Levemir abends mit Sofortwirkung, kann mir das jemand erklären?

  • Hi!


    Ich habe mal wieder eine Frage an die alten Hasen hier: Ich spritze morgens 10E Levemir, abends 4. In letzter Zeit beobachte ich immer wieder, dass abends Minuten nach dem Spritzen mein BZ nach unten geht, in der Wirkung ähnlich wie 1E Novorapid bei mir. Morgens ist dieser Effekt nicht vorhanden, da passiert wirklich gar nichts.

    Jetzt ist der Effekt bei mir schwer zu unterscheiden vom normalen Fallen der Kurve, weil um diese Zeit auch das Prednisolon auf dem Rückzug ist (von 15 bis 21 Uhr muss ich andauernd korrigieren, lande aber trotzdem immer wieder im Bereich 160+), aber es schon sehr auffällig, dass da oft genau ein Knick in der Kurve ist, wenn ich Levemir gespritzt habe, gegen 22-23 Uhr. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

    Wäre es eine Lösung, abends in den Oberschenkel zu spritzen? Der BZ fällt nicht endlos, sondern flacht dann ab und bleibt ab ca. 2 Uhr ziemlich konstant, so dass ich meist mit ca. 100-110 morgens aufwache. Für mich wirkt das nicht so, als wäre die Dosierung zu hoch. Dieser Abfall ist irgendwie Mist, weil mein Zielwert vor dem Schlafengehen mit 160+-20 auch recht hoch ist und ich dann immer essen muss, um ihn wieder zu erreichen. Das katapultiert mich dann aber teilweise viel höher, als ich eigentlich wollte und ich muss doch nochmal einen Bolus geben, was die ganze Sache ad absurdum führt oder ich akzeptiere 200+ vor dem Schlafengehen.


    Ich glaube, es wird wirklich irgendwann mal Zeit für eine richtige Schulung....


    Danke schonmal für Input.


    Kleiner Nachtrag: Ich bekomme jetzt tatsächlich einen Novopen Echo für das Novorapid, aber nicht für Levemir, weil man unsicher ist, ob daran noch was geändert wird. Wer hat eigentlich den Herstellern erlaubt, dass die Pens und Patronen nicht kompatibel sein müssen? Ist mir ehrlich gesagt unbegreiflich, dass da noch keiner einen Riegel vorgeschoben hat. Bei den Nadeln klappt's ja auch.

  • Könnte an der geringen Menge Levemir liegen. 4 IE sind nicht sonderlich viel, und kleine Basalmengen (bzw. kleine Mengen Insulin generell, funktioniert bei Bolus genauso) werden von Körper wesentlich schneller verarbeitet als Große.

    Ein Wechsel zu einem der sehr lang wirkenden Basalinsuline (Toujeo, Tresiba) ist wahrscheinlich bei dir wegen dem Prednisolon nicht drin, oder?


    Ich Spritze Basal immer in den Oberschenkel, da dort die Resorption langsamer geht als am Bauch, Arm etc. Könntest du wie du schon erwähnt hast ausprobieren. Welche Nadellänge benutzt du normalerweise? Ich würde dir empfehlen fürs Bein erstmal mit den ganz kurzen (4mm) anzufangen, wenn du nen Muskel triffst tut ordentlich weh :bigg


    Und noch kurz: warum liegt dein zielwert vorm Schlafengehen bei 160? Ist ja doch relativ hoch. Da ist noch ordentlich Puffer dabei, nehme ich an?

    "Gibt das Leben dir Zitronen, frag nach Salz und Tequila..." SDP

  • Mokka

    Ich vermute auch, dass ein noch länger wirksames Basalinsulin wenig Sinn macht, weil mein Bedarf so unterschiedlich ist.

    Der Zielwert wurde vor drei Monaten so festgelegt und seitdem haben wir darüber nicht mehr gesprochen. Das war direkt nachdem meine Entgleisung, die zur Diagnose geführt hat, beendet war. Mein nächster Termin ist im Mai, da wird wohl einiges auf den Tisch kommen.


