Was tun wenn Hypo unvermeidbar

  • Hatte vor einiger Zeit folgende Situation. Pizza oder eine Mahlzeit mit vielen KH geplant und entsprechend viel Insulin zugeführt. Dann wurde mir vor der Mahlzeit übel, und ich musste mich ständig übergeben. Es bestand also ein Insulinüberschuss, auch Cola, Traubenzucker usw konnte ich nicht bei mir behalten. Da ich eine hohe Insulinresistenz habe sank er nur bis 60, blieb dann und stieg nachdem ich die Pumpe auf 0 stellte. Was würdet ihr tun? In die Klinik, vorsichtshalber? Weiter Zucker zuführen? Ich habe keinen Glukagon-Pen, denke aber es wäre notfalls eine Option.

    "Alle Dinge sind möglich, dem der da glaubt" Mk 9,23

  • Ich glaube du hast schon richtig gehandelt. Ist das Insulin weiterhin aktiv? Irgendwann geht es einmal ja meistens soweit besser dass man z.B. gesüßsten Tee oder Salzstangen runterbringt. Da würde ich entsprechend noch nachessen und zwar die Menge für die du gespritzt hast.

    Pumpe würde ich perspektivisch auf normal stellen oder reduzierte Basalrate, je nach dem...bei einem Infekt hat man oft einen erhöhten Insulinbedarf.

    Klinik würde ich jetzt nicht vorsichthalber machen, kann stattdessen vielleicht jemand bei dir sein? Im Notfall natürlich den Notarzt rufen, allerdings braucht man dafür dann wahrscheinlich schon eine zweite Person die das in dem Fall dann übernimmt.

  • Sich Hilfe holen durch Angehörige oder Nachbarn ist auf jeden Fall sinnvoll.


    Pumpe auf 0 ist auch richtig, wenn man doch umkippt, geht durch die fehlende Basalrate der Zucker irgendwann selber wieder hoch.


    Traubenzuckertäfelchen kann man auch in die Backentasche klemmen und langsam auflösen lassen, durch die Mundschleimhaut wird der Zucker ebenfalls aufgenommen.
    Manchmal kommt das Essen ja auch nicht schlagartig wieder hoch, sondern man kann den Brechreiz ein paar Minuten unterdrücken, die Zeit reicht für die Aufnahme von Traubenzucker aus, vor allem wenn der Magen leer ist.


    Wenn das auch nicht funktioniert, der Zucker auch durch den Stress nicht hochgeht und noch eine größere Menge aktives Insulin da ist, würde ich den Notarzt rufen.

    Besser die stehen einmal umsonst auf der Matte und der Zucker ist dann doch noch selber hochgegangen, als das man umkippt.


    Wichtig beim Glukagon ist, dass man relativ schnell danach was essen muss, sonst sackt der Zucker wieder ab.

    Wenn also gar nichts drinbleibt, hilft auch das Glukagon nur kurzzeitig.


    LG

    zuckerstück

    Das ist mein erster Garten, ich übe noch.🐞🌼

  • Hatte vor einiger Zeit folgende Situation. Pizza oder eine Mahlzeit mit vielen KH geplant und entsprechend viel Insulin zugeführt.

    Zum Akutvorgehen schließe ich mich den Vorschreibern an. Also, bzgl. Pumpe kann ich nicht mitreden, aber den Rest finde ich auch sinnvoll.

    Da die Situation aber wohl vorbei ist und es eher die Frage nach "was würdet ihr machen" war, hab ich da noch einen Gedanken:

    In meiner noch nicht so lange vergangenen Anfangszeit hatte ich (durch meine Pankreas-Thematik) ein paar mal die Situation, dass ich gespritzt hatte und mich aufs Essen freute, aber nach ein paar Bissen der Spaß vorbei war und kaum was reinging. Ein bescheidene Situation die Deiner nicht unähnlich ist. Ich kann gut nachvollziehen, dass das nicht witzig ist.

    Letztlich für mich ein wesentlicher Grund um zu schnell wirkendem Insulin zu wechseln. Mein Lyumjev setze ich meist NACH dem Essen. Das verhindert zwar nicht das Problem, wenn man sich NACH dem Essen+Insulin übergeben muss. Aber die Situation, dass man sich Insulin spritzt und dann nichts essen kann wird vermieden.

  • Ja, so etwas hat man auch, wenn man Seekrank wird.


    Einen Glukagon-Pen finde ich nicht so sinnvoll, wenn die Hände zittern und vielleicht auch schon "das Licht ausgeht" oder "flackert". Ich habe das Nasenspray (baqsimi) immer greiffbar. Das kann man entweder noch selbst geben oder ein "Laie" schafft da auch. Das ein Fremder einen Pen oder eine Spritze setzt, ist sehr unwahrscheinlich.


    Ich hatte es damals mit Traubenzucker geschafft, das ist drin geblieben und hat später für recht hohe Werte gesorgt. Hilfe war weit und breit nicht erreichbar. Es war kein großes Schiff sondern ein kleines Segelboot.

  • Das mit der Übelkeit und dem Erbrechen tut mir leid.


    Traubenzucker in die Backentasche ist eine richtig gute Idee, das habe ich bei einer Hypo, als mir übel war auch schon praktiziert.


    Was mir schon öfter passiert ist, dass ich für das Essen gespritzt habe und dann keinen Appetit mehr hatte oder es nicht ganz aufessen konnte. Ich habe dann abgeschätzt wie viel ich ungefähr nicht gegessen habe und aß dann für den Rest Obst oder trank einen Saft.

  • Ja, so etwas hat man auch, wenn man Seekrank wird.


    Einen Glukagon-Pen finde ich nicht so sinnvoll, wenn die Hände zittern und vielleicht auch schon "das Licht ausgeht" oder "flackert". Ich habe das Nasenspray (baqsimi) immer greiffbar. Das kann man entweder noch selbst geben oder ein "Laie" schafft da auch. Das ein Fremder einen Pen oder eine Spritze setzt, ist sehr unwahrscheinlich.


    Ich hatte es damals mit Traubenzucker geschafft, das ist drin geblieben und hat später für recht hohe Werte gesorgt. Hilfe war weit und breit nicht erreichbar. Es war kein großes Schiff sondern ein kleines Segelboot.

    Bei Seekrankheit geht eigentlich Cola noch einigermaßen; das Koffein möbelt auch den Kreislauf wieder ein bisschen auf. Aber das ist auch nicht wilder als Wandertouren im nirgendwo. Nie ohne Glucagon und einen Partner, der einem das ungehemmt reinhaut falls nötig.

    "Sing this corrosion to me!"

    (Stoßseufzer eines unbekannten Seglers)

  • Hatte ich auch mal im Urlaub eine unangenehme Erfahrung mit gehabt:


    Üppig zu Abend gegessen, (Hälfte des eigentlichen Bedarfs) gespritzt und dann Spaziergang auf der Einkaufsmeile. Bekam Bauchschmerzen und BZ sank auf 70 mg/dl. Mit 0,5l Cola, einem Frozen-Joghurt mit vielen süßen Toppings und stillsitzen auf einer Bank habe ich eine halbe Stunde lang gekämpft, nicht unter 50 mg/dl zu fallen. Mussten letzlich den Spaziergang abbrechen und mitm Taxi ins Hotel.


    Als ich dort dann die Schüssel umarmt habe und mein nahezu unverdautes Abendessen erblickte, wurde mir auch klar, woher die Unterzuckerung kam...

  • Ich halte das genauso wie Eidechse.

    Ich würd mich da anschließen. Traubenzucker zerkauen und mit Wasser herunterspülen, wenn einen das Gefühl "Essen" oder der Geschmack des Traubenzuckers gerade generell anekelt (was ja bei Magenproblemen durchaus möglich ist), geht auch.


    Cola und Co. helfen bei mir erstaunlicherweise gar nicht. Bei heranrauschender Hypo habe ich teils schon komplette Literflaschen Fanta gekippt - Auswirkung fast Null. Daher probiere ich es erst gar nicht mehr mit zuckerhaltigen Getränken.

    Wieso das so ist, kann ich mir nicht erklären :S

    "A spoon full of sugar makes the medicine go down."

    "... not if you are a diabetic."

    (MTV's Daria)

  • Erklärungsversuch: Die gängigen Limonaden enthalten keine reine Glukose sondern Haushaltszucker. Der muss erst vom Körper in Glukose umgewandelt werden, was je nach individueller Verdauung (und Magenfüllstand) etwas dauern kann.

    Basal: Lantus (5 IE/d), Bolus: Normal-Insulin oder Humalog (0,8-1,3 IE/(gKH + gEW/2)/10), Hypo-Helfer: Dextro, Diaversary: 19.11.

    Glukosewerte werden vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.

  • Bier als Hypo-Helfer sehe ich kritisch. (Oder war das als Scherz gemeint?)

    Der Alkohol legt die Leber lahm und somit die letzte Lebensversicherung gegen schwere Hypos.

    Basal: Lantus (5 IE/d), Bolus: Normal-Insulin oder Humalog (0,8-1,3 IE/(gKH + gEW/2)/10), Hypo-Helfer: Dextro, Diaversary: 19.11.

    Glukosewerte werden vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.

  • Ich habe früher immer gern Bier als Hypohelfer genommen. Es sind schnelle KH und der doch eher geringe Alkoholanteil nimmt etwas die Angst im Unterzucker.

    Hat mir auch immer sehr gut geholfen. Natürlich nur wenn man zu hause ist.

    So lange Menschen denken das Tiere nicht fühlen, so lange müssen Tiere fühlen das Menschen nicht denken. (Arthur Schopenhauer)

  • Ich habe früher immer gern Bier als Hypohelfer genommen. Es sind schnelle KH und der doch eher geringe Alkoholanteil nimmt etwas die Angst im Unterzucker.

    Hat mir auch immer sehr gut geholfen. Natürlich nur wenn man zu hause ist.

    .... einen Rossler zum Senken des Zuckers und ein Bier zum Wiederanheben des Zuckers ... 8o gewusst wie ...


    (bei der Vorlage ...)