabular: Hobbysportler bin ich selbst und du offensichtlich auch. Mit Spitzensport hat das aber nichts zu tun. Unter Hobbysportlern gibt es natürlich viele Pumpenträger (besonders gut kompatibel: Radsport), beim Spitzensport ist mir außer dem besagten C.Jarvis niemand bekannt. Anja Renfordt war während ihres sehr kurzzeitigen Comebacks Pumpenträgerin, den Großteil ihrer Erfolge hat sie als "Pennerin" eingefahren.


    Um aber wieder zum Thema zu kommen: gerade dieser Thread zeigt, wie unterschiedlich wir Diabetiker gerade beim Sport sind und dass es keine allgemein gültigen Ratschläge gibt. Ich bin total fassungslos, wenn ich lese, dass bei einem Halbmarathon die BZ-Werte steigen. Ich habe immer nur sinkende BZs festgestellt. Natürlich kann ich da mit meinem Erfahrungshorizont nichts zur Lösung beitragen, weil ich es eben total anders erlebe. Ob es hilfreich ist zu sagen "Gib den Sport nicht auf - hab Geduld und teste, teste und teste", kann ich nicht beurteilen. Für mich war Geduld und Testen DER Weg, aber das muss nicht für jeden gelten.


    LG Geri

    Zitat

    Ach, also nur Ärzte dürfen jemanden zu einer Pumpe raten? Das ist ja mal ganz was neues!


    Ich weiß, dass es immer wieder hier im Forum passiert, aber ich halte es ganz allgemein für bedenklich, hier Therapie-Empfehlungen abzugeben. Dafür fehlt uns ganz einfach die Kompetenz. Auch einen Diabetologen würde ich im konkreten Fall kritisieren, wenn ereine schnelle Therapie-Empfehlung bei einer derart dünnen Informationslage machen würde. Ein ernsthafter Diabetologe würde das aber sowieso nicht machen. Unsere Aufgabe hier im Forum kann wohl nur sein, Optionen und persönliche Erfahrungen auszutauschen . Das ist viel wert und entspricht dem wertvollen Austausch in Selbsthilfegruppen.


    Zitat


    hier wird aber anscheinend Spitzensportler mit Profisportler verwechselt


    Möglicherweise verschiedener Sprachgebrauch in D und Ö. Das was du als Spitzensportler bezeichnest, ist bei uns ein Hobbysportler, die Spitzensportler sind dann wirklich die besten in ihrer Sparte. Mit Profisport hat das Ganze nichts zu tun - das besagt nur, ob jemand Geld mit seiner Sportausübung verdient. Dazu muss er nicht einmal Spitzensportler sein.


    LG Geri

    Zitat

    Ach, also nur Ärzte dürfen jemanden zu einer Pumpe raten? Das ist ja mal ganz was neues!


    Ich weiß, dass es immer wieder hier im Forum passiert, aber ich halte es ganz allgemein für bedenklich, hier Therapie-Empfehlungen abzugeben. Dafür fehlt uns ganz einfach die Kompetenz. Auch einen Diabetologen würde ich im konkreten Fall kritisieren, wenn ereine schnelle Therapie-Empfehlung bei einer derart dünnen Informationslage machen würde. Ein ernsthafter Diabetologe würde das aber sowieso nicht machen. Unsere Aufgabe hier im Forum kann wohl nur sein, Optionen und persönliche Erfahrungen auszutauschen . Das ist viel wert und entspricht dem wertvollen Austausch in Selbsthilfegruppen.


    Zitat


    hier wird aber anscheinend Spitzensportler mit Profisportler verwechselt


    Möglicherweise verschiedener Sprachgebrauch in D und Ö. Das was du als Spitzensportler bezeichnest, ist bei uns ein Hobbysportler, die Spitzensportler sind dann wirklich die besten in ihrer Sparte. Mit Profisport hat das Ganze nichts zu tun - das besagt nur, ob jemand Geld mit seiner Sportausübung verdient. Dazu muss er nicht einmal Spitzensportler sein.


    LG Geri

    Ich halte es schon für gewagt, hier im Forum jemand anderem zu einer Pumpe zu raten, ohne selbst Arzt zu sein, das Diabetesprofil incl. Tagebuch des anderen zu kennen und gar nicht auf die spezielle Sportart einzugehen. Manche kommen beim Sport mit der Pumpe besser zurecht, das ist aber sicher die Minderheit, im Spitzensport ist sie fast gar nicht vertreten (Ausnahme: Chris Jarvis).


    Vereinfachend kann man sagen, dass Sauerstoffmangel beim Sport die Werte steigen lässt - sicher das Kästen-schleppen und vermutlich auch Beat Saber. Moderate Ausdauerbewegung im aeroben Bereich, aber nahe dem Trainingspuls wird sowohl trainingstechnisch als auch zuckermäßig den besten Effekt haben. Natürlich muss man den BZ-Abfall im Auge behalten, aber mit einer normalen Hypo-Wahrnehmung sollte man sich sehr schnell an die passenden Algorithmen herantasten.


    Lg Geri

    Zitat

    Hallo Geri,


    mich würde sehr interessieren, wie andere Gesellschaften damit umgehen. Du bist ja viel in der Welt herumgekommen und hast da sicher Deine Erfahrungen gemacht....

    Hallo Lilimaus,


    Sorry, dass es mit der Antwort so lange gedauert hat. Die letzten Wochen habe ich in Rumänien, Bulgarien, Moldawien und Ukraine verbracht, immer im Auto geschlafen, was für mich heißt, dass ich fast immer offline war. Klar erlebt man einiges bezüglich des Diabetes, wenn man durch die Welt reist. Am bedrückendsten ist die Tatsache, dass für knapp die Hälfte der Weltbevölkerung Insulin nicht zugänglich ist, sei durch die viel zu hohen Preise oder die nicht lösbaren Distanzen zur nächsten Klinik mit Insulin. Für Typ1er und LADAs bedeutet das natürlich, dass sie am Diabetes innerhalb kurzer Zeit sterben müssen, meist ohne jemals eine Diagnose erhalten zu haben. Für die Typ2er sieht es etwas besser aus, aber nur auf Basis einer minimalen Tabletten-Therapie.


    Da mich dieses Problem schon einige Zeit beschäftigt, denke ich, dass ich dafür einen eigenen Thread eröffnen werde und mich auch noch besser einlesen werde.


    LG Geri

    Habe vor einigen Jahren die Insel in den letzten Oktober-Tagen mit dem Fahrrad umrundet. Hotel hatte ich damals keines, darum weiß ich über die Pool-Temperaturen nicht Bescheid. Aber ins Meer konnte ich überall rein, war nicht allzu kalt.


    LG Geri

    Ich wäre vorsichtig mit der schnellen Schlussfolgerung, dass ein relativ früh diagnostizierter Typ 2 extremes Übergwicht bedeuten muss.


    Billy Mills hat seinen Typ 2 mit 25 bekommen, war spindeldürr und ein Jahr später Olympiasieger im 10000m-Lauf (Tokio 1964)


    Steven Redgrave war mit 34 bereits 4-facher Olympiasieger im Rudern, mit 35 wurde er Typ 2er und setzte dann noch 3 Weltmeistertitel und einen fünften Olympiasieg (2000) drauf. Auch kein "Dicker"!


    LG Geri

    Frank, lass dich doch nicht irre machen. Kein ernst zu nehmender Diabetologe wird dir empfehlen, solch niedrige pp-Werte anzustreben. Dass sie doch hin und wieder passieren - klar. Wenn solch niedrige pp-Werte zur Regel werden, kann dies an der in unserer Gesellschaft üblichen Über-Insulinierung, an Restproduktion oder einem Hobby-ähnlichen Streben liegen, sein Leben für Rekord-HBA1c's hinzugeben.


    LG Geri

    Ich kenne regelmßige Essenszeiten und -abstände noch aus der Zeit der CT in den 80er-Jahren. Seit meiner FIT-Einschulung genieße ich die Freiheit, so zu leben wie jeder gesunde Mensch auch, und natürlich genieße ich es, an keine Regelmäßigkeiten mehr gebunden zu sein, außer jene, die mir das Arbeitsleben vorgibt. Ein Tag kann um Mitternacht beginnen, wenn eine 14-stündige Bergtour ansteht, und er kann um 5 Uhr früh enden, wenn Party-Life angesagt war. Und dann gibt es natürlich auch die Mehrheit der "normalen" Tage, die aber auch recht unterschiedlich sein können. Das Essverhalten ist da stets ein anderes, je nach Anforderung, Lust und Laune. Für mich war der Umstieg auf FIT der große Sprung in die Freiheit.


    LG Geri

    Ich denke auch, dass es mit ICT viel einfacher ist, derartige Touren zu schaffen. Ich selbst bin freiwillig immer beim Pen geblieben (bei uns in Österreich hat man die freie Wahl ohne Bedingungen), da ich nichts fix am Körper tragen will, selbst den Libre verwende ich nur sporadisch. Aber ich habe viele Diabetiker-Freunde in Österreich mit Pumpe, usw. Viele sind auch Backpacker, aber für ihre Rucksackreisen steigen sie auf ICT um, und das empfehlen auch unsere Diabetologen.


    Einige Gründe:

    1. Bleibt man auf Reisen bei der Pumpe, müsste man eigentlich zwei davon mitnehmen plus das gesamte ICT-Euipment, falls technische Probleme auftreten. Dadurch schwillt das Gepäck mächtig an, nicht ohne, wenn man es immer selbst schleppen muss. Mein gesamter Diabetes-Krempel für 8 Monate (incl.Reserve für alles) passte in einen 2-Liter-Behälter, der nicht mal ganz voll war.

    2. Ich will mein Diabetes-Zeug, ebenso wie Pass, Geld und Kamera immer bei mir haben, in einem kleinen Handgepäcksrucksack. Dazu muss ich Volumen sparen. Mein Rad habe ich oft unbeaufsichtigt samt Gepäck mehrere Stunden herumstehen lassen. Nur den kleinen Rucksack habe ich immer abgenommen und bei mir behalten.

    3. Ich habe nirgends auf meinem Weg Support für technischen Diabetes-Bedarf. Man kann mir keine Ersatz-Pumpe nachsenden.

    4. Wenn ich Probleme mit meinem Diabetes während der Reise bekomme: ich bekomme Insulin in allen Ländern entlang größerer Straßen, ich bekomme auch Basisbehandlung, aber stets nur auf Basis von Pen oder aber Einmalspritzen.

    5. Ich will meine Daibetes-Therapie voll durchschauen können, eine sogenannte autarke Therapie. Ich kann mir unterwegs, vor allem in endlos hohen Eiswänden z.B. keinen verstopften Katheter leisten.

    6. Ich brauche volle Beweglichkeit beim Klettern und auch möglichen Stürzen. Ob diese mit Pumpe und CGM genauso wie mit ICT und traditioneller BZ-Messung kann ich nicht sagen, da fehlt mir die Erfahrung.

    7. Ich bin oft tage- oder wochenlang ohne Stromversorgung. Auch das kann zu Problemen führen, wenn Akkus aufgeladen werden müssen.


    Liebe Grüße

    Geri

    Vielen Dank für die freundlichen und motivierenden Antworten. Natürlich ist die Frage berechtigt, was ich sonst in meinem Leben mache.


    Ich bin aus Wien und habe die längste Zeit meines Lebens als Mathe-Lehrer an einem Wiener Gymnasium gearbeitet. Ich bin verheiratet, meine Frau war auch Lehrerin, und habe einen erwachsenen Sohn. Als österreichischer Lehrer hat man im Sommer 9 Wochen Ferien am Stück, was für Fernreisen ideal ist. Da meine Frau und auch mein Sohn genauso reiselustig sind wie ich, hatten wir ideale Voraussetzungen für unsere Reiseleidenschaft. Nur die Bergexpeditionen habe ich ohne Famile gemacht (abgesehen von einer Expedition mit meinem Sohn), ich wurde aber dabei immer sehr von meiner Familie unterstützt, besonders von meiner Frau, die von der Heimat aus die Logistik unterstützte und organisierte.


    Meine Frau und ich haben immer wieder Sabbaticals, unbezahlte Freijahre mit Rüückkehrgarantie in den Job, genommen, und dann waren wir gleich ein Jahr unterwegs. Lehrer können nur ein ganzes Schuljahr oder gar nicht aussteigen. Auch für die Everest-Tour benötigte ich ein solches Freijahr.


    In gewisser Weise hat sich mein Diabetes günstig für meine Touren erwiesen. Um die Jahrtausendwende testete ich immer wieder Diabetes-Equipment für die Diabetes-Branche. Schließlich fassten sie Vertrauen in meine Aktionen und unterstützten mich bei den teuersten meiner Berge, die ich mir mit meinem durch Sabbaticals abgespeckten Gehalt nicht hätte leisten können: Everest, Cho Oyu, Carstenz Pyramid, Mount Vinson (Antarktis), Shisha Pangma und Denali. Bei den "normalen" Reisen werde ich nicht unterstützt, da lebe ich aber extrem günstig.


    Ich arbeite freiwillig bei Diabetes-Selbsthilfegruppen und -projekten mit, sehr oft in Form von Vorträgen. Das Thema geht meist in die Richtung, wie man ein outdoor-bezogenes Leben mit seinem Diabetes-Leben vereinen kann. Ich muss allerdings zugeben, dass ich kein diabetischer Musterschüler bin, ich kann aber mit meinem HBA1c recht gut leben. Grundlage für meine manchmal extremen Touren waren die Schulungen durch Kinga Howorka, auch ihre jährlichen Update-Wochenenden besuche ich häufig.


    LG Geri

    Liebe Insuliner,


    Vor wenigen Wochen sind Teile meines Diabetikerlebens in Buchform erschienen. Natürlich war mir klar, dass ich, wenn ich über mein Buch schreibe, damit auch Werbung betreibe, die wir alle im Forum nicht wollen. Deshalb habe ich auch Hans (Haku) kontaktiert, der mich aber ermutigt hat, hier über mein Buch zu schreiben.


    Im Jahr 1984 habe ich im Alter von 28 Jahren eine Trekkingtour in Nepal zum Everest-Basislager unternommen und dabei diesen Berg aus der Nähe bewundern können. Wenige Monate später wurde bei mir Diabetes Typ 1 diagnostiziert. Spritzen und Diät (damals gab es nur die Konventionelle Therapie-CT) waren gar nicht so schlimm für mich, was mich wirklich knickte war die Aussage der Ärzte, dass es nun mit meinen Rucksackreisen und dem Klettern zu Ende sei. Was blieb mir anderes übrig: Ich verschlang alle Bücher über den Mount Everest und die Himalaya-Riesen, mir selbst war der Weg dorthin ja verschlossen. Vorerst! Ich testete viel und versuchte herauszufinden, wo die Grenzen für einen Diabetiker liegen. Bald konnte ich erkennen, dass da doch einiges möglich ist trotz Diabetes. Schon in der Zeit der CT gelangen mir die ersten Marathonläufe, ich konnte wieder mit dem Rucksack durch die Welt tingeln (österreichische Lehrer haben lange Ferien) und meine ersten Sechstausender konnte ich auch besteigen. Der große Schub kam für mich durch den Umstieg auf die neue ICT (Kinga Howorka), wenig später gelang mir auch mein erster Siebentausender im Rahmen einer deutsch-österreichischen Expedition.


    1996 brach der schwedische Extrembergsteiger Göran Kropp mit seinem Fahrrad von Schweden auf, radelte nach Nepal und bestieg den Mount Everest. Das war das ultimative Abenteuer für mich. Damals wurde in der Szene diskutiert, dass es nun fällig sei, dass jemand am tiefsten Ort der Erde startet (auf der Landmasse der Erde das Tote Meer) und bis zum höchsten Punkt aufsteigt. Die Jahre vergingen, ich wurde erfahrener in den Bergen, aber niemand griff die Idee "vom tiefsten Punkt der Erde auf den Gipfel des Mount Everest" auf.


    Im September 2005 ging ich ins Büro der Royal Jordanian und kaufte mir ein Ticket nach Amman - one way. Mit im Gepäck hatte ich die Einzelteile meines Fahrrades, Insulin und Teststreifen für 9 Monate. Die nächsten vier Monate radelte ich mehr als 8000 Kilometer durch Jordanien, Syrien, die Türkei, Iran, Pakistan und Nordindien nach Nepal bis in das Dorf Jiri, wo die Straße in die Himalaya-Berge endete. Von dort wanderte ich mehrere Hundert Kilometer hinein in die Himalaya-Berge in die Everest-Region, wo ich auf mein Expeditions-Team wartete, das mit dem Hubschrauber Ende März einflog und auch mein Expeditions-Gepäck mitbrachte. Am 20. Mai 2006 stand ich dann auf dem Gipfel des Mount Everest.


    Viel ist danach von dieser Tour berichtet worden, da damit erstmals ein Neuntausender (vom Toten Meer aus - minus 400 Meter) bewältigt wurde. Auch ich selbst habe in meinem Seven Summits-Buch über diese Tour geschrieben. Jetzt, nach mehr als einem Jahrzehnt, habe ich mich entschlossen, dieses "Abenteuer meines Lebens" in einem eigenen Buch zu verarbeiten und es aus der Sicht des Diabetikers zu schreiben. Es heißt "Mein Neuntausender" und ist im Buchhandel erhältlich.


    Liebe Grüße Geri


    Ich denke, dass schon allen klar ist, dass zu jedem Zeitpunkt des Jahres Hunderte Rucksacktouristen mit Diabetes unterwegs sind, oft in den heißesten Gegenden der Erde, und dabei ihr Insulin nie kühlen - monatelang.


    LG Geri