    Ich teste jetzt mal den Oberschenkel. 4mm ist meine Standardlänge, daran wird es also nicht scheitern.

  • Ich spritze zwar kein Levemir mehr, aber direkt nach dem Zubettgehen sackt mein BZ auch kräftig ab, um 20-30 mg/dl. Einfach so vom Hinlegen. Das hat mit dem Basal hat nichts zu tun. Bist du sicher, dass das vom L kommt und nicht einfach nur Koinzidenz ist?

    Ich habe es ein paarmal gehabt, dass ich mit dem Levemir eine Ader getroffen habe, aber da hatte ich mindestens die Hälfte der Dosis als sofortiges schnelles Insulin (zum Glück nicht alles). Das wäre aber eine andere Baustelle und nicht regelmäßig (möchte man jedenfalls wünschen).

    Für den Oberschenkel (Innenseite) nehme ich 5mm, 4mm sind mir da zu kurz.

  • Also am Hinlegen kann es nicht liegen, weil ich danach noch nicht ins Bett gehe. Aber den Effekt kenne ich auch, der ist bei mir sehr ausgeprägt. Es ist auch so, dass mein täglicher Anstieg durch Kortison auch später kommt, wenn ich einen Mittagsschlaf mache. Dann bleibt die Kurve flach und sobald ich aufstehe, gleicht sie der Flugbahn einer Rakete. Vielleicht sollte ich die Tage einfach verschlafen. :bigg


    Habe gestern Abend mal den Test mit Oberschenkel gemacht und hatte das Gefühl, es war besser, muss das aber noch öfter überprüfen. Das mit dem Blutgefäß ist natürlich auch eine Sache, ich treffe die leider sehr oft und bin ziemlich blau am Bauch. Ich weiß aber auch nicht, wie man das vermeiden kann, durch die Speckschicht sieht man da ja nichts.

  • Warum spritzt Du nicht erst direkt vor dem Schlafen?

    Du könntest auch beobachten ob der BZ ohne das Levemir auch abgesackt, dann liegt es an verbesserter Insulinempfindlichkeit durch das nachlassende Cortison sein.


    Beim beim Bein wäre ich vorsichtig, wenn man ein Gefäß oder den Muskel trifft, wird die Wirkung beschleunigt.

    Wenn man mit hohem Blutzucker in der Sonne liegt, karamellisiert man dann? :urlaub

  • Dass Levemir nach wenigen Minuten eine Wirkung zeigt, ist eigentlich nicht möglich, außer bei Gefäßtreffer. Das ist eher Zufall, wenn du immer um die gleiche Zeit spritzt, eine Basalschwankung oder das Cortison. Versuch mal den Injektionszeitpunkt zu variieren.

  • Ich habe im Moment leider praktisch keinen Schlafrhythmus mehr. Ich gehe teilweise erst um 2 oder 3 Uhr ins Bett und hätte dann Angst, dass ich mit der Morgendosis kollidiere. Aufstehen ist immer spätestens um 9 Uhr, weil ich dann Cortison+die anderen Immunsuppressiva nehmen muss und das Levemir dazu, damit das in der höheren Dosis wirkt, wenn auch das Cortison kommt.

    Ich teste jetzt mal ein bisschen herum, zur Zeit spielt sowieso wieder alles verrückt, in den Randzeiten bin ich total insulinempfindlich, wenn ich dann aber eine Stunde später um 10g daneben liege, lande ich gleich bei 180+.

  • https://www.d-journal.ch/diabe…l/insuline-im-ueberblick/


    Hier findest Du die "Wirkzeiten" verschiedener Insuline.


    ich weiß ja nicht wie schnell das Cortison wirkt, aber ich denke - man könnte versuchen das Wirkmaximum der 10IE etwas früher zu legen.

    Du schreibst von 15-21 Uhr sinken die Werte garnicht so richtig.

    Aktuell hast Du folgendes Spritzschema:

    10 IE ca. um 9 Uhr - diese scheinen nicht bis nachmittags auszureichen bzw. die Cortisonresistenz zu überbrücken

    4 IE um 22-23 Uhr


    Du könntest die 4 IE schon am Nachmittag nehmen und schauen was passiert. Damit würdest Du besser beobachten können wie der BZ vor dem Schlafen und nachts läuft.

    Wenn Du dann nachts in eine Basallücke läufst, würde ich vor dem Schlafen gegen 2-3 Uhr nochmal 2 IE nachlegen.


    Bitte beachte: bei jedem ist am späten Vormittag und nachts gegen 3 Uhr die Insulinempfindlichkeit am größten. Levemir hat einen guten Wirkspiegel der selten zu Hypos führt. Da kann man mit überlappenden Dosen arbeiten.

    Wenn man mit hohem Blutzucker in der Sonne liegt, karamellisiert man dann? :urlaub

  • Ich hatte früher auch mal Levemir und damit einen blöden Nachmittagsberg (zusätzlich zum Dawn-Phänomen), dann hat mein damaliger Diabetologe vorgeschlagen, dass abends und mittags zu spritzen, also so 23:30 und ca. 12:30,das hat gut funktioniert


    (geht natürlich nur, wenn man relativ spät ins Bett geht).

  • Danke für den Input, ich werde auf jeden Fall mal testen, das Levemir insgesamt etwas zu verschieben. Ich hatte irgendwo gelesen, dass die Wirkung nach 3 Stunden eintritt, da erschien mir die Gabe um 9 Uhr logisch, weil mein Berg in der Regel gegen 13 Uhr beginnt und dann ab 18/20 Uhr wieder abfällt. Richtig schlimm ist die Zeit zwischen 14 und 17 Uhr, zumindest meistens, manchmal kommt das Cortison aus unerfindlichen Gründen auch erst später. Wäre sonst auch zu einfach. ;)

  • So wie du das beschreibst, würde ja einiges für die Mittagsvariante sprechen?


    Besprich das doch mal mit deiner Diabetologin beim nächsten Termin.

  • Danke für den Input, ich werde auf jeden Fall mal testen, das Levemir insgesamt etwas zu verschieben. Ich hatte irgendwo gelesen, dass die Wirkung nach 3 Stunden eintritt, da erschien mir die Gabe um 9 Uhr logisch, weil mein Berg in der Regel gegen 13 Uhr beginnt und dann ab 18/20 Uhr wieder abfällt. Richtig schlimm ist die Zeit zwischen 14 und 17 Uhr, zumindest meistens, manchmal kommt das Cortison aus unerfindlichen Gründen auch erst später. Wäre sonst auch zu einfach. ;)

    Bitte immer nur eine Änderung vornehmen und 2-3 Tage austesten, dann erst wieder was ändern (außer es läuft nach oben oder unten komplett aus dem Ruder) .

    Die Wirkdauer ist immer abhängig von der Menge IE, kleine Mengen wirken kürzer. Es kann also auch was bringen auf die 10IE um 9 Uhr eine Schippe draufzulegen.

    Viel Erfolg!

    Wenn man mit hohem Blutzucker in der Sonne liegt, karamellisiert man dann? :urlaub

  • Danke für den Input, ich werde auf jeden Fall mal testen, das Levemir insgesamt etwas zu verschieben. Ich hatte irgendwo gelesen, dass die Wirkung nach 3 Stunden eintritt, da erschien mir die Gabe um 9 Uhr logisch, weil mein Berg in der Regel gegen 13 Uhr beginnt und dann ab 18/20 Uhr wieder abfällt.

    als Typ-3 mit Eigenproduktion - überleg mal ob nicht deine eigene Bauchspeicheldrüse schuld sein kann. Ich hatte sowas während meiner Remission. Wenn die Reste einmal in Fahrt waren, die haben nicht "pünktlich" aufgehört. Wenn du zuvor von Normwerten weg warst, dann wäre das EINE Erklärungsmöglichkeit.


    Fachinformationen zu Levemir (was ich auch nehme): https://compendium.ch/product/…en-100-e-ml/mpro#MPro7600



    Zitat

    Nach subkutaner Verabreichung wird eine zur Dosis proportionale Serumkonzentration (maximale Konzentration, Fläche unter der Konzentrationskurve) beobachtet. Bei einer 2× täglichen Verabreichung stellt sich die Steady State Serumkonzentration nach Verabreichung von 2–3 Dosen ein. Die terminale Halbwertszeit nach subkutaner Verabreichung ist abhängig von der Absorptionsrate aus dem subkutanen Hautgewebe. Diese beträgt dosisabhängig 5 bis 7 Stunden. Die maximale Serumkonzentration wird 6 bis 8 Stunden nach Applikation erreicht.

    --
    Nix Diabetes - das ist lediglich Glucose-Intoleranz.

  • Dass Levemir nach wenigen Minuten eine Wirkung zeigt, ist eigentlich nicht möglich, außer bei Gefäßtreffer.

    Bildet Levemir nicht gerade auch im Blut ein Reservoir, das sich erst langsam abbaut?

  • Warum spritzt Du nicht erst direkt vor dem Schlafen?

    Beim beim Bein wäre ich vorsichtig, wenn man ein Gefäß oder den Muskel trifft, wird die Wirkung beschleunigt.

    Ich war seinerzeit ganz froh, das Levemir am Morgen gespritzt zu haben, so konnte ich den Absturz noch wahrnehmen und abfangen. Direkt nach dem Einschlafen weckt mich auch kein Sensor mehr.

    Dass Levemir nach wenigen Minuten eine Wirkung zeigt, ist eigentlich nicht möglich, außer bei Gefäßtreffer.

    Bildet Levemir nicht gerade auch im Blut ein Reservoir, das sich erst langsam abbaut?

    Dann hat es davon bei mir nichts gewusst... Wie gesagt, 3 von 5 Einheiten waren schneller "da" als sonst das Novo. Geblutet hat nix ..

  • Konnte jetzt durch Zufall mal testen, wie sich Levemir erst um die Mittagszeit auswirkt. Scheint gar nicht so schlecht zu sein, mein Cortisonbuckel war jedenfalls nicht so ausgeprägt. Ich behalte das jetzt mal bei und schaue, ob das nur Ausreißer waren. Zur Zeit ist sowieso alles komisch, weil ich wohl immer noch das Zytomegalievirus ausbrüte. Jedenfalls haben sich meine Nierenwerte verschlechtert, wahrscheinlich durch die antivirale Therapie und meine Leukozyten sind im Keller. Alles nicht so prickelnd.

  • Bei Insulin-Analoga, zu denen auch Levemir gehört, sollte die Resorption sich nicht (spürbar) nach der Spritzstelle verändern.


    Liebe Grüße vom Arbyter

    Das Leben ist zu kurz für ein langes Gesicht!

  • Bildet Levemir nicht gerade auch im Blut ein Reservoir, das sich erst langsam abbaut?

    Genau das, es bindet reversibel und relativ stark an das Albumin im Blut. Im Gegensatz zum Lantus/Toujeo ist es einmal "frei" nicht zugleich aktiv.


    Tresiba nutzt übrigens beide Verzögerungsmechanismen - an der Spritzstelle bildet es Kristalle/Selbstassoziation und im Blut zusätzlich eben an das Albumin. Was es IMHO zusammen mit Lantus zum einzigen wirklich "neuen" Insulin seit den zinkverzögerten "Naturinsulinen" macht.

    --
    Nix Diabetes - das ist lediglich Glucose-Intoleranz.