Ich habe meine Ypsopump nun seit über einem Monat und ich möchte meine Erfahrungen vom Umstieg von Pen auf Ypsopump teilen, um diejenigen, die vielleicht auch mit dem Gedanken spielen, einen kleinen Denkanstoß zu geben.
Ich habe seit 20 Jahre Typ 1, habe 2x täglich Levemir gespritzt und 3 mal oder häufig mehr Humalog. Mit einem TIR von 60 % und HbA1c < 7,5 bin ich eigentlich gut im Zielbereich - die 70 % TIR mit ICT halten meine Praxis und ich nach vielen Jahren T1D für eine unerreichbare Illusion - aber der Aufwand, dies zu erreichen, ist doch schon hoch. Der eigentliche Leidensdruck zum Umstieg entstand durch schlechte nächtliche Verläufe.
Mir war schnell klar, was ich wollte: keine Pumpe mit zusätzlichem Handgerät und keinen G6 oder Guardian 4 "Bausatz". Die Medtrum mit AAPS wäre eine Option gewesen, ich wollte aber nicht das Versuchskaninchen spielen. Also ist es die Ypsopump geworden. Eine Wahl, die ich nicht bereut habe.
Vor dem Schlauchgedöns hatte ich tierischen Bammel: dass ich ständig irgendwo hängen bleibe, dass mich der Schlauch stört, dass man damit auffällt ...
Bereits nach wenigen Tagen Tragedauer musste ich feststellen, dass nichts davon zutrifft. Auf der Toilette oder beim Umziehen koppele ich mich kurz ab und nachts ruht Pumpi mit einem Clip an meinem Pyjama. Mit der Pumpe spare ich mir das Bauchfreimachen in der Öffentlichkeit und mir hängt nach dem Kantinenbesuch auch nicht mehr das Hemd aus der Hose. Es ist diskret: es bekommt keiner mit, dass ich mir gerade Insulin verabreiche und es gibt auch keine gut gemeinten Kommentare. Es ist so angenehm!
Die ersten Tage im manuellen Modus ließen mich die Kinnlade nach unten klappen: statt üblicherweise 60+ brauche ich jetzt nur noch 45 Einheiten oder weniger pro Tag und selbstverständlich ist der Morgenhügel weg. Im Automodus zeigte sich, dass ich außerdem nachts bis zum frühen Morgen meist kein Basal brauche. Mit Levemir hat das nicht funktioniert und mit Tresiba & Co hätte das noch weniger funktioniert. Ich hätte nie gedacht, dass die Pumpe bei der Gesamtdosis so einen großen Unterschied macht.
Das AID ist kein Selbstläufer, nimmt einen aber im Alltag viel Arbeit ab. Bei mir reagiert CamAPS sehr wirksam auf hohe Werte, notfalls muss man halt mit "Boosten" ran. Auch späte Mahlzeiten lassen sich wirksam "wegboosten" und morgens ist wieder alles fein; mit Pen brauchte ich immer bis Mittag, um mich von >300er Werten "herunterzuschießen".
Beim Sport braucht man weiterhin davor Zusatz-KH, der Verlauf mit Ease-Off ist aber gleichmäßiger und berechenbarer als beim Pen. Über 200 komme ich dank Ease-Off selten und ich habe auch nicht mehr so viel Basal an Bord, was mich unnötig herunterzieht.
Nachts läuft es leider nicht ganz so rund wie gedacht - übereifrige Korrekturen nach dem Abendessen und mögliche Auffülleffekte nach dem Sport ziehen mich nachts noch häufig in die Hypo.
Meine Wert sind mit der Pumpe wesentlich besser geworden. TIR scheint sich bei 75+ % einzupendeln, also plus 15 % und vielleicht sogar mehr. Die Werte verlaufen auch gleichmäßiger: statt wie ein Sägezahn sieht das jetzt wie eine sanfte Hügellandschaft aus. Werte über 250 sehe ich auch nur noch sehr selten, das war mit Pen das Standardprogramm.
Ansonsten ist die Ypsopump zusammen mit CamAPS ist ein sehr ausgereiftes Produkt. Sie lässt sich leicht bedienen aber bietet einige Möglichkeiten. Kleiner Wermutstropfen: mit FSL3+ verbraucht die App leider recht viel Akku, zwar nicht so viel wie wenn die Libre-App Amok läuft, aber es ist schon deutlich. Mit mobile Daten über LTE hält mein Pixel 7 nicht bis zum Abend durch. Trotzdem bin ich froh, dass die FSL3 Softwarewelt mit Libre-App und Juggluco hinter mir liegt, von der Bedienung und Stabilität sind das Welten.
Es war eine gute Entscheidung